"Kirschroter Sommer"- Carina Bartsch

Sonntag, 12. August 2012


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Die erste Liebe vergisst man nicht... Niemand weiß das besser als Emely. Nach sieben Jahren trifft sie wieder auf Elyas Schwarz - der Mann mit den türkisgrünen Augen und die Verkörperung all dessen, wovor Mütter ihre Töchter warnen. Gut aussehend, charmant und mit einer Prise Arroganz raubt er Emely den letzten Nerv. Sie hasst ihn, aus tiefstem Herzen, und trotzdem ist da immer wieder dieses Kribbeln in ihrem Bauch, sobald sie in seiner Nähe ist.
Höchste Zeit die Handbremse zu ziehen, findet Emely, und lenkt ihre Aufmerksamkeit daher auf Luca, den anonymen E-Mail-Schreiber, der ihr mit sensiblen und romantischen Nachrichten die Zeit versüßt. Doch wer verbirgt sich hinter dem Mann ohne Gesicht? Und was steckt wirklich hinter Elyas' Absichten?
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"Sollte ich mich allerdings irren und es gab doch noch eine Steigerung meiner damaligen Empfindungen, dann konnte ich nur beten, das niemals erleben zu müssen. Ein Spaziergang durch die Hölle reichte mir aus, um sicher zu gehen, dass ich diesen Ort nie wieder betreten wollte. Am eigenen Leib die abgründigen Schattenseiten der Liebe erfahren zu haben, ließ mich sogar infrage stellen, ob die leider oft nur knapp bemessenen Hochgefühle es wert waren, sich dieser Gefahr überhaupt auszusetzen."

("Kirschroter Sommer", Carina Bartsch, Seite 122)

Eine unterhaltsame, nicht nur an der Oberfläche kratzende, sondern ein wenig tiefgehendere Liebesgeschichte, die ganz ohne phantastische oder dystopische Elemente zurecht kommen würde. Eine süße Sommerlektüre (Wie allein der Titel ja bereits vermuten lässt), die laue Sonnenabende versüßt, aber nicht allzu sehr beschwert oder mit zum Nachdenken aufforderndem Gedankengut belastet. - Mit diesen vagen Vermutungen und erhofften Erwartungen schlug ich die erste Seite von "Kirschroter Sommer" auf. Was mir auf den folgenden, knapp 450 Seiten dann entgegenblickte, konnte mich nicht nur in vielerlei Hinsicht überraschen, sondern überstieg meine ohnehin bereits positiv gestimmten Erwartungen bei Weitem.

Zunächst wird der Leser bereits auf der ersten Seite von einem locker leichtem und keineswegs zu umgangssprachlichem Erzählstil begrüßt, der angenehm zu lesen ist und zu einem reibungslosen Lesefluss beiträgt. Emely legt als 23-jährige Ich-Erzählerin und Protagonistin einen ziemlich natürlichen und nachvollziehbaren Erzählton an den Tag, der dennoch so manches Mal schöne Be- und Umschreibungen in Kombination mit bestimmten verbildlichenden Stilmitteln bereithält. Vor allem aber überzeugt sie auf der Reise durch ihren Alltag, auf der sie der Leser die gesamte Zeit über begleitet, durch einen ungeheuren Humor, gepaart mit ab und an selbstironischen oder gar vor Sarkasmus triefenden Bemerkungen, Aussagen oder Gedanken, die mich aufgrund ihrer passenden Treffsicherheit oftmals schmunzeln ließen. So war es also nicht weiter verwunderlich, dass Emely für mich in Windeseile zu einer durchweg sympathischen Protagonistin heranwuchs.
Erst allmählich und nach und nach erfährt der Leser mehr über Emelys Innenleben und Facetten, die von ihrer Vergangenheit geprägt und erheblich beeinflusst wurden. Während man als Leser also eine Weile lang noch im Dunkeln tappt, was ihre frühreren, vorausgegangenen Erfahrungen in Bezug auf Elyas angeht, wird mittels Rückblenden, Erinnerungsfetzen und in Gesprächen enthaltenen Informationen nach und nach Licht auf dieses Mysterium geworfen, sodass es dem Leser mit der Zeit umso besser gelingt, Emelys Beweggründe nachzuvollziehen.

