"Saeculum" - Ursula Poznanski

Sonntag, 23. September 2012

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Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter ohne Strom, ohne Handy, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?
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„Hallo?“
„Fahr nicht.“ Die Stimme klang gedämpft.
„Wer ist da?“ Instinktiv sprach auch Bastian leise, drehte sich von seinem Vater weg und ging in die Küche.
„Egal. Vertrau mir einfach. Bleib zu Hause, bei der Sache stimmt etwas nicht.“ Durch die Leitung hörte Bastian Schritte, als liefe sein Anrufer eine Treppe hinunter.
„Was meinst du? Was stimmt nicht? Kennen wir uns?“
„Nein, aber das spielt auch keine Rolle. Ich kann es dir nicht genauer erklären, ich bin in Eile und du würdest mir sowieso nicht glauben. Aber es ist ein guter Rat, wirklich. Nimm ihn an. Ich möchte dich nur warnen.“ Eine männliche Stimme, Bastian war so gut wie sicher.
„Wovor denn, zum Teufel?“
("Saeculum",S.48)
 
Eine Gruppe von Jugendlichen, die sich zusammen auf ein Abenteuer in einem Wald begeben und nach ein paar Tagen mit etwas völlig Unerwarteten (und Grausamen?) konfrontiert werden – nicht gerade eine völlig neue Idee, man kennt sie schon aus diversen Filmen oder Büchern. Ich hatte deshalb auch nicht besonders hohe Erwartungen an das Buch, aber was mich am Ende schließlich erwartete, war ein mitreißender, spannender Thriller, der sich auf jeden Fall von anderen Büchern, die wohl auf derselben Grundidee basieren, abhebt.
 
Ursula Poznanski schafft es sogleich den Leser mitten in die Geschichte hineinzuversetzen und auch gleich mit etwas völlig Neuem in Form der Mittelalterconventions (Veranstaltungen, die ohne neuzeitige Mittel in abgelegenen Gegenden stattfinden) zu konfrontieren. Ich persönlich brauchte eine Weile um mich in diese „Welt“ hineinzuversetzen, weil mir ehrlich gesagt diese Vorstellung solcher Veranstaltungen doch ein wenig befremdlich vorkam, aber im Laufe des Buches wurde mir diese dann doch immer normaler und ich begann auch langsam zu verstehen, welchen Reiz die Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen daran sehen.
 
Zwar wird die Geschichte von einem personalen Erzähler geschildert, allerdings fällt es einem leichter die mittelalterliche Begeisterung der Jugendlichen und deren außergewöhnlichen, regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen besser zu verstehen, da man meist an der Seite von Bastian, der ebenfalls neu in dieser Welt ist, durch die verschiedenen Ereignisse geführt wird. Poznanskis Schreibstil lässt sich allemal als spannend, packend und mitreißend beschreiben – wählt sie an manchen Stellen ausschweifende Beschreibungen, gelingt es ihr an anderen Stellen dagegen mit kurzen, allerdings trotzdem intensiven Sätzen das Wichtigste zu übermitteln und die Spannung aufrecht zu erhalten. Spannend ist „Saeculum“ von Beginn an durchgehend, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Autorin es hervorragend beherrscht, eine bedrückende, düstere Atmosphäre zu erschaffen, aus der man wie die Charaktere selbst auch, am liebsten einfach nur entwischen möchte.
 
Die Charaktere selbst sind in diesem Buch wohl mit das Interessanteste und allein durch ihre außergewöhnlichen Neigungen ist man gespannt darauf, mehr von ihnen zu erfahren. Jeder Einzelne zeichnet sich durch verschiedene Dinge aus und bekannte Klischees werden gänzlich gemieden, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Während die anderen bereits seit Jahren an solchen Mittelalterveranstaltungen teilnehmen, wird Bastian ziemlich unvorbereitet in diese Welt hineinkonfrontiert. War er früher den ganzen Tag damit beschäftigt für sein Medizinstudium zu lernen, muss er sich nun in den Tiefen des Waldes zurechtfinden und lernen. Er war mir eigentlich von Beginn an sympathisch und man bekommt im Laufe des Buches seine Wandlung von dem kurzsichtigen, schüchternen Medizinstudenten zu einer selbstbewussten Führerperson mit.
 
Lief in den ersten Stunden noch alles gut, geschehen plötzlich unerwartete Sachen – Warnungen tauchen auf, Gräber werden ausgehoben und letztlich verschwinden sogar einige der Jugendlichen sang und klanglos. Die Zurückgebliebenen müssen sich nun mit Fragen beschäftigen, die sie am liebsten nicht näher an sich heranlassen wollen würden. Als Leser begleitet man gespannt ihre Suche nach der Lösung für dieses Rätsel und die Hintergründe für das Verschwinden der anderen. Handelt das Buch in erster Linie natürlich vordergründig von den seltsamen Ereignissen im Wald, werden auch andere Themen wie Stalking oder Familiengeheimnisse, die weitreichende Folgen haben können, aufgegriffen. Auch eine kleine Liebesgeschichte wird geboten, welche mich durch ihre Authentizität überzeugen konnte.
 
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"Saeculum" ist auf jeden Fall ein Thriller, der einen so schnell nicht mehr loslässt. Ist man am Anfang vielleicht noch ein wenig skeptisch, steckt man wenige Seiten später vollkommen in dieser mitreißenden und packenden Geschichte und begibt sich mit den Jugendlichen zusammen auf die Antwort zu all diesen unheimlichen Geschehnissen in dem abgelegenen Wald, in dem sie sich ohne technische Geräte aus der Neuzeit befinden und vollkommen auf sich gestellt sind.



1 Kommentar:

Das Glückskind hat gesagt…

Tolle Rezi.
Die Charaktere fand ich auch besonders toll. Ich finde da hat die Autorin wirklich ein Händchen für und sie wirkten absolut authentisch auf mich.

Dein Design ist der absolute Hammer. Gefällt mir richtig gut.

LG
Iris

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