Rezension: "Frühstück mit Elefanten" - Gesa Neitzel

Dienstag, 28. Februar 2017








Alles hinschmeißen, nach Afrika gehen und sich zur Rangerin ausbilden lassen - ist das nun unglaublich mutig oder die Schnapsidee von jemandem, der vor dem Leben davonläuft?

Noch während Gesa darüber grübelt, landet sie kopfüber in ihrem afrikanischen Abenteuer. Sie lernt alles über Elefanten und Gelbschnabeltokos, lernt Spurenlesen und Sternenkunde und muss sich nicht nur einigen Prüfungen, sondern auch ihren Ängsten stellen. 
Sie erzählt von atemberaubenden Begegnungen mit Löwen, vom Barfußlaufen durch die Savanne, von langen Nächten unterm Sternenhimmel - und von einem Leben, das endlich richtig beginnt. 







"Die Begegnung mit meiner ersten Löwin bleibt mir unvergesslich.
Wer einmal diesem durchdringenden Blick standgehalten hat, der kann nicht anders,
der wird für immer verändert. 
Ein Stück von ihrer Wildheit geht in diesem Moment auf dich selbst über und du willst fortan mehr, willst es noch einmal hautnah erleben, 
willst dich noch einmal daran erinnern, woraus du gemacht bist, 
und voller Ehrfurcht der Natur ins Auge blicken."

["Frühstück mit Elefanten" | Gesa Neitzel | S. 87]

Ein Buch zuschlagen, gedankenverloren die Wand anstarren und trotz der traurigen Tatsache, dass die letzte Seite bereits umgeblättert und das letzte Wort gelesen ist, mit Kopf und Herz noch in der Geschichte hängen - wie sehr hatte ich das vermisst! 

Denn eigentlich bin ich gedanklich noch immer auf einem Buschmarsch irgendwo zwischen Südafrika und Simbabwe unterwegs, beobachte Elefanten beim Baden am Flussufer, lerne die Singstimmen der unterschiedlichsten Vogelarten zu unterscheiden und lausche bei einem nächtlichen Lagerfeuer den verschiedensten Geschichten. 
Kurzum: Ich stecke noch immer in der Gedanken- und Gefühlswelt von Fernsehredakteurin/Weltenbummlerin/Rangerin Gesa Neitzel, welche das Unmögliche gewagt und sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen hat, um blindlings in ein Abenteuer zu marschieren, das ebenso aufregend wie irrwitzig klingt: In Afrika eine Ausbildung als Rangerin antreten. 

Und dank Gesa Neitzels detaillierten Berichts in Form eines Buches mit dem wundervollen Titel "Frühstück mit Elefanten", hat der Leser dieses Werkes die unfassbar große Freude, Gesa Neitzel auf ihrem afrikanischen Abenteuer zu begleiten. 
Dies kann übrigens wortwörtlich verstanden werden, denn ich habe tatsächlich das Gefühl, mit dabeigewesen zu sein. Auch ich habe den Atem angehalten, als Gesa Neitzel das erste Mal einem Leoparden begegnet ist, habe ehrfurchtsvoll innegehalten, als sie den Atem eines Elefanten auf ihrem Gesicht gespürt hat oder wollte mit ihr die Welt umarmen, als sie ihre erste Prüfung während ihrer Ausbildung als Rangerin bestanden hatte. 

Gesa Neitzel hat eine grandiose Art zu schreiben - ihre Worte treffen mitten in das Herz eines jeden Weltenbummlers und Naturliebhabers und lassen Bilder vor dem inneren Auge entstehen, die jede Afrikadokumentation in den Schatten stellt. 
Vermutlich auch deshalb, weil sie es auf charmante Art versteht, ihre Schwächen und Ängste ungeniert zuzugeben, ihre Zweifel - wenn es zum Beispiel um die Benutzung eines Gewehrs in der Wildnis oder das Eindringen des Menschen in die Lebensräume der Tiere geht - laut auszusprechen oder sich selbst zu hinterfragen. Mehr als einmal muss sie von sich selbst oder auch von anderen dazu ermahnt werden, ihre - und somit auch sicherlich unsere - typisch deutsche Angewohnheit, alles planen und vorausdenken zu wollen, endlich abzulegen und sich stattdessen auf den Bauch zu verlassen, der schon wissen wird, wo er mit einem hin will. Denn seien wir einmal ehrlich: Wie oft lässt sich die Wirklichkeit dazu überreden, unseren Plänen zu folgen? 

Ihr seht also: "Frühstück mit Elefanten" ist so viel mehr, als ein Erfahrungsbericht darüber, wie aus einer Fernsehredakteurin eine Rangerin wurde, die ihr Herz an Südafrika und die dort beheimateten Tiere verschenkte. Es ist Hommage, Liebeserklärung und Gedankenanstoß in Einem. Inspiration und Mutmacher für all jene, die gerne etwas ähnliches wagen würden und schließlich ein Stück Abenteuer für diejenigen, die gerne auf heimatlichen Boden bleiben und dennoch nicht gänzlich auf eine solches Erlebnis verzichten möchten, das nur erahnen lässt, welcher Wunder dieses Land noch so bereithält. 




"Ich frage mich oft, warum wir uns das Leben so kompliziert machen, warum wir so viele Dinge in unser Leben lassen, die wir im Grunde doch gar nicht brauchen.
Natürlich ist das Leben auch hier draußen in der Wildnis nicht immer einfach [...]
Aber allein die Tatsache, dass wir hier von morgens bis abends an der frischen Luft sind, 
dass wir die tägliche Dosis Wildnis inhalieren und uns am Lagerfeuer Geschichten erzählen, 
dass wir Frühstück mit Elefanten haben und in der Nacht Leoparden knurren hören - all das macht es leichter, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen."

["Frühstück mit Elefanten" | Gesa Neitzel | S. 344]








Gesa Neitzel hat ihr Herz an Afrika verschenkt und dafür gesorgt, dass auch meines nun in den Fängen dieses aufregenden Landes ist. 
"Frühstück mit Elefanten" nimmt den Leser mit auf ein Abenteuer, das den deutschen Alltag noch trister erscheinen lässt als ohnehin schon. Es macht Lust, die Koffer zu packen und in das eigene Abenteuer aufzubrechen, Elefanten und Büffel zu begegnen, Spuren zu lesen und barfuß durch die Savanne zu laufen. 
Es ist eine Liebeserklärung an Afrika, wie sie schöner nicht hätte geschrieben werden können, und damit ein Buch für alle, die ab und an von Fernweh geplagt werden und der Meinung sind, von dieser wundersamen Welt noch viel zu wenig gesehen zu haben. 


Kommentare:

Jen hat gesagt…

Wow, das Buch klingt richtig gut :)
Dank dir, für die tolle Rezension - es wandert direkt auf den Wunschzettel.

Liebe Grüße,
Jen

Livi hat gesagt…

@Jen: Sehr, sehr gerne! ♥ Du solltest es dir schleunigst zulegen, es ist wirklich fantastisch. :)

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