Große Themen in kleinen Büchern

Sonntag, 2. September 2012


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Sie unterscheiden sich erheblich von anderen Jugendbüchern und verfolgen neben dem schlichten Ziel, zu unterhalten, noch ein viel Wesentlicheres: Sie sprechen Themen an, die ansonsten tabu sind, über die nur selten gesprochen geschweige denn nachgedacht werden und verpacken diese in eine solch authentische, mitreißende Geschichte, dass der dargelegte Stoff dem Leser noch näher gebracht wird und schließlich zu einem noch intensiveren Erleben führt. Nicht selten sind sie dabei zu ergreifend, um sie locker anzugehen und unbekümmert durchzulesen, denn oftmals - und im Idealfall - regen sie zu solchen Denkanstößen an und zielen direkt auf die Emotionen des Lesers, dass sich das Gelesene nur schwer und mit etwas Zeit verdauen lässt. Obwohl es vorrangig nicht allgemeine Unterhaltung ist, auf die sie abzielen, finden sie sich immer öfter in den Buchlädenregalen der Jugendbücher und ziehen häufig eine große Leserschaft in ihren ganz besonderen, emotionsgeladenen Bann.

Ein Blick auf unsere Buchregalreihen verriet, dass nicht wenige dieser Sorte von Büchern bei uns zu finden sind und noch dazu nicht wenige unter ihnen zu unseren Lieblingen zählen. Beispielsweise sprechen sowohl "Der Märchenerzähler" als auch "Die Worte der weißen Königin" ernstzunehmende Themen wie Gewalt an, ohne diese dabei zu beschönigen, und verpacken diese Thematik in eine solch poetische, herzergreifende Geschichte wie es nur wenigen Autoren heutzutage zu gelingen scheint. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green und "Bevor ich sterbe" von Jenny Downham (nicht auf dem Bild) wenden sich dem Thema Krankheit zu, während in "Ich wünschte, ich könnte dich hassen" auf psychologische Aspekte abgezielt und dabei das Thema Entführung/Stockholm-Syndrom verpackt wird. "Love you, hate you, miss you" von Elizabeth Scott und "Über mir der Himmel" von Jandy Nelson handeln unter anderem von Trauerbewältigung und einer großen Schuldfrage. In "Teach me" von R.A. Nelson und "Forbidden" von Tabitha Suzuma (nicht auf dem Bild) trifft man auf zwei außergewöhnliche Liebesbeziehungen, während in "Bitter Love" (Rezension) häusliche Gewalt eine große Rolle spielt. "Tote Mädchen lügen nicht" verhüllt das Thema Selbstmord in eine packende Geschichte und "Bis unter die Haut" von Julian Hoban erzählt auf berührende Weise von dem Thema Selbstverletzung.


Auch die kommenden oder bereits erschienen Neuheiten auf unserem Buchmarkt wie "Heartbeat Away" (bereits erschienen) oder "Dünnes Eis" (erscheint im November) versprechen Bücher zu werden, die ernste Thematiken ansprechen und die höchstwahrscheinlich weiter in die Tiefe gehen, als die Cover auf den ersten Blick vermuten lassen. Besonders "Dünnes Eis" erinnert durch den Klappentext an das bereits oben erwähnte "Teach me".


Aber wie steht es mit euch? Fällt euch bei einem Blick auf euer Regal ebenfalls auf, dass sich darin viele dieser Schätze verbergen, die ernste Themen ansprechen und damit Stoff zum Nachdenken liefern? Wenn ja, welche, und könnt ihr eines darunter uns ganz besonders empfehlen? Fallen euch andere Neuerscheinungen ein, die ebenfalls ganz danach klingen, als könnte sie in diese Spalte von Büchern passen

Kommentare:

Cherry hat gesagt…

Ich find solche Bücher ja immer wieder grandios, die ohne mit dem pädagogischen Zeigefinger zu wackeln, inhaltlich überzeugen können und dem Leser mit ausgereiften Charakteren ein schwieriges Thema nahe bringen.
So ging es mir auch mit den letzten zwei Büchern, die ich gelesen habe: "Der beste Tag meines Lebens", indem es um das Asperger-Syndrom geht, und "Chicken Dance", welches sich mit familiären Problemen auseinandersetzt. Beide wurden aber so interessant und spannend ausgeschmückt, dass es einem nicht so vorkommt, als würde man sich mit schwierigen Themen auseinandersetzen.
Ich finde ja immer wieder, dass die meisten Lehrer einfach die falschen Bücher für ihren Unterricht auswählen. Wenn ich mal meine frühere Schullektüre gegen solch tolle Romane halte, die ich derzeit lese, kann man nur enttäuscht mit dem Kopf schütteln und es bedauern, dass sich viele Lehrer an altbekannte Titel halten und nicht einmal etwas Neues wagen.

shiku49 hat gesagt…

Bei mir kommt es immer drauf an ... Von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" schwärmen ja auch viele, aber ich scheue nicht davor. Nicht weil ich mich mit dem Thema nicht auseinandersetzen will, sondern weil ich es ohnehin schon musste. Da will ich mich nicht in meiner Freizeit extra runterziehen lassen.
Andererseits finde ich solche Bücher auch immer wieder interessant, es hängt letztlich vom Thema ab. "Wintermädchen" von Laurie Halse Anderson fand ich richtig klasse und auch "Sprich" von ihr möchte ich endlich lesen.
Manchmal interessieren mich auch Titel, und ich sortier sie aber wieder aus, zumindest für eine Weile. war erst letztens bei "ich wünschte, ich könnte dich hassen", "Forbidden", "Teach Me" und "Please Ignore Vera Dietz" der Fall. Ich hab gerade einfach keine Lust auf diese Bücher, da macht es auch keinen Sinn sie zu lesen.
Zumal ich der Meinung bin, dass auch Bücher, die ein anderes Hauptthema haben, durchaus viel über solche Themen zu sagen haben.

