"Vergiss den Sommer nicht" - Morgan Matson

Freitag, 6. September 2013


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Ein letzter Sommer, der ewig währen sollte ... Immer wenn es brenzlig wird, hat Taylor genau eine Lösung: Sie rennt weg. Doch jetzt ist es die Zeit, die ihr davonläuft. Ihr Vater hat nur noch wenige Wochen zu leben und einen Wunsch: Diesen letzten gemeinsamen Sommer soll die Familie in Lake Phoenix verbringen - so wie früher. Taylor liebt den funkelnden See mit seinen duftenden Wäldern, den Abenden am Strand ... doch vor 5 Jahren, hat sie dort nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch ihre erste Liebe enttäuscht. Nun versucht Taylor, all das wiedergutzumachen - und diesen Sommer festzuhalten, die letzten Tage mit ihrem Dad, die unwiederbringlich schwinden ...
Quelle: amazon.de
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"Aber im Grunde meines Herzens wusste ich, dass es gut so war - dass ich nach so vielen Jahren, in denen ich vor allem weggelaufen war, jetzt endlich auf etwas zuging."
["Vergiss den Sommer nicht"|Morgan Matson|S.469]


"Amy on the summer road" zu lesen war ein phänomenales Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen möchte. Schließlich gehört Amy und Rogers Geschichte rund um ihren Roadtrip quer durch die USA zu meinen ganz persönlichen Herzensbüchern und mit ihr wurde unwillkürlich vor einiger Zeit auch Morgan Matson kurzerhand zu meiner unangefochtenen Lieblingsautorin gekürt. Sie schaffte etwas, was mir nicht oft passiert: Um Worte ringend, stammelnd, aber mit leuchtenden Augen von einer Geschichte zu erzählen, die mich umhauen konnte, bei der mich tragischerweise jedoch das Gefühl nicht loswird, dass ich keine Worte finden werde, um meinem wunderbaren Leseerlebnis gerecht zu werden. Wieder einmal sitze ich nun sprachlos hier und starte den mühevollen Versuch, passende Worte zu Morgan Matsons unzähligen Worten zu finden, die mich berührt zurücklassen konnten.

Morgan Matsons Schreibstil bewirkte sofort, dass ich mich pudelwohl und in die wundervolle Lesezeit von "Amy on the summer road" zurückversetzt fühlte. Da war sie wieder, diese ungezwungene Leichtigkeit, diese spezielle Morgan-Matson-Note, die während des Lesens "in der Luft liegt" und die einem zu sagen scheint, nun wirklich aufmerksam lauschen zu müssen, da wir es hier mit jemandem zu tun haben, der eine Geschichte zu erzählen hat, die interessant werden könnte. Miss Matson scheint dabei immer die richtigen Worte zu treffen, die - wie zuvor auch schon in "Amy on the summer road" - perfekt zum Alter und Typ der Ich-Erzählerin und Protagonistin Taylor passen. Leicht umgangssprachliche Elemente stören hier kein bisschen, sondern verleihen der gesamten Erzählweise noch mehr Authentizität, die einem von jeder Seite ohnehin schon entgegen springt.

An dieser Stelle sollte ich wohl Folgendes festhalten: Wer wirklich auf der Suche nach einer authentischen Geschichte ist, deren Charaktere so lebensecht dargestellt werden, dass man schon beinahe befürchtet, bei einer Reise nach Amerika ihnen auf der Straße begegnen zu können, wer von Schicksalen lesen möchten, wie sie schon morgen dich, mich oder den Nachbarn betreffen könnten, wer von Liebe lesen möchten, die sich nicht nur in einer Partnerschaft abspielt, sondern endlich gerechterweise in all ihren wunderbar vielseitigen Facetten dargestellt wird und wer nicht davor zurückschreckt, Tränen um imaginäre Personen namens Charaktere zu vergießen - der sollte schleunigst zu Morgan Matson greifen. All die genannten Punkte, die ich auch schon bei Morgan Matsons Erstlingswerk abhaken konnte, kann ich nun auch bei "Vergiss den Sommer nicht" getrost und ohne schlechtes Gewissen unterschreiben.

Vor allem was die Charaktere betrifft, stehen die unzähligen Figuren aus "Vergiss den Sommer nicht" denen aus "Amy on the summer road" in nichts nach. Auch hier habe ich das Gefühl, mich wiederholen zu müssen, aber ich hatte ebenso wie zuvor bei Amy und Rogers Geschichte den Eindruck, dass hinter jeder noch so unbedeutenden Nebenfigur eine eigene, persönliche, noch unerzählte Geschichte steckt und sich Miss Matson spontan Taylors ausgesucht hat - die spezielle, unheimlich sympathische Taylor, die allen unangenehmen Situationen sofort aus dem Weg geht. Die Taylor, die ebenso wie alle anderen Charaktere ihre Fehler aufweisen kann, uns auch ihre egoistische Seite zeigt, ihre Schwächen zunächst verleugnet, jedoch ähnlich wie bereits Amy in Morgan Matsons besagtem anderen Werk während des Buches einen berührenden Charakter-Wandel durchläuft, ihre Schwächen erkennt und versucht diese zu besiegen.