Mit ihrer bereits angesprochenen humorvollen, schlagfertigen und spitzzüngigen Ader unterscheidet sich Emely des Weiteren erheblich von anderen, besonders oft in weiteren mit einer Liebesgeschichte bestückten Jugendbüchern anzutreffenden Protagonistinnen, die ganz im Gegensatz zu Emely plötzlich zu meist hirnlosen, dümmlich grinsenden Charakteren mutieren, deren Denkfähigkeit mit dem Auftauchen des Angehimmelten verpufft und von Gedankengängen über das - natürlich - umwerfende Äußere und die ansonsten ebenso überirdischen Eigenschaften ersetzt werden. Ganz im Gegensatz hierzu glücklicherweise Emely, die nicht nur Durchsetzungsvermögen und Willensstärke beweist, sondern auch mit ihrer bleibenden Schlagfertigkeit in Gesprächen mit Elyas Kontra gibt und somit mehr als nur überzeugen kann.

Wo wir auch schon beim Punkt wären: Dialoge. Meine Güte, es lässt sich kaum sagen, wie viele verschiedenste Gefühlsregungen wohl während des Seitenumblätterns dieses Buches über meine Gesichtszüge gewandert sind. Ich jedenfalls kann mir nur zu gut vorstellen, dass ich ein äußerst amüsantes Bild abgegeben haben muss, während sich meine Stimmungsschwankungen in Form von leichtem Schmunzeln, plötzlichem Auflachen, das in lauthalsem Kichern mündete, wütendem Augenbrauenverziehen, seligem Seufzen und glasigen, taschentuchbedürftigen Augen sowie vielen weiteren erdenklichen Gefühlsausdrücken kenntlich machten.
Es war einfach nur wunderbar, Elyas und Emely bei ihren Gesprächen zu belauschen. Beide gestalten die Dialoge durch ihre Scharfzüngigkeit zu etwas Einmaligem, wie ich selten in Büchern angetroffen und vor allem mit diesem Effekt, der Gefühlsachterbahn, bei mir beobachetet haben konnte. Dies lag natürlich zu einem beachtlichen Teil an Elyas. Dem wundervollem, absolut genialem, zwar nervenzerreißendem, jedoch vollkommen anhimmlungswürdigem Elyas, der mit seiner imponierender Arroganz und mit gleichzeitigem sanften Feingefühl nicht nur Emelys Herz, sondern auch mein Leserherz mit der Zeit höher schlagen ließ.

Obwohl oder gerade weil er beinahe über das gesamte Buch hinweg ein wahres Rätsel für Emely und den Leser bleibt, übt er einen dunklen Reiz aus, den sich Emely aus gegebenen Gründen zunächst nicht eingestehen will. Nichtdestotrotz entwickelt sich über die Seiten hinweg eine sanfte, verlockende und bezaubernde Liebesgeschichte, die anders als gedacht eher langsam, jedoch überaus nachvollziehbar und in realitätsnahem Tempo voranschreitet - Ein Punkt, bei dem ich bei anderen Liebesgeschichten, in denen der erste Blick in einem rasendem Tempo zum ersten Kuss über bedingungslose Liebe und anschließenden Heiratsgedanken voranschreitet, oftmals verärgt den Kopf schütteln musste.
Auch Luca, der mit Emely bald regen E-Mail-Kontakt pflegt, gestalte die ganze Sache noch um einiges interessante, als sie ohnehin bereits wäre. Auch wenn sich dem Leser bereits nach kurzer Zeit ein leiser Verdacht aufdrängt, was dessen Identität anbelangt, löst Carina Bartsch dies geschickt mit Emelys Unwissenheit und Äußerungen seitens Luca, die mich wilde Vermutungen wieder über Bord werfen ließen.

Aber nicht nur die Protagonisten überzeugen mit ihrer ungemeinen Menschlichkeit: Auch sämtliche Nebencharaktere wirken mit ihrer Fehlerhaftigkeit und ihrem Facettenreichtum wie aus dem Leben geschnitten. Ob Emelys beste Freundin Alex, Elyas Freunde oder Emelys Mitbewohnerin Eva - allesamt machten einen überaus feinfühlig und detailgetreu ausgearbeiteten Eindruck auf mich.
Ebenso verhält es sich mit der Handlung selbst: In einem ruhigen, nachvollziehbaren Tempo fließt diese voran. Kein Ereignis, keine eintretende Situation wirkt zu überspitzt oder erinnert durch unrealistische Züge daran, dass es sich bei der Geschichte um das Produkt der Phantasie einer Schriftstellerin handelt. Ganz im Gegenteil, denn diese Geschichte scheint gänzlich ohne überdrehte, zwanghaft Spannung erzwingen wollende Action oder Dramatik zurechtzukommen und wirkt dabei auf schlichte, jedoch umso lebensnähere Art wie eine Geschichte, die das Leben selbst nicht hätte schöner schreiben können.