Ich muss mich allerdings auch der Kirsche anschließen: Solche Bücher im Unterricht wäre wirklich toll! Natürlich sollen auch Klassiker gelesen werden, aber dort herrscht meist solch ein Zwang, dass kaum jemand wirklich etwas aus diesen Bücher - oder dem Lesen an sich - mitnimmt.

Steffie hat gesagt…

"Ich wünschte ich könnte Dich hassen" und "Forbidden" habe ich auch gelesen und fand beide super. Generell habe ich aber an ernstzunehmenden Jugendbüchern nicht allzu viele im Schrank. Ich bin da in letzter Zeit etwas vorsichtiger geworden, da in letzter Zeit unglaublich viele solcher Jugendbücher erschienen sind, aber nur bei den wenigsten für mich die Umsetzung gelungen ist. Mir kommt es vor, als sei es mittlerweile eher die Ausnahme, wenn ein Protagonist noch beide Elternteile hat.

Allerdings habe ich hier jetzt auch das neue John Green-Werk liegen und bin gespannt, ob ich den vielen Lobeshymnen zustimmen kann. ;)

captain cow hat gesagt…

Ich finde solche Bücher wirklich toll und ich lese sie ziemlich gerne, auch wenn ich manchmal, wenn ich gerade etwas sehr gutgelauntes brauche, doch einen Bogen darum mache, weil ich die ernsten Themen sonst nicht richtig aufnehmen könnte.
Allerdings muss ich Steffie zustimmen, in letzter Zeit gibt es aus der Sparte so viel, dass man wirklich suchen muss. Besonders anstrengend finde ich in letzter Zeit die vielen Bücher über Trauerbewältigung eines Familienmitglieds oder der besten Freundin - solche Bücher können wirklich interessant sein, aber oftmals wird das Thema eher oberflächlich oder klischeehaft behandelt, sodass die Lektüre keinen Spaß macht.

Nichtsdestotrotz gibt es auch wirklich viele tolle Bücher in dem Genre, die einem irgendwie die Augen öffnen. John Green ist da ganz vorne mit dabei, aber auch R. A. Nelson finde ich da klasse und Lucy Christopher :) Besonders gut gefallen mir auch Bücher, die nicht die "großen", "typischen" Themen wie Krankheit oder Tod zum Thema haben, sondern eher über subtilere und trotzdem sehr wichtige Themen berichten. David Levithans Bücher, in denen meistens irgendwie auch zu sehen ist, wie schlecht Homosexuelle heutzutage noch behandelt werden, finde ich immer wieder interessant, oder "No und ich" von Delphine de Vigan, wo es um Obdachlose geht.

Bookaddicted.de hat gesagt…

Hallo Livi! Toller Beitrag =) Ich meide, ehrlich gesagt, zu ernste Bücher ... Aber einige Themen würden mich schon interessieren, vor allem Bücher zu Sekten oder Studentenverbindungen usw. Leider ist es immer schwierig tiefer gehende Bücher zu einem Thema zu finden, zu dem man etwas lesen möchte. Wenn es eine Datenbank gäbe, wo ich sowas wie "ernsthafte Romane über Sekten" finden könnte, wäre ich dabei *lach*

Übrigens ist "Erebos" von Ursula Poznanski auch so ein Buch, irgendwie. Da geht es ja um PC-Spiele-Sucht. Und "Mein böses Herz" von Wulf Dorn behandelt das Thema Halluzinationen ganz toll!

KreaMa hat gesagt…

Mir ist da ganz spontan noch Flüsterherz eingefallen. Ansonsten habe ich natürlich die meisten der von dir genannten auch im Regal.

Ally Lala hat gesagt…

Hallo ,

Habe dir einen Award verliehen schau doch mal nach

LG

Ally
http://allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/

Buchlabyrinth hat gesagt…

Da habt ihr ja supertolle Bücher!
Antonia Michaelis schreibt sooo toll und auch die anderen- super Wahl! ;)

Schau doch mal bei uns vorbei. Freuen uns sehr über neue Leser und Kommentare. Wir sind noch ziemlich neu :)

http://buchlabyrinth.blogspot.de/

Liebe Grüße

Elskamins Schätze hat gesagt…

Dank deiner Rezi zu "Bitter Love" lese ich jetzt auch die Geschichte von Alex und Cole... puh, ich bin geplättet. Hätte irgendwie nicht gedacht, dass sich zwischen so jugendlichen Seiten so eine intensive, unter die Haut gehende, nachdenklich stimmende Geschichte befinden könnte...

Kuno hat gesagt…

eine tolle Aktion! Ich habe mir die Freiheit genommen, das Thema auf meinem Blog auch aufzugreifen, und hier wird der Post veröffentlicht: http://mydailybooks.blogspot.com/2013/08/bucher-die-unter-die-haut-gehen.html

Liebste Grüße
Tabea

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