"In deinen Augen"- Maggie Stiefvater

Donnerstag, 30. August 2012


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Der Frühling kehrt zurück nach Mercy Falls und mit dem Winter streifen die Wölfe ihre Pelze ab. Sam, nun fest in seiner menschlichen Haut verankert, hat die vergangenen Monate nur auf diesen Moment gewartet: Grace Rückkehr aus dem Wald. Doch ihr Glück währt kurz. Als man ein Mädchen findet, das von Wölfen getötet wurde, verfällt Mercy Falls in Hysterie. Auf einer Treibjagd sollen die Wölfe ein für alle Mal ausgerottet werden. Nun ist es an Sam, sein Rudel seine Familie zu retten. Zusammen mit Grace, Cole und Isabel fasst er einen verzweifelten Plan: Sie wollen die Wölfe umsiedeln, in ein Waldgebiet weit entfernt von menschlichen Siedlungen. Sam weiß, dass er dafür einen hohen Preis zahlen wird. Denn damit das Rudel ihm folgt, muss er seine menschliche Gestalt aufgeben. In deinen Augen ist der dritte Band einer Trilogie. Die beiden Vorgängertitel lauten Nach dem Sommer und Ruht das Licht.
Quelle: Amazon

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" Ich versuchte, noch etwas zu sagen, doch ich verlor den Halt. Die Sterne funkelten über mir und ich erinnerte mich noch an eine andere Nacht: Sam und ich unter dem Sternenhimmel, als wir das Nordlicht bewunderten. In meinem Kopf wunrden die rosa Lichter der Aurora borealis zu den Lichtern im Armaturenbrett des Bronco, die sich min jeder Scherbe der geborstenen Windschutzscheibe spiegelteen. Dahinter Sam und ich, unser Abschied und plötzlich war nur noch ich übrig, in Stücke zerbrochen, zerschmettert wie Glas, und wurde zu etwas Neuem."
("In deinen Augen", S. 422 - Grace)

3. Teil einer Trilogie, könnte Spoiler enthalten


Zu behaupten, dass ich den letzten Band der Mercy-Falls Reihe sehnlichst erwartete hätte, wäre wohl ein wenig übertrieben – nach meiner großen Begeisterung, hervorgebracht durch den ersten Band, war ich nach Beenden des zweiten Bandes ein wenig enttäuscht. Die Handlung vermochte es nicht mehr so sehr mich in ihren Bann zu ziehen wie noch im vorherigen Band, weshalb ich zwar ein wenig gespannt auf den Abschluss dieser Reihe wartete, allerdings aber auch nicht wirklich die Tage bis zum Erscheinungsdatum von „In deinen Augen“ herabgezählt hätte. Als ich es dann aber begonnen hatte zu lesen, war ich wieder vollkommen in der Geschichte drin. Und was soll ich sagen? Der dritte Band hat den für mich eher schwächeren zweiten Band über Längen geschlagen und mir sogar ein wenig mehr als der erste Band gefallen. Spannung, Emotionen,.. alles was ein Buch zu einem „guten“ Buch macht, kam darin vor.

Obwohl zwischen dem Lesen vom zweiten und dritten Band eine durchaus lange Zeit von fast einem Jahr lag, hatte ich kaum Probleme mich wieder in die Geschichte hineinzuversetzen, was mich selbst eigentlich ziemlich erstaunte. Wahrscheinlich lag dies unter anderem daran, dass der mit einem Cliffhanger beendete zweite Band mich mit einem kleinen Schock zurückließ und vor allem das am Ende Geschehene im dritten Band sogleich aufgegriffen wird und man sofort mitten wieder ins Geschehen geworfen wird. Was mir an den Büchern besonders gut gefällt und auch dazu beigetragen hat, dass ich kaum Lesepausen gemacht habe, ist der wundervolle Schreibstil von Maggie Stiefvater. Sie versteht es hervorragend den Leser an die Geschichte zu fesseln und ihn in deren Bann zu ziehen. Häufige Perspektivwechsel haben mich bisher in fast allen von mir gelesenen Büchern gestört; natürlich gab es einige Ausnahmen, dennoch fällt mir dieser Umschwung zu einem anderen Charakter mit einer anderen Geschichte meistens vor allem dadurch schwer, dass man aus der Geschichte eines anderen Charakters herausgerissen wird und man die Zeit, bis man zu diesem zurückkehrt, meist mit einer anderen, oftmals weniger spannenden Person überbrücken muss. Häufig ist das auch der Grund, weshalb ich ein Buch aus der Hand lege. „In deinen