"Incarceron- Fliehen heißt sterben"- Catherine Fisher

Mittwoch, 28. August 2013


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Sein Körper ist gefangen, doch sein Herz ist frei Incarceron ist ein gewaltiges Gefängnis. Sein Inneres besteht aus gigantischen Metallwäldern, verfallenen Städten und endlosen Weiten. An diesem Ort gibt es weder Freundschaft noch Vertrauen – und es gibt keine Hoffnung auf Entkommen.
Doch der junge Häftling Finn hat eine Verbindung zur Welt außerhalb, zu Claudia, der Tochter des Gefängnishüters. Sie ist Finns einzige Chance, aus Incarceron auszubrechen, und er wiederum ist Claudias letzte Hoffnung, dem goldenen Käfig ihres eigenen Lebens zu entfliehen. Doch Finns und Claudias größter Feind ist Incarceron selbst, das seine Insassen wie ein hungriges Raubtier belauert. Denn dieses Gefängnis lebt ...

Quelle: Amazon.de
Image and video hosting by TinyPic">>Incarceron hat mit en Schultern gezuckt<<, hatte Gildas grimmig bemerkt. Das war das erste Mal, dass Finn das Gefängnis hatte lachen hören. [...] Die Haare auf Finns Haut hatten sich vor Entsetzen aufgestellt. Das Gefängnis war am Leben.
Es war grausam und gleichgültig, und er selbst war in seinem Innern."
("Incarceron- Fliehen heißt sterben"| Catherine Fisher | S. 36)


Unheimlich neugierig, relativ unvoreingenommen und dennoch mit großen Hoffnungen auf eine überwältigende und spannende Geschichte à la James Dashners Labyrinth-/Maze Runner- Reihe schlug ich die erste Seite von "Incarceron- Fliehen heißt sterben" auf. Nachdem ich relativ schnell registriert hatte, dass es der Leser bei "Incarceron" mit einem personalen Erzähler zu tun hat, der hauptsächlich aus der Gedankenwelt der beiden Protagonisten Finn und Claudia erzählt, folgte ziemlich schnell die große Verwirrung: Sowohl im Gefängnis Incarceron, in welchem der Leser Seite an Seite mit Finn den Grausamkeiten dieses besonderen Gefängnisses ins Auge blickt, als auch im Außerhalb, wo es mit Claudia Bekanntschaft zu schließen gilt, wird mit Begriffen um sich geworfen, die bei mir immer wieder große Fragezeichen aufriefen: Comitatus? Sapient? Maestra? Käfer, Das Protokoll, Havaarna? Bitte?

Das sind nur ein paar wenige Beispiele der zahlreichen Begriffe, die von den Charakteren mit leichtfertiger Selbstverständlichkeit benutzt werden. Doch wer nun glaubt, dass der große mit Fragezeichen bestickte Schleier der Unverständlichkeit, der über diesen Begriffen hängt, im Laufe der Geschichte gelüftet wurde, liegt leider falsch - Erklärungen darf man bei "Incarceron" in der Tat nicht erwarten. Stattdessen war ich mit wachsender Seitenzahl dazu gezwungen, mir einen Reim auf die mysteriösen und suspekten Dinge, die anscheinend von relativ großer Bedeutung waren, zu machen. Während mir das bei den meisten von ihnen gelang, blieben bis zur letzten Seite so manche erwähnten Dinge nach wie vor ein rätselhaftes Mysterium in einer wohl dystopischen Welt, die ich leider nicht ganz durchblicken konnte.
Dementsprechend groß war meine Frustration. Zu gerne hätte ich die zukünftige Welt, in der Claudia und auch Finn leben, mit etwas klarerer Sicht betrachtet. Geheimnisvolles und Ungewisses mag ja schön und gut, ja manchmal sogar spannend sein, aber dermaßen viele Fragezeichen, die sich zu beinahe keinem Zeitpunkt auf den knapp 470 Seiten zu Aha-Effekten auflösen, waren nach einer gewissen Zeit einfach nur nervig.
Mit dadurch gedämpfter Lesestimmung wurde ich leider auch mit den Charakteren nicht richtig warm. Vor allem Finn erschien mir einfach zu flach, zumal man als Leser aus seinen Gedanken und Handlungen wenig auf seinen Charakter schließen kann. So kam es, dass ich mich die meiste Zeit eher auf die Textpassagen freute, die sich in Claudias Welt abspielen. Im Gegensatz zu Finn besitzt sie ihre Ecken und Kanten, die sie mir sympathisch und in meinen Augen greifbarer werden ließen.
Eine Einschätzung der anderen Charaktere stellte sich als ziemlich schwierig heraus - bei manchen habe ich noch immer das Gefühl, dass sie sich in Band 2 als Bösewichte herausstellen könnten- Und ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob dieser Punkt bezüglich der Undurchschaubarkeit für oder gegen diese Geschichte spricht...

Was mich in dieser Einöde der Enttäuschung ein wenig aufmunterte, war Catherine Fishers Schreibstil, welcher es versteht, Atmosphären, Gedanken- und Gefühlsregungen treffend und malerisch zu beschreiben. Doch das konnte über den größten Punkt der Enttäuschung nicht hinwegtrösten: Incarceron, das Gefängnis. Dabei war es doch eigentlich genau das, was mich am meisten zum Lesen dieses Buches veranlasste. Ein lebendes Gefängnis, das im Laufe der Jahre eigene Intelligenz entwickelt hatte, seine Insassen beobachtet und ein grausames Spiel mit ihnen treibt? Perfekt, unheimlich spannend und nervenaufreibed - dachte ich. Aber leider waren Finns Erfahrungen im Gefängnis alles andere als spannend, was - wie bereits erwähnt - dazu führte, dass ich mir des Öfteren die Passagen herbeiwünschte, die von Außerhalb und Claudias Erfahrungen berichten. Außerdem gab es leider für meinen Geschmack viel zu wenig über dieses Gefängnis, was man in Erfahrung bringen durfte. Erst im letzten Drittel des Buches wurden kleine Details gelüftet, die mich allerdings allesamt nicht "vom Hocker reißen" konnten, zumal leider auch was Incarceron selbst betrifft, so einige Fragezeichen bei mir offen blieben.


Image and video hosting by TinyPic  Hatte ich bei "Incarceron" eine große Portion Schaudern, Nervenaufreiben und von Spannung bedingtes, polterndes Herzklopfen erwartet, wurde ich leider enttäuscht. Weder die teilweise flachen, teilweise undurchschaubaren Charaktere noch der Komplex um Incarceron, das mysteriöse lebende Gefängnis selbst, konnten mich in ihren Bann ziehen. Schuld daran waren höchstwahrscheinlich vor allem mangelnde Erklärungen und nicht vorhandene Aha-Effekte - oder aber ich bin, auch wenn mir bisher zu diesem Roman nicht viel zu Ohren gekommen ist, mit schlicht und einfach zu hohen Erwartungen an diese Geschichte herangegangen.
Wie auch immer: Auch das zufriedenstellende Ende, das zugegebenermaßen ein wenig neugierig auf Band 2 macht, schafft es wohl eher nicht, mich zum Lesen besagten Nachfolgers zu bewegen.






Herzlichen Dank an den Penhaligon-Verlag.

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