"Türkisgrüner Winter" - Carina Bartsch

Dienstag, 23. Juli 2013

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Geschichten muss man nicht nur lesen, man muss sie spüren.

 Gut aussehend, charmant und mit einer Prise Arroganz raubt er Emely den letzten Nerv: Elyas, der Mann mit den türkisgrünen Augen. Besonders zu Halloween spukt er in ihrem Kopf herum. Doch was bezweckt er eigentlich mit seinen Avancen? Und wieso verhält er sich nach dem ersten langen Kuss mit einem Mal so abweisend? Nur gut, dass Emelys anonymer E-Mail-Freund Luca zu ihr hält. Das noch ausstehende Treffen mit Luca sorgt für ein mulmiges Gefühl. Dann verstummt auch er. Hat Emely alles falsch gemacht? Sehnsüchtig erwartet: Emely und Elyas are back!
Quelle: Amazon.de
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"Was war das nur zwischen uns? Und weshalb war es immer mit so viel Leid verbunden, obwohl wir uns doch eigentlich gern hatten?
Wenn zwei Menschen Liebe gleichermaßen erwiderten, müssten sie sich doch im Paradies befinden.
Doch wenn ich mich umblickte, fand ich mich von der Hölle umgeben."
("Türkisgrüner Winter" | Carina Bartsch | S. 368)
 Es ist doch immer wieder verblüffend: Kaum sonst im Leben verspürt man diese ganz besondere, exotische Mischung aus euphorischer, benebelnder Vorfreude und beklemmender Bedrückung, die die Euphorie einerseits dämpft und gleichzeitig zu etwas Bittersüßem werden lässt. Kaum sonst verspüre ich dieses vorfreudige und dennoch unangenehme Gefühl in der Magengegend als zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Abschluss einer geliebten Reihe aufschlage. Und selten zuvor war dieses bittersüße Gefühl so intensiv wie dies beim zweiten Teil der Dilogie von Carina Bartsch rund um Emely und Elays der Fall war - schließlich stand ich nicht nur vor dem Anfang eines vielversprechenden und herzerheiternden zweiten Bandes, sondern auch gleichzeitig vor dem Ende einer liebgewonnenen Geschichte...

Das Erste, das mich positiv überraschte: "Türkisgrüner Winter" beginnt beinahe unmittelbar da, wo "Kirschroter Sommer" endete, sprich: Neugierige Fragezeichen seitens des Lesers bezüglich der verpassten Zeit oder eine Einführungsphase, in welcher der Leser zunächst zusehen muss, wie er an nützliche Informationen gelangt, um der vorangeschrittenen Geschichte folgen zu können, sind alles andere als nötig.
Vielmehr fühlt man sich ebenso pudelwohl wie das am Ende von "Kirschroter Sommer" der Fall war, ja beinahe erscheint es so, als hätte man nie aufgehört zu lesen. Carina Bartsch meint es in diesem Punkt sehr human mit ihren Lesern, die freudig sowohl die dickköpfige Emely als auch den anziehenden Elyas sowie die anderen Charaktere in altbekannten und geliebten Zügen begrüßen dürfen. Dabei scheint Carina Bartsch zum perfekten Maß zwischen grundlegenden Charaktereigenschaften, welche die Charaktere einfach nicht abschütteln können, und neue Züge, die durch einen Wandel bedingt oder gar aufgedeckt wurden, gegriffen zu haben. Kurzum: Ich war den Personen aus "Türkisgrüner Winter" sofort verfallen und verliebte mich ein zweites Mal in Emely und Elyas wunderbare Geschichte.

Hierbei beeindruckte mich besonders, wie ihre Geschichte zwar zunehmend ernstere Züge annimmt und ich einige Male öfter schlucken musste, sie jedoch dennoch ihre beschwingte Leichtigkeit und humorvolle Brise nicht verliert. Emely und Elyas sind zwar dieselben Sturköpfe wie bereits im Vorgängerband, dagegen aber zunehmend bereit, Eingeständnisse zu machen und ihre verletzliche Seite  mehr nach Außen zu kehren. Langsam aber sicher kann man als Leser Seiten an Emely und Elyas entdecken, die man während des ersten Bandes ohnehin bereits erahnte. 
Man lernt vor allem immer besser den Mensch hinter Elyas Maske kennen, ohne dass dies unrealistisch und nach dem Motto "weicher Kern hinter einer harten - oder in diesem Falle einer arroganten - Schale" abläuft. Nein, Elyas bleibt Gott sei Dank trotz einer wachsenden Demaskierung und dem Bröckeln seiner coolen Fassade der Alte, welcher ebenso wie alle anderen Charaktere auch seine dunklen Schattengründe im Charakter und Abgründe in der Seele trägt. Perfektion wird hier niemandem vorgegaukelt - weder dem Leser noch Emely, die dies trotz ihrer rosaroten Brille immer mehr zu begreifen scheint.
Ein starker Bezug zu Geschehnissen aus dem ersten Band werden aufgegriffen, rücken immer mehr in klareres Licht und bestätigen mögliche Vorahnungen, die während des ersten Bandes aufgekommen waren. Trotz dieser partiellen Vorhersehbarkeit hält  auch Band zwei einige Überraschungen bereit, die nicht nur Emelys und Elyas Geschichte betreffen - denn auch in "Türkisgrüner Winter" schafft es Carina Bartsch wieder einmal, dem Leser Begegnungen und ein näheres Kennenlernen mit unzählig vielen Charakteren zu bescheren, was die Geschichte noch - sofern dies überhaupt möglich ist - um einen Grad authentischer macht. 

