"Dark Queen - Schwarze Seele, schneeweißes Herz" - Kimberly Derting

Donnerstag, 10. Januar 2013

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In dem von Aufständen erschütterten Königreich Ludania bestimmt die Zugehörigkeit zu einer Klasse, welche Sprache du sprichst – oder verstehst. Wenn du vergisst, wo dein Platz ist, kennen die Gesetze der Königin keine Gnade. Allein auf den Blickkontakt mit gesellschaftlich Höhergestellten steht der Tod. Die siebzehnjährige Charlaina – kurz Charlie – versteht alle Sprachen, jeden Dialekt. Eine gefährliche Fähigkeit, die sie schon ihr ganzes Leben lang verstecken muss. Nur in den illegalen Clubs im Untergrund der Stadt kann sie das für kurze Zeit vergessen. Dort trifft sie den geheimnisvollen Max, der eine Sprache spricht, die Charlie noch nie gehört hat, und der beinahe ihr Geheimnis entdeckt. Und als die Rebellen die Stadt schließlich überrennen, ist er es, der erkennt, dass Charlie der Schlüssel für ihren Sieg sein könnte. Doch für wen wird Max sich entscheiden, für das Mädchen, das ihn fasziniert, oder für seine Königin?

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"Mein ganzer Körper kribbelte, als sei er nie zuvor so lebendig gewesen. Dann legte sich seine Hand um meine und zwang mich, vor ihm stehen zu bleiben. Der Kampf in mir tobte so stark, dass ich fast daran verzweifelte. Ich wollte meine Hand zurück und auch wieder nicht. Es war, als gehörte sie ihm, und doch weigerte ich mich, ihn auch nur anzusehen.
 "Charlie." Es brauchte nur dieses eine Wort, diesen geflüsterten Namen, dass er meine volle Aufmerksamkeit hatte."
("Dark Queen - Schwarze Seele, schneeweißes Herz", S.169)
 
 
Kennt ihr das, wenn ihr von einem Buch schon alleine anhand der Kurzbeschreibung völlig gepackt seid und euch diese Faszination nicht mehr loslässt, bis ihr das Buch endlich in euren Händen haltet und ihr anfangen könnt, zu lesen? So ungefähr ging es mir mit „Dark Queen – Schwarze Seele, schneeweißes Herz“ und ich kann nicht einmal genau sagen, weshalb das so war. Lange Zeit stand das Buch nun schon auf meiner Wunschliste alleine wegen der für mich ziemlich interessant klingenden Grundidee. Ich war wirklich gespannt darauf, ob das Buch meinen hohen Erwartungen gerecht werden könnte und ich muss jetzt im Nachhinein wohl sagen, dass ich ihm lieber mit etwas niedrigeren Erwartungen begegnet wäre. Ich bin keineswegs enttäuscht, besser beschrieben wohl eher etwas ernüchtert. „Dark Queen“ ist auf jeden Fall ein gelungener Roman, aber eben auch nicht wirklich mehr – etwas, das lange in Erinnerung bleibt, ist es sicherlich nicht.
 
Der Schreibstil von Kimberly Derting ist schlicht, allerdings beherrscht sie es hervorragend die Atmosphäre einzufangen. Zu lange Beschreibungen oder Ausführungen in andere Bereiche kamen (zum Glück!) nicht vor, allerdings hätte ich mir an manchen Stellen vielleicht doch das ein oder andere Mal eine ausführlichere Beschreibung gewünscht – häufig wurde mir der Eindruck vermittelt, dass etwas zu schnell beendet wurde oder eben nicht richtig ausgeführt. Wie zum Beispiel auch nähere Informationen zu bestimmten Charakteren, da man zwar einen Teil von ihnen kennenlernt, allerdings nicht weiter in die Tiefe gegangen wird. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Charlaina (auch Charlie genannt) erzählt, allerdings gibt es auch ein paar kurze Kapitel, die aus Sicht (geschrieben in der 3.Person Singular) von Max, Xander oder der Königin geschrieben sind. Ich fand diese Wechsel ziemlich interessant, vor allem da sie eben auch nicht zu oft vorkommen und meist immer die Wirkung einer Spannungserhöhung mit sich brachten.
 