Überraschenderweise war es nicht die Liebesgeschichte - welche man allein des Covers wegen erahnt und erwartet - , die mich so sehr für sich gewinnen konnte. Wie bereits erwähnt, stellt Morgan Matson das so große, undefinierbare Wort Liebe, dem sich bereits unendlich viele Autoren in ihren Werken verschrieben haben, in unterschiedlichsten Facetten dar und scheint als eine der wenigen Schriftstellern diesem auch gerecht zu werden. In "Vergiss dein Sommer nicht" greift Morgan Matson nicht nur zu dem schwierigen Thema Trauer, sondern ermöglicht es ihren Lesern dabei auch noch, eine Familie während der wohl schwersten Zeit ihres Lebens durch den Alltag zu begleiten.

Dabei lernte ich so viele Macken, Ecken und Kanten der Mitglieder aus Taylors Familie kennen, dass es einfach unmöglich war, sie nicht ins Herz zu schließen, ihre Trauer nicht zu teilen und mich ebenfalls so zu fühlen, als wäre ich gerade drauf und dran, viel zu frühen Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen. Auch wenn dieser Alltag, der in dem Ferienort Lake Phoenix abspielt und durch der Leser Taylor und ihre Familie begleitet, seine Längen besitzt und die Handlung als ruhig und dahingleitend bezeichnet werden kann, ist es genau das, was das Adjektiv "authentisch" auf diese Geschichte wieder einmal wie maßgeschneidert wirken lässt: Wer Action, weit hergeholte schicksalhaften Liebe-auf-den-ersten-Blick-Begegnungen oder Friede-Freude-Eierkuchen-Trauerbewältigung in "Vergiss den Sommer nicht" erwartet, liegt falsch. Auch im echten Leben widerfährt uns doch selten Actionreiches oder Spannungsgeladenes, weshalb die Geschichte in "Vergiss den Sommer nicht" mit seinem berührenden Ende, das harmonisch den Rahmen schließt,  wie aus dem Leben gegriffen scheint. - Und wahrscheinlich ist es genau das, was dieses Buch so schön und traurig zugleich macht.

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Morgan Matson vollbrachte, was sie bereits mit "Amy on the summer road" vollbracht hatte: Es ist mir unmöglich, ein einzelnes Kapitel zu nennen, das besonders toll, gelungen oder berührend war, eine Stelle zu benennen, die mich besonders umgehauen hat oder ein Zitat anzuführen, das den Nagel auf den Kopf getroffen hat - vielmehr fügen sich diese unzähligen kleinen Szenen, diese vielen Alltagsmomente, die man mit Taylor und ihrer Familie während ihres Sommers in Lake Phoenix verbringt, zu einem harmonischen Ganzem, das mich dann letztendlich begeistert und berührt.
In "Vergiss den Sommer nicht" ist mit anderen Worten der Weg das Ziel: Nämlich die Zeit, die man mit diesen wunderbaren Charakteren verbringen darf, ihre Macken, die sie dem Leser immer mal wieder offenbaren und die Erkenntnis, sie immer mehr ins Herz zu schließen. Morgan Matson gibt einem das Gefühl, dass es dort draußen viele Taylors geben könnte, deren Geschichten uns Mut, Hoffnung und ein Lächeln abringen kann.



Vielen Dank an den cbj-Verlag.

Kommentare:

Binzi hat gesagt…

Ich fand das Buch auch unglaublich toll <3
Ich hoffe, Morgan Matson schreibt noch viele andere Bücher :)

ButterfliesEatReadLove hat gesagt…

So eine wunderschöne Rezi und jetzt muss ich das Buch so schnell wie möglich lesen! "Amy on the summer road" habe ich schon gliebt und hatte etwas bammel, das mir "Vergiss den Sommer nicht" nicht so gefallen würde. Aber jetzt ist mir klar, dass es mir mit Sicherheit gefallen wird und ich es jetzt von meinem SUB holen werde ;)

Liebe Grüße

Liz

P. S. Ich veranstalte am 14. September eine Lesenacht auf meinem Blog und würde mich sehr freuen, wenn du teilnehmen würdest :)

http://butterflieseatreadlove.blogspot.de/2013/09/lets-read-meine-1-lesenacht-am-14.html#more

Marie hat gesagt…

Ich muss das Buch wohl unbedingt noch einmal lesen... es steht schon seit kurzem auf meiner Wunschliste :)

Filo hat gesagt…

Hach, jetzt freue ich mich noch viel mehr auf das Buch :) Mit "Amy on the summer road" ging es mir genauso wie dir - also kann es da wohl auch nicht schlecht werden^^ Ich muss das Buch wirklich bald kaufen!

Liebe Grüße,
Filo

Livi hat gesagt…

@Filo/Marie: Viel Spaß dabei. :)

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