Tatsächlich ist es genau das, was mich an diesen beiden Bänden wohl so fesselt: Diese Authentizität und damit verbundene Vielschichtigkeit. Carina Bartsch verpackt in einem einfachen Schreibstil und auf simple Weise so viele Facetten des Menschendaseins in eine Geschichte, die ganz ohne seit jeher so beliebte Fantasyelemente oder dystopische Seiten auskommt. Vielmehr schafft sie es, eine Geschichte auf zusammen rund 900 Seiten zu zaubern, in denen weder Weltuntergangssezenen, noch Vampirzähne oder Engelsflügel vorkommen, sondern schlicht und einfach von der Chemie zwischen Menschen handelt, die manchmal so viel komplizierter sein kann, als man das wohl vorstellen kann oder gar eigentlich beabsichtigt. 

Die Handlung besitzt ihre Höhen und Tiefen; mal plätschert sie vor sich hin, mal poltert und erschüttert sie. Letztendlich bescherte sie mir dieselbe Achterbahnfahrt der Gefühle, die mir bereits "Kirschroter Sommer" beschert hatte und endet auf eine Weise, die mich mit mehr als nur positiven Erinnerungen auf diese wunderbare Dilogie zurückblicken lässt. 

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"Türkisgrüner Winter" beendet, was "Kirschroter Sommer" bereits begonnen hat: Eine Geschichte, die ein Wechselbad der Gefühle garantiert, die zum Schmunzeln, Auflachen, Schmachten, Fingernägelkauen und erleichtert Aufatmen veranlasst. Wer sein Herz an die authentischen Charaktere und den Humor aus Band 1 bereits verlieren konnte, wird sich auch bei Band 2 ein zweites Mal in diese Geschichte verlieben.


Und wer beiden Büchern bisher noch keine Aufmerksamkeit geschenkt hat, dem kann ich nur raten dies schleunigst zu tun.
Denn diese Dilogie erzählt nicht nur eine einfache Liebesgeschichte, wie wir sie zu genüge in allen Buchhandlungen der Welt finden können - Sie erzählt vom Facettenreichtum des Menschen, von Gegenspielern der Liebe sowie Stolz und innere Zweifel, die eigentlich als Abwehrmechanismus und Beschützer des Herzens dienen sollten, jedoch leider oftmals eben dieses mehr schädigen als es das gefürchtete Risiko hätte tun können. 






Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag!

Kommentare:

sly wunyo hat gesagt…

Oh, diese beiden Bücher stehen nun schon so lange auf meiner Wunschliste, aber ich kam imme rnoch nicht dazu, sie zu kaufen und jetzt schreibst du so eine schöne Rezension :D

Filo hat gesagt…

Da hast du jetzt wirklich wunderbar in Worte gefasst was auch ich über "Türkisgrüner Winter" und die ganze Dilogie denke^^ Dem gibt es eigentlich gar nichts hinzuzufügen, außer, dass Carina Bartsch gerne möglichst bald und wieder uns eine solche tolle Geschichte auftischen darf ;)

Liebe Grüße,
Filo

Laura hat gesagt…

Ah, von Kirschroter Sommer habe ich schon mal gehört :) Ich weiß aber nicht so recht, ob ich es lesen soll ;)

Dein Blog ist sehr schön, ich würde mich auf einen Gegenbesuch sehr freuen :)

LG
Laura
http://buechernixe.blogspot.com

Ally Lala hat gesagt…

Mir hat besonders gefallen als Emely sich volllaufen lassen hat und Elyas sich so süß um sie gekümmert hat. Ich kann dir da nur zu stimmen, in fast allein Punkten. "Türkisgrüner Winter" hat auch bei mir ein bisschen den Eindruck hinterlasse, dass sie nicht ganz zu ende sind, denn es sind sehr viele Fragen offen geblieben .

Alles Liebe, Ally

Sonnige grüße aus Köln

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