Rezension: "Der kleine Laden der einsamen Herzen" - Annie Darling

Dienstag, 30. Mai 2017








Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromane mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. 
Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv – und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl – mit Sebastian als Held zum Verlieben ...


Quelle: Penguin






"Man macht immer kaputt, was man liebt.
Diesen Satz hatte Posy irgendwo einmal gelesen, und er stimmte. Indem sie versucht hatte, Bookends zu etwas anderem zu machen, als es gewesen war, hatte sie nicht nur seine Seele zerstört, sondern auch diese ganz eigene Atmosphäre, die Posy das Gefühl gegeben hatte, zu Hause zu sein, sobald sie durch die Tür getreten war."

["Der kleine Laden der einsamen Herzen" | Annie Darling | S. 310]





"Der kleine Laden der einsamen Herzen": Allein dieser Buchtitel klingt einfach nur niedlich, gemütlich und nach einer Lektüre mit Wohlfühlfaktor - schließlich geht es in diesem Roman um eine Buchhandlung! Wie könnte man sich als Leseratte zwischen den Seiten eines solchen Buches nicht wohlfühlen? Und das habe ich allein dank des Settings auch, definitiv und unbestreitbar. Dennoch wollte der Funke zwischen diesem Buch mit dem zuckersüßen Cover und mir nicht ganz überspringen.

"Der kleine Laden der einsamen Herzen" steckt voller Liebe zum geschriebenen Wort und zu Buchhandlungen, einer quirligen, schlagfertigen Protagonistin namens Posy und einer unheimlich sympathischen, lebensechten Buchhandlungs-Belegschaft (wie gerne würde ich diese chaotische Crew mal kennenlernen!) - ach ja, und Sebastian Thorndye, der "unverschämteste Kerl Londons", welcher zusammen mit Posy wohl für eine gehörige Portion Romantik in diesem Roman sorgen sollte. Leider scheine ich dem typischen Bad Boy-Typen, den wir so oft in Jugendbüchern wiederfinden, noch immer nicht verfallen zu sein. 

So auch bei Sebastian, welcher mit seiner arroganten Art Posy und ihren Kollegen das Leben und den Versuch, die geerbte Buchhandlung in neuem Stil zu eröffnen, erschwert. Inzwischen finde ich es einfach nur noch ermüdend, von Typen zu lesen, die sich etwa drei Viertel eines Buches beleidigend, hochmütig und rechthaberisch verhalten, zwischendurch einen weichen Kern durch holde, gnädige Wohltaten aufblitzen lassen, um zum Schluss doch endgültig zum schmachtenden, charmanten und liebestrunkenen Kerl zu werden, der sich anscheinend die ganze Zeit über hinter der harten Schale verborgen hat. Kommt euch bekannt vor? Mir auch, leider. Deshalb konnte ich mit Sebastian und der sich steigernden Liebesgeschichte nicht wirklich viel anfangen, so leid es mir auch tut, denn die restlichen Charaktere konnten sich einen Platz in meinem Leseherz dagegen sehr wohl erobern.

Allen voran Posy, die man mit ihrem Dickschädel, ihrer tollpatschigen Art und ihrer bewundernswerten Entschlossenheit, dem Erbe einer verstorbenen Freundin gerecht zu werden und die vor dem Abgrund stehende Buchhandlung in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, einfach nur mögen muss. Ihre Kollegen sind mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten nicht weniger sympathisch - in solch einem Haufen kann Arbeiten doch nur Spaß machen! Gerne wäre ich während des Lebens selbst in "Bookends" aka "Happy Ends" reinspaziert, um nicht nur durch die Buchregale zu streifen, sondern auch diese witzige Crew zu beobachten. Was diese nämlich betrifft, ist Annie Darling die Charakterzeichnung und -ausarbeitung fabelhaft gelungen.

Auch an Anne Darlings Schreibstil ist nichts auszusetzen. Ihre flüssige, locker-leichte Art zu schreiben lässt einen geradezu durch die Seiten fliegen und ans Ende dieser kurzweiligen, gemütlichen, durchaus niedlichen Geschichte gelangen.








"Der kleine Laden der einsamen Herzen" hält, was allein der Titel verspricht: Eine niedliche, kurzweilige, gemütliche Geschichte rund um die Liebe zu Büchern und die wunderbaren Orte, die diese beherbergen: Buchhandlungen. Eine quirlige, schlagfertige Protagonistin sowie authentische Nebencharaktere ließen mich so manches Mal schmunzeln. 
Einzig und allein der in meinen Augen flache Sebastian Thorndyke, der "unverschämteste Kerl Londons", hat dieses Buch in meinen Augen vermasselt und der Portion Romantik, die dieses Buch zum Liebesschmöker hätte machen können, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Solide drei Muffins für dieses Buch - eine Geschichte für zwischendurch, mehr jedoch leider nicht.

 


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