Rezension: "Illumninae - Die Illuminae Akten_01" von Amie Kaufman & Jay Kristoff

Freitag, 13. Oktober 2017









Heute Morgen noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Am Nachmittag dann wird ihr Planet angegriffen. Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. 
Und damit nicht genug: Ein Virus, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Leider nur ist AIDAN bei dem Angriff außer Kontrolle geraten und übernimmt nun das Kommando.


Quelle: dtv Verlag






"Alles, woran er inmitten dieses lieblosen Tanzes denkt, alles, worum er sich hier am Rande des Nichts sorgt, ist sie. Er will nicht sterben. Nicht, weil er sich davor fürchtet, sondern allein deshalb, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, sie zurückzulassen, und in diesem Sekundenbruchteil beneide ich ihn."

["Illuminae - Die Illuminae Akten_01" | Amie Kaufman, Jay Kistroff | S. 276]



Ich muss gleich vorweg gestehen: Meine Erwartungen an dieses Buch waren immens, ja von galaktischer Größenordnung. Und wie konnte ich auch anders? Schließlich wird jeder, der die englischsprachige Buchbloggerszene verfolgt, zugeben müssen, über dieses ungewöhnliche Cover, das den Titel "Illuminae" ziert, gefühlte tausende Male gestolpert zu sein. Lobeshymnen und Herzchenaugen in den Gesichtern von Buchbloggern und -youtubern - das waren meine Assoziationen zu "Illuminae", die meine Erwartungen immer weiter in die Höhe trieben.

Ich gestehe also, dass ich es "Illuminae" alles andere als leicht gemacht habe. Von Vornherein stand für mich fest, dass ich mich mit einem mittelprächtigen, soliden Plot oder gewöhnlichen, ordentlich ausgearbeiteten Charakteren nicht zufriedengeben würde. Nein, dieses Buch müsste mich regelrecht umhauen, um meine Erwartungen erfüllen zu können und dem riesigen Hype gerecht werden zu können. Und, meine Güte... das hat es getan! In vollem Maße! Noch immer scheint es mir unmöglich, dieses Buch in Worte zu fassen und wahrscheinlich ist es tatsächlich vergebens, denn DIESES. BUCH. IST. UNFASSBAR. GENIAL.

Und noch dazu anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Ich wage zu behaupten, dass es auch euch, die ihr dieses Buch erwägt zu lesen, ebenso gehen wird. Amie Kaufmann und Jay Kristoff müssen Genies sein, anders lässt es sich nicht erklären. Wie sonst sollte es möglich sein, dass mich eine lose Ansammlung von Protokollen, Kameraaufzeichnungen, Tagebucheinträgen, Auszügen aus Interviews o. Ä. derart mit den dort vorkommenden Charakteren mitfiebern und -leiden ließen? Denn daraus besteht "Illuminae": Kein gewöhnlicher Erzähltext, keine gewöhnlichen Dialoge, sondern Aufzeichnungen und Unterlagen, die aus den Raumschiffen und damit den Orten des Geschehens stammen.

Was zu Anfang etwas ungewöhnlich erscheint, entfaltet im Nu eine große Sogwirkung. Diese Art des Erzählens, diese für den Leser neue Art des Erkundens und Erlebens ist komplett anders, außergewöhnlich und einfach nur genial. Ich hatte das Gefühl, mit an Bord der Alexander/Hypatia zu sein, mit Ezra und Kady, den beiden Hauptcharakteren, den Geheimnissen rund um AIDAN und Co. auf die Schliche zu kommen. Amie Kaufmann und Jay Kristoff beweisen mit "Illuminae", dass keine schnulzigen Dialoge notwendig sind, um eine Liebesgeschichte zu Leben zu erwecken, dass langatmige Beschreibungen von Umgebungen oder dem Innenleben der Charaktere auch über ganz andere Wege zum Leser transportiert werden können.