" >>Buh<<, machte es plötzlich neben mir. Ich schrie auf, sprang zur Seite und fasste mir ans Herz.
>>Das ist nicht witzig, Elyas!<<
Er lehnte an der Wand zum Badezimmer, seine Lippen formten ein einseitiges Lächeln.
>>Tut mir leid<<, sagte er. >>Ich wollte nur einmal erleben, dass dein Herz höher schlägt,
wenn du mich siehst.<< "

("Kirschroter Sommer", Carina Bartsch, Seite 335)


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Eine wundervolle Liebesgeschichte, die in höchstem Maße durch zum Schmunzeln zwingende Dialoge und schlagfertige Charaktere unterhaltet und in mir eine Bandbreite an Emotionen auslösen konnte. Carina Bartsch hat mit "Kirschroter Sommer" eine in meinen Augen perfekte Sommerlektüre geschaffen, die das Herz an so manchen Stellen erwärmt oder gar beflügelt und nicht zuletzt durch ein raffiniertes Ende eine unbändige Neugierde zurücklässt. Ich kann es demnach kaum abwarten, endlich, endlich, endlich die Fortsetzung dieser zweiteiligen Geschichte in Händen zu halten, um erneut in Emelys und Elyas Welt abzutauchen.

Eine von Herzen kommende Empfehlung an jeden, der nach einer unterhaltsamen, mitreißenden Liebesgeschichte mit tollen Charakteren Ausschau hält!


Ein herzliches "Dankeschön" an Carina Bartsch für dieses geniale Debüt und die freundliche Unterstützung

Kommentare:

Steffie hat gesagt…

Hach, das klingt wirklich toll! Auf das Buch habe ich auch schon lange ein Auge geworfen! Bald ist nun aber tatsächlich fällig! ;)

Vielen Dank für die schöne Rezi!

Yvonne hat gesagt…

Hätte ich es nicht schon gelesen, dann würde ich es nach deiner Rezi sicher tun.
Ich habe es gestern gerade gelesen. Es war sooooo toll. *schmacht*
LG
Yvonne

Livi hat gesagt…

LOVE YOUR REZIS! :D
Ich will es jetzt lesen *Aggressionen bekomm* JEEEETZT!! ;)

Carina Bartsch hat gesagt…

Liebe Olivia,

ich weiß gar nicht, von was ich mehr beeindruckt sein soll: Von deiner eloquenten Art dich auszudrücken, oder von dem wunderschönen Inhalt der Rezension. Nach längerer Überlegung habe ich beschlossen, von beidem gleichermaßen beeindruckt zu sein.

Wie viele Autoren wohl schon mal in den Genuss einer Rezension wie dieser gekommen sind? Ich kann nur von mir behaupten, dass diese Art der Rezension wohl der utopische Wunschtraum eines jeden Autors ist. Umso sprachloser ist man, wenn man solch wunderschöne Worte über ein Buch liest und feststellt, dass von dem eigenen Buch die Rede ist. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt.

Anhand dem, was du geschrieben hast, merke ich, wie sehr du dich in die Geschichte eingefühlt und dich mit ihr auseinandergesetzt hast. Kein "Lesen - Deckel zu - fertig" - sondern das genaue Gegenteil davon. Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie wertvoll das für mich als Autor ist.

Ich freue mich, dass Kirschroter Sommer so viele unterschiedliche Gefühlsregungen bei dir auslöste. Ich bin ja der Meinung, dass man Bücher nicht nur lesen, sondern auch spüren sollte. Das ist immer einer meiner größten Ansprüche beim Schreiben. Daher ist es sehr schön für mich, dass genau das bei dir eingetreten ist.

Ich bedanke mich tausendfach für diese unglaublich tollen Dinge, die du über mein Buch gesagt hast. Sei es über die Handlung, die Charaktere, die Dialoge, den Humor oder meinen Schreibstil - jedes einzelne Kompliment hat mich sehr gefreut. Ich weiß deine Meinung und die Mühe, die du dir mit der Rezension gemacht hast, wirklich wahnsinnig zu schätzen. Danke, dass ich so schöne Worte über mein Buch lesen durfte.

Hoffentlich wird dich der zweite Band genauso überzeugen :')

Ganz liebe Grüße an dich
Carina

Creamcup hat gesagt…

Hey, vielleicht hast du ja lust auf nen kleinen Lesemarathon? Das ist die erste Partnerblogaktion von Schokokeksii und mir & wir würden uns freuen wenn du mitmachst!
Einfach hier anmelden: http://little-creamcup.blogspot.de/2012/08/lesemarathon-die-erste-partnerblog.html
LG Creamcup ♥

Zeynep Altuntas hat gesagt…

Duch deine Rezi habe ich mir das Buch bestellt und ahhh ich kann es kaum erwarten es zu lesen :))

Liebe Grüße

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