"Renegade- Tiefenrausch"- J.A. Souders

Montag, 20. August 2012



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Evies Leben ist perfekt. Perfekt geplant und überwacht von Mutter, der Herrscherin der Unterwasserstadt Elysium. Schon bald soll die 16-Jährige über die geheimnisvolle Welt regieren. Doch als sie sich ausgerechnet in ihren Feind verliebt, wird klar, dass das perfekte Leben in Elysium eine einzige Lüge ist.

Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für all jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen der Oberfläche fliehen konntne. Sie organisiert den Alltag der Bewohner, schützt sie vor Gefahren und regelt sogar die Geburten. Doch dieser Frieder wird teuer erkauft. Gefühle sind in Elysium verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft.
Evie vertraut in dieses System, doch als Gavin, ein Oberflächenbewohner, in ihre Welt eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen Sie Erinnerungslücken? Weshalb besteht Mutter auf Evies tägliche Therapie-Sitzungen? Und wieso kann sie sich durch Gavin an Dinge erinner, die absolut unmöglich sind?
Evie erkennt, dass sie Teil eines gewaltigen Plans ist, aus dem es für sie ohne Gavin kein Entrinnen gibt.
Quelle: amazon.de
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" "Die Gier hat die Seele der Menschen vergiftet. Die Oberflächenbewohner haben zerstört, was einst wunderschön war, und es in eine schaurige Version dessen verwandelt, was sie Frieden nennen.
Aber hier unten haben wir wahrhaftigen Frieden.
Es wird weder Angst geben noch Krankheit, Hunger, Hass oder Habgier. Wir haben uns eine Utopia geschaffen.
Und es ist wundervoll."
- Mutter, Auszug aus ihrer Gründungsansprache"

("Renegade- Tiefenrausch", J.A. Souders, Seite 222)


Eine verwirklichte Utopie unter Wasser, in völliger Abgeschiedenheit zur Oberfläche und als eine anders organiesierte Gesellschaft - kurzum: Eine Unterwasserstadt à la Atlantis, die von Menschen unter Glas geschaffen wurde, um sich der Oberflächengesellschaft zu entziehen und eine neue Welt mit neuen Grundsätzen, Maßstäben und Regeln zu schaffen: Das ist Elysium.
Als Aufsteller und Begründerin dieser Utpie gilt in Elyisum eine Frau, die von allen nur "Mutter" genannt wird und als oberste Instanz im gesamnten Unterwasserreich betrachtetn wird.
Ihr zu gehorchen stellt demnach das oberste Gebot für die Bewohner Elysiums dar und wer sich ihr widersetzt mus mit den Konsequenzen lebe oder notfalls mit eben diesem Leben bezahlen.

J.A. Souders führt den Leser geschickt in diese ihm unbekannte Gesellschaft ein, indem dieser einfach im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geworfen wird und als stiller Beobachter in die Gedankenwelt der 16-jährigen Evelyn Winters schlüpft, die von der Mutter Elysiums zur "Tochter des Volkes" ernannt wurde und somit ihre zukünftige Nachfolgerin darstellt. Evelyn wurde zu dieser "Berufung" - wie die Bewohner Elysiums ihre Aufgabe in der Gesellschaft nennen - auserkoren, da sie die perfekteste Genausstattung besitzt.
Trotz der subjektiven Erzählperspektive, aus der der Leser durch Evelyn als Ich-Erzählerin das Reich Elysium betrachtet, lenkt J.A. Souders ihre Leser gekonnt schnell auf den richtigen Pfad und sorgt dafür, dass dieser zusammen mit Evie den Geheimnissen und Intrigen, die in Elysium herrschen, auf den Grund kommt.

So beispielsweise werden in Elyisum Maßnahmen angewandt, die den scheinbaren Frieden erhalten und zu einer perfekten Gesellschaft beitragen sollen. Ich empfan es vor allem anfangs als ziemlich interessant und spannend, Evelyn während ihrem Alltag zu begleiten und die Grundsätze ihrer Gesellschaft kennzulernen. Folglich werden mit der Zeit für den Leser Dinge entschlüsselt, die in der Welt von Elyisum an der Tagesordnung liegen: Konditionierungen, Überprüfungen der Genausstattungen, Ausbildungen zu sog. Vollstreckerinnen und sogar Genmanipulationen, um alle Unterschiede in der Gesellschaft auszumerzen, die zu möglichen Unruhen oder gar Kireg in Elysium führen könnten.
Alles in allem hat J.A. Souders nun also wirklich eine höchst spannende und erkundungswürdige Welt erschaffen, der ich die ersten Seiten mit großer Neugierde, Wissensdurst und Faszination entgegenblickte.