"Illuminae" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Ich hatte so gut wie durchgehend Herzklopfen und eine Anspannung in mir, konnte es einerseits kaum erwarten, zu erfahren, was als Nächstes passiert, und hatte dennoch gleichzeitig Angst davor, was auf der nächsten Seite stehen mag. "Illuminae" steckt voller unvorhersehbarer Wendungen und atemraubenden, rasanten Plotentwicklungen. Als wäre das nicht schon aufwühlend genug, sind mir die Charaktere der Raumschiffe so unfassbar ans Herz gewachsen, dass so manche Entwicklungen noch tiefer geschmerzt haben oder mich bibbern ließen.

Am liebsten würde ich "Illuminae" jedem Autor dieser Welt unter die Nase halten, denn dieses Buch statuiert ein wahres Exempel in Sachen Charakterentwicklung. Ob Kady, Ezra, Kadys Mutter oder jedes andere noch so unbedeutende, kurz vorkommende Figürchen in dieser Geschichte - alle erscheinen so unfassbar echt, authentisch und verdammt menschlich. Sie machen Fehler, sie sind egoistisch, sie haben Angst und sind manchmal alles andere als mutig, sie begreifen zu spät und sind im nächsten Moment furchtlos und aufopferungsvoll. Kurzum: Sie wirken alle unglaublich echt und schleichen sich deshalb in jedes Leserherz, um sich dort erbarmungslos festzukrallen.


Als wäre das nicht schon genug, um "Illuminae" auf der Liste der potenziellen Jahreshighlights 2017 nach oben zu katapultieren, gab es in meinen Augen noch einen weiteren, riesiggroßen Pluspunkt: AIDAN. Meine Güte - wie haben das Amie Kaufmann und Jay Kristoff nur angestellt? Sie haben der künstlichen Intelligenz der Raumschiffe eine dermaßen deutliche Stimme verliehen und damit aus einer KI einen unheimlich faszinierenden Charakter geschaffen. Ich hätte stundenlang aus Sichtweise der AIDAN lesen können. Es war unglaublich faszinierend und fesselnd, die Geschehnisse auf dem Raumschiff mit den Augen der KI zu entdecken. 

Und in noch einem Punkt ist dieses außergewöhnliche Buch beispielhaft: Das Ende. Dieses Ende! Fulminant, mitreißend, aufwühlend, Herzrasen-bereitend. Ich brauche Band 2 dringend! Sofort! 
Over. 

"Ich kann ihre Funktionsweise immer noch nicht ergründen. Mein Hirn ist so groß wie eine ganze Stadt, und doch ist sie mir überlegen. Sie sind mir überlegen.

Die Menschen.
Mit ihren kurzen Leben und ihren kleinen Träumen und ihren Hoffnungen, die so zerbrechlich wie Glas erscheinen, bis man sie bei Sternenlicht betrachtet."

["Illuminae - Die Illuminae Akten_01" | Amie Kaufman, Jay Kistroff | S. 549]








Ich glaube, "Illuminae" ist eines dieser Bücher, an das man sich wagen sollte, ohne vorher allzu viel über den Inhalt zu wissen. Nur so viel: Es ist Liebesgeschichte, Abenteuerroman und Science Fiction in Einem. Es wird euch faszinieren, überraschen, bibbern lassen und euch Herzklopfen bereiten. Es ist  aufgrund einer außergewöhnlichen und genialen Aufmachung sowie des begnadeten Schreibstils zweier unfassbar talentierter Autoren anders als alles, was ihr zuvor gelesen habt. Kurzum: "Illuminae" wird in Lichtgeschwindigkeit euer Leserherz erobern. 



1 Kommentar:

Nadine Herr hat gesagt…

Hello,

du hörst dich sehr begeistert an von dem Buch.

Das Cover ist mir schon häufig aufgefallen.
Ich werde mir das Buch auf jeden Fall vormerken.

Ich bin zufällig über deinen Blog gestolpert.
Du hast ein super schönes Design für Rezensionen! Hut ab.
Ich bleibe gleich als Follower da versteht sich.

Ganz liebe Grüße

Nadine

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