"Die Stadt des roten Todes"-Bethany Griffin

Mittwoch, 5. Juni 2013


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Eine junge Frau zwischen Licht und Schatten, zwischen Leben und Tod.
 
Die Stadt ist von der Umwelt abgeschnitten, ganze Straßenzüge liegen in Ruinen. Der Regent feiert wilde Feste, während die Bevölkerung von einer schrecklichen Seuche dahingerafft wird. Nur eine kleine Oberschicht kann sich durch kostbare Masken vor der Krankheit schützen.
So auch die junge Araby. Doch unter der Last einer großen Schuld sucht sie Vergessen in den Nachtclubs der Reichen. Dort begegnet ihr der faszinierende, verführerische William. Und Elliott, tollkühn, ein Revolutionär. Beide werben um Araby. Und sie muss sich entscheiden, ob sie sich dem Leben stellen und kämpfen will. Um ihre Liebe. Um Vergebung für ihre Schuld. Und um die Zukunft.
 Quelle: amazon.de
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"Ich werde nicht weinen. Wenn die Last der Schuld so gewaltig ist, kann man nicht weinen. Sie legt sich kalt über einen. Für immer.
Trauer fühlt sich warm an, Schuld hingegen ist von eisiger Kälte."
("Die Stadt des roten Todes"| Bethany Griffin | Seite 223)

Erster Eindruck: Ein weniger innovatives, aber wirklich schönes Cover. Zweite Überlegung: Interessanter Titel, jedoch ein viel zu nichtssagender Untertitel. Dritter Gedanke: Thematisch nichts vollkommen Unbekanntes, klingt jedoch nach einer trotz allem vielversprechenden Dystopie im Zeitalter-Setting der Kutschen und Maskenbälle. Abschließender Gedankengang: Das könnte etwas werden mit uns beiden!
Könnte, hätte - Der Konjunktiv hat an hierbei eine berechtigte Stellung, dennoch leider konnten Bethany Griffins erster Teil der "Red Death"-Serie und ich keine Sympathie füreinander aufbauen.

Und dies leider von Anfang an nicht. Mit  abgehackten, schmucklosen und kurz angebunden Sätzen wirft Bethany Griffin die Besucher ihrer Phantasie lieblos ins Geschehen hinein: In eine von dem "Roten Tod" verseuchte Stadt, die kein Leben in sich tragen würde, könnten sich nicht zumindest die Oberschicht der Stadt das Tragen von sauerstoffreinigenden und lebensrettenden Masken leisten. An diese grobe Informationen, die teilweise bereits im Klappentext angedeutet werden, gelangt der Leser ziemlich schnell durch die ziemlich spartanisch erklärende Gedankengänge der Ich-Erzählerin und Protagonistin Araby, die mich mit ihren eintönigen, sich meist immer wieder um dasselbe drehenden Gedanken in Windeseile zu langweilen begann.
Nicht einmal ihr Erzählstil konnte den Inhalt ihrer platten Gedanken wett machen, denn dieser war ebenso platt und lieblos - Wobei von einem Erzählstil eigentlich überhaupt nicht die Rede sein kann. Anders ausgedrückt: Eine Ansammlung an Worten ohne jegliche erkennbare individuelle Note. Dabei muss man jedoch zugute halten, dass wohl genau diese Erzählweise Arabys Charakter auf den Punkt trifft: Langweilig. Flach. Oberflächlich.

Schließlich waren mir auch ihre Handlungen die meiste Zeit über suspekt. Mit einer geradezu dümmlichen Naivität, Leichtgläubigkeit und Gedankenlosigkeit läuft sie durch die Gegend, erfüllt - natürlich risikohafte und lebensgefährliche - Aufträge eines Mannes, den sie eben erst als Eindringling in ihrem Garten kennengelernt hat, obwohl dieser ihr nicht einmal seine genauen Pläne erläutert. Vielmehr scheint es ihr zu reichen, wenn sich jemand als selbsternannter Held und Retter der Stadt oder heimtückischer Revolutionär zu sehen und zu betiteln scheint. Auch die Sorgen, die sie sich um ihre angeblich beste Freundin zu macht, scheinen in den Hintergrund zu rücken, sobald einer der beiden bereits im Klappentext genannten männlichen Hauptpersonen im Umkreis von zehn Metern ist.

Selbst was die Schuldgefühle betrifft, die bereits in der Kurzbeschreibung erwähnt werden, kamen bei mir wohl nicht die gewollten Emotionen an, denn auch diese konnte ich Araby nicht abkaufen. Sie wirkte viel zu eindimensional, während sie die meiste Zeit, sobald etwas Verwunderliches, Fragwürdiges auftauchte oder passierte, ihr Wundern und ihre fragenden Gedanken, die die Geschichte womöglich hätten vorantreiben können, sofort wieder beiseiteschob und sich Belangloserem widmete.
Sie blieb für mich einfach unantastbar, denn ich konnte mich zu keinem Zeitpunkt wirklich in sie hineinfühlen. Würde ich ihr Verhalten, ihre Gedanken und ihren Charakter der ersten Seiten mit denen der letzten vergleichen, würde ich keine erwähnenswerten Entwicklungsmerkmale finden.
So oder so ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Charakteren, die im Übrigen nicht gerade reich an Zahl sind. Einzig und allein Elliott ließ ab und an Anzeichen von Etwas aufblitzen, das man vielleicht eine Stufe höher als "flach" und "langweilig" einstufen könnte.

Insgesamt erfährt man jedoch durch die Augen von Araby sehr, sehr wenig über diese Stadt, der sogar ein Teil des Titels gewidmet wurde, oder über die Seuche, um die es zwar irgendwie die meiste Zeit zu gehen scheint, von der der Leser jedoch außer ihrem Titel und ihrer todbringenden Wirkung nicht sehr viel erfährt.
Handlungsstränge ziehen sich, drehen sich im Kreis oder verharren auf der Stelle, sodass von Spannung oder Geschwindigkeit überhaupt nicht die Rede sein kann. Und auch, was vermutlich als Neugierde provozierender Cliffhanger dienen sollte, rief bei mir letztendlich nichts als Erleichterung, dieses Buch beendet zu haben, hervor.




"Die Stadt des roten Todes" ist traurigerweise ein Beispiel dafür, dass ein schönes Cover leider nicht über einen enttäuschenden Inhalt hinwegtrösten kann. Was im Klappentext noch nach "könnte interessant werden" klang, wurde im Laufe der Seiten mangels tiefgründiger Charaktere oder einer ausgearbeiteten Handlung von nichts als Langeweile ernüchtert. Vor dem Einschlafen vielleicht ganz nett, aber wer Spannung oder ein wenig Tiefgang zu finden hofft, ist hier wohl eher an der falschen Adresse.





Herzlichen Dank an den Goldmann-Verlag

Kommentare:

buchverliebt hat gesagt…

Ich stimme dir zu! Das zweite Cover ist wieder der absolute HAMMER, aber Band 1 war schon so ein Mist! -_- *zusammenreiß*

Liebe Grüße
Sarah

Elskamins Schätze hat gesagt…

Ich muss dir voll und ganz recht geben.
Ich hab das Buch in der Buchhandlung entdeckt, das Cover hatte mich sofort eingenommen...

Aber ich war genauso froh wie du, als ich das Buch endlich zuklappen konnte...
Die Figuren waren total fad und eindimensional, ihre Handlungsweisen nicht nachvollziehbar, die Handlung war langweilig, der Schreibstil nicht vorhanden. Den von einem persönlichen Stil konnte nicht die Rede sein... Aneinandergereihte Worte... mehr nicht...
Und die erhoffte Steampunk- Dystopien- Atmosphäre kam überhaupt nicht auf.

Das Buch des schleichenden Todes - wäre vielleicht ein Alternativtitel...

Tust du dir den zweiten Band an?

Livi hat gesagt…

@Buchverliebt: Schön, dass wir uns da einig sind. :) Zumal ich so viel unnachvollziehbar Gutes darüber gelesen habe...

@Elskamins Schätze: Oh ja, "Das Buch des schleichenden Todes" und "Das ermündende Lied des langweiligen Todes" wären sehr passend. Von dem "Roten Tod" hat man nämlich auch nicht wirklich viel mitbekommen.

Auf gar keinen Fall! Du denn?

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