Die Charaktere muss ich sagen, haben mir eigentlich alle prima gefallen, auch wenn sie häufig auf einigen Klischees beruhten (was mir hier seltsamerweise eher wenig ausmachte). Charlie beispielsweise stellt das schüchterne, seinem Aussehen nicht bewusste, aber dennoch ziemlich mutige und verantwortungsbewusste Mädchen dar, welches im Laufe des Buches eine vollkommene Veränderung durchläuft. Aber irgendwie war ich wirklich fasziniert von ihrem doch sehr starken Charakter und immer wieder überrascht wie sie es schaffte in den brenzligsten Situationen immer noch den Kopf klar zu behalten. Einen Charakter wie Max – ein hübscher, attraktiver Mann, den etwas Geheimnisvolles umgibt und der zudem nicht nur über einen Beschützerinstinkt verfügt, sondern stets immer höflich und nett ist – kennt man auch schon aus etlichen Büchern. In dieser Hinsicht wird einem nun wirklich nicht viel geboten, aber auch er hat es irgendwie geschafft zu mir durchzudringen. Vielleicht waren es die kleinen Charaktermerkmale von ihm, die mein Herz teilweise ein wenig erweichen ließen. Von den Nebencharakteren gefielen mir eigentlich außer ein paar wenigen (Angelina, Xander) kaum welche – die beste Freundin von Charlaina, Brooklyn beispielsweise, nervte mich eigentlich von Anfang an. Zwar erfährt man am Ende einige Dinge, die einem die Sicht auf ihren Charakter ein wenig ändern, allerdings konnte dies trotzdem nichts daran ändern, dass ich sie einfach nur unsympathisch fand. Über andere Personen erfährt man kaum etwas, obwohl sie in einigen Situationen dann wieder eine entscheidende Rolle spielen und erscheinen deshalb auch ziemlich unauthentisch und farblos.
Die Liebesgeschichte war letztendlich doch auch ein wenig enttäuschend – nach anfänglichem Hin und Her, Aufeinander-Zugehen und Weglaufen, etc. beginnt langsam etwas Ernstes zu werden und es scheint schließlich die große Liebe zu sein. Allerdings habe ich selbst bis jetzt nach dem Beenden des Buches immer noch keine Ahnung, weshalb Max beispielsweise außer Charlies „Begabungen“ und weil er sie „interessant“ findet, sie wirklich liebt. Vielleicht ist mir das auch schlicht entgangen, allerdings fand ich die Liebesgeschichte nun wirklich etwas aufgesetzt und unecht wirkend.
 
Die Handlungen und der stetige Spannungsaufbau ließen mich aber vor allem von der Mitte an bis zum Ende doch ein wenig darüber hinwegsehen. „Dark Queen“ ist auf keinen Fall ein Buch, in dem die Handlung einzuschlafen droht – im Gegenteil, ich fand die langsamen und Stück für Stück fortschreitende Spannungserhöhungen richtig gut gemacht und ließen mich das Buch gegen Ende hin kaum noch aus der Hand nehmen. Das Ende selbst war eigentlich ziemlich zufriedenstellend, bis auf den Epilog. Ich hätte eine Fortsetzung eigentlich gar nicht für notwendig gehalten; zwar gibt es natürlich ein paar offen gebliebene Dinge, allerdings würde ich sagen, dass man mit diesen als Leser auch „weiterleben“ hätte können. Ich bin mir auch wegen der Aussicht auf die Fortschreitung im Folgeband, die einem im Epilog gewährt wurde, noch nicht sicher, ob ich mir den zweiten Band kaufen werde.

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„Dark Queen – Schwarze Seele, schneeweißes Herz“ ist zwar ein unterhaltender Jugendroman, allerdings hat das Buch für mich eher mit einer vor allem gegen Ende hin mitreißenden Handlung, als mit einzigartigen Charakteren oder einer authentischen Liebesgeschichte, überzeugt. Sucht man etwas Unterhaltsames für Zwischendurch, ist man hier an genau der richtigen Stelle, allerdings sollte man mit mehr auch nicht rechnen.

Kommentare:

Reni hat gesagt…

Eine schöne Review! In vielen Dingen ging es mir ähnlich, obwohl mir "Dark Queen" trotz einiger Schwächen letztendlich doch recht gut gefallen hat (bei mir gab es 3,5 Sterne). Deshalb werde ich dann wohl auch am Ball bleiben, was die Fortsetzung betrifft. Den Epilog fand ich da nämlich schon sehr spannend und vielversprechend, was Charlies Veränderung betrifft. Hoffentlich gehts dann auch etwas mehr in die Tiefe - Charaktere wie Weltenaufbau betreffend. Die böse Königin werde ich dann wohl irgendwie vermissen. :)

Liebe Grüße
Reni

Sara hat gesagt…

@Reni: Oh, ich bin im Moment noch ein wenig zwiegespalten was die Fortsetzung betrifft. Einerseits würde es mich natürlich auch interessieren wie sich die Charaktere weiterentwickeln, aber irgendwie hat mich der Epilog doch ein wenig "abgeschreckt". :D Aber ich glaube, erscheint der 2.Band erst einmal, werde ihn mir dann aus Neugier dann doch kaufen. :)

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