Kurzmeinung: "Burning Glass" von Kathryn Purdie

Freitag, 15. April 2016



+ Eine originelle Grundidee mit gelungener Umsetzung:
Wie bereits der Klappentext verrät, hat Kathryn Purdie eine Welt entworfen, in welcher es sog. "Auraseer" gibt - Mädchen, die dazu in der Lage sind, die Gefühle anderer Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung zu erfühlen. Klingt interessant? Das ist es auch in der Umsetzung!

Facettenreichtum anstelle von Schwarz-Weiß-Malerei: 
Böse ist nicht gleich böse und gut ist nicht gleich gut - ob Protagonistin Sonya, die gleich zu Anfang mit ihrer Fehlerhaftigkeit schockiert oder König Valko, der mit Charme auf der einen und seiner Unberechenbarkeit auf der anderen Seite für schaurige Gänsehaut-Momente sorgt... irgendwie stellt es Kathryn Purdie geschickt an, dem Leser nach und nach klar zu machen, dass wir doch alle ein Stück weit das Produkt äußerer, jenseits unseres Handlungsreichtums liegender Umstände sind.

+ Russisch angehauchter Königshof, Troika-Reisen durch den Schnee, Tanzbälle, Revolution.
Hach, muss ich dem noch etwas hinzufügen?


- Die im Klappentext angekündigte Dreiecksbeziehung ist im Grunde nicht existent. 
Nun ja, ein bisschen vielleicht. Aber nicht wirklich. Oder etwa doch? Fest steht: Ich war, mal abgesehen von den ersten 50 Seiten, kein bisschen hin- und hergerissen zwischen den beiden Männern, zwischen denen sich Sonya Herz - laut Klappentext - nicht entscheiden kann, denn die Anziehungskraft des einen war von ziemlich kurzer Dauer. 
Mit solch einer halben Dreiecksbeziehung kann ich jedenfalls nichts anfangen - wenn schon, dann möchte ich den Zwiespalt nachvollziehen, ebenfalls unsicher und in verzweifelter Entscheidungsnot sein. 

- Auf ruhiges Plätschern folgte der tosende Wasserfall: 
Oder auch: Auf eine ruhige (jedoch keineswegs langweilige!) Handlung während den ersten 2/3 des Buches, ging mir im letzten Drittel alles etwas zu schnell. Die Autorin hätte sich hier getrost etwas mehr Zeit lassen können, das hätte der Dramatik keinen Abbruch getan.

Kommentare:

Kaugummiqueen hat gesagt…

Also ich muss ja sagen, dass deine Pluspunkte mich schon sehr neugierig gemacht haben, daher wandert das Buch gleich mal auf meine Wunschliste (besonders der dritte Pluspunkt, ich habe noch nichts in dieser Art gelesen und jetzt bin ich neugierig^^). Dass die Dreiecksgeschichte nicht wirklich existent ist, finde ich eigentlich ganz gut, da ich Dreiecksgeschichten nicht mag :D Also für mich vielleicht eher ein Pluspunkt^^ Wobei ich natürlich deine Kritik verstehen kann, dass wenn man es schon in den Klappentext schreibt, auch erwarten darf, dass es eine große Rolle spielt.
Naja, gehetzte Enden finde ich auch immer schwierig, aber dennoch würde ich dem Buch gerne eine Chance geben :) Ist das Buch in sich abgeschlossen?
Liebe Grüße, KQ

Livi hat gesagt…

@KQ: Freut mich zu hören, dass ich deine Neugierde etwas wecken konnte. :) Mir hat es auch wirklich - mal von meinen kleinen angeführten Kritikpunkten - gut gefallen.

Jaja, mit den Dreiecksbeziehungen ist es so eine Sache. :D Ich weiß, dass sie bei den wenigsten Leserinnen beliebt sind, aber ich finde, dass sie in einem Roman durchaus ihren Reiz haben kann, wenn sie gut umgesetzt wird.

"Burning Glass" ist der erste Teil einer Trilogie, also kein in sich abgeschlossenes Buch. Die Autorin hat meines Wissens nach gerade das Schreiben es 2. Teils beendet, d.h. dass es wohl oder übel noch ein Weilchen dauern wird, bis die Fortsetzung erscheint. :/

Kaugummiqueen hat gesagt…

@Livi: Ah vielen Dank für deine Antwort. Das Buch ist jetzt jedenfalls auf meiner Wunschliste, aber ich warte noch ein bisschen, bis mindestens der zweite Band erschienen und vielleicht auch von dir rezensiert ist :D
Liebe Grüße, KQ

Livi hat gesagt…

@KQ: Okay, klingt vernünftig. :) Ich bin mal gespannt, ob Band 2 mit dem ersten mithalten können wird...

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für deinen/Ihren Kommentar.
Jeder einzelne wird gelesen, geschätzt und gegebenenfalls darunter beantwortet. :)

© fearsomeangel.blogspot.com