Mit einem überaus schlichtem, ruhigem und beinahe schon spartanischem Schreibstil wird Elysium und Evelyns Innenleben beschrieben. Obwohl ich hinsichtlich der Tatsache, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt und auch die Protagonistin, Evie, angemessen ihres jungen Alters einen schlichten Erzählton an den Tag legen darf, machte es mir dieser etwas zu knapp gehaltene Schreibstil und die kurzen Beschreibungen ziemlich schwer, mir ein detailgetreues und nicht nur schemenhaftes Bild von der
anscheinend ach so prachtvollen und- nach Gavins Reaktion zu schließen- atemberaubenden Unterwasserstadt Elysium zu machen. Ausgeführtere Beschreibungen hätten also meiner anfänglichen Faszination dieser Grundidee einer Unterwasserutopie keineswegs geschadet. Nichtsdestotrozt muss man Mrs. Souders zugute halten, dass man als Leser sehr wohl bemerkt, dass sie sich sehr genau mit der von ihr geschaffenen Utopie auseinandergesetzt haben muss, sehr viel Zeit, Mühe und Gedankenarbeit investiert sowie eine gesunde Portion schöpferisches Talent besitzen muss, um diese Unterwasserstadt in solchem Ausmaße zu gestalten. Besonders passend und als sehr wirkungsvoll empfand ich die kurzen Einführungstexte oder - auszüge zu Anfang jedes Kapitels, die mich im ersten Moment sehr an das Konzept bzw. die Aufmachung von "Delirium" von Lauren Oliver erinnerten. Raffiniert machte es die Autorin mit diesen Auszügen aus Reden der "Mutter", aus Gesetzesbüchern, dem Verhaltenskodes von Elysium oder aus Volks- bzw. Kinderliedern möglich, aus einem ganz anderen Blickwinkel Einddrücke von der in Elysium herrschenden Gesellschaftsordnung mit ihren andersartigen Wert- und Normvorstellungen zu gewinnen, wodurch Elyisum zunehmend greifbarer und authentischer für mich wurde.

So authentisch jedoch das System geschildert wird, desto weniger trifft diese Eigenschaft auf die Charaktere zu: Allesamt machten sie einen ziemlich flachen, blassen und farblosen Eindruck auf mich. Selbst Evie, zu der der Leser aufgrund ihrer Protagonistenstellung eigentlich eine besondere Bindung hätte aufbauen sollen, wirkte auf mich einfach etwas konturlos und nicht wirklich individuell. Ich hatte das Gefühl, als wären sich alle Charaktere ziemlich ähnlich, ja zu ähnlich, um individuell oder geschweige denn menschlich und facettenreich zu wirken.
Auch die Tatsache, dass über Gavin nur anfangs Bruchstückhaftes über sein Leben an der Oberfläche in Erfahrung gebracht wird, fand ich ziemlich schade. In Anbetracht dessen schlug die Entwicklung der kleinen Liebesgeschichte zwischen Evie und Gavin auch ein etwas zu rasantes Tempo für meinen Geschmack an. Die kleinen Liebesszenen und -dialoge zwischen ihnen wirkten auf mich zumeist etwas aufgesetzt und gezwungen gefühlvoll. Leider aber kamen dabei keine wirklichen Emotionen bei mir an.
Einzig und allein am Ende konnte ich den beiden ein wenig Menschlichkeit und Facettenreichtum anmerken und zumindest schienen sie in den letzten Kapiteln für mich ein wenig an Blässe verloren zu haben. Das Ende an sich fand ich überaus gelungen und einfallsreich. Obwohl es kein Cliffhanger darstellt, macht es zugegebenermaßen Lust auf mehr. Ob ich jedoch beim Erscheinen des zweiten Bandes dieser geplanten Trilogie genug Vertrauen in die Autorin und ihre Fähigkeit lege, ihren Charakteren mehr Individualität in den Folgebänden zu verpassen, steht noch in den Sternen.




">>Du hast recht. Es tut mir leid<<, sage ich schließlich. >>Ich vertraue dir. Es wird nicht wieder vorkommen.<<
Misstrauisch sieht er mich an. >>Bist du sicher?<<
>>Ja. Du und ich, gemeinsam. Bis zum bitteren Ende, was auch immer geschieht.<<
>>Bis zum bitteren Ende<<, wiederholt er mit einem schiefen Lächeln."#

("Renegade-Tiefenrausch", J.A. Souders, Seite 249)

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Eine überaus interessante Idee und ein spannendes Grundgerüst, das es für mich aufregend werden ließ, in die Unterwasserstadt Elysium "abzutauchen" und deren Eigenschaften zu erkunden. Leider aber lässt die Umsetzung und vor allem die Ausarbeitung der Charaktere etwas zu wünschen übrig, sodass ich dem Folgeband dieser Unterwasser-Trilogie noch mit gemischten Gefühlen entgegenblicke.
Eines ist jedoch sicher: In dieser von J.A. Souders geschaffenen Idee einer Utopie steckt noch viel Potenzial, das in den Folgebänden hoffentlich noch etwas besser ausgebaut wird.




Vielen Dank an den Ivi-Verlag für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

Bookaddicted.de hat gesagt…

Schöne Rezension! Klingt aber danach, als könnte ich das Buch von meiner WL streichen, denn langweilige Charaktere sind bei mir ein No-Go! Klingt, als wäre es eine Dystopie, die auf den Zug aufspringt, ohne groß individuell zu sein. Schade. LG, Katharina
http://bookaddicted.de

Junebug hat gesagt…

Schau mal hier: http://verlorenzwischendenseiten.blogspot.de/2012/08/erster-award.html
Ich hab dir einen Award verliehen! ;D

Elif hat gesagt…

Die Idee klingt aber wirklich spannend. Vielleicht gebe ich dem Buch mal eine Chance, schöne Rezension. :)

Livi hat gesagt…

@Bookaddicted: Danke. ♥
Ja, nun ja... Individuell ist die Grundidee in jedem Fall, aber die Charaktere sind meiner Meinung nach eben alles andere als das. Vielleicht kannst du ja mal in eine Leseprobe oder so reinlesen, um festzustellen, ob das Buch und der Stil vielleicht doch nach deinem Geschmack ist.

@Junebug: Dankeschön. Wir freuen uns wirklich sehr darüber. ♥ Leider aber haben wir uns entschlossenm, keine Awards mehr zu posten bzw. weiterzuverleihen, zumindest vorerst nicht.

@Elif: Danke. :) Ja, das solltest du wirklich tun. Vielleicht trifft es ja deinen Geschmack. Und hoffentlich etwas mehr, als das bei mir der Fall war...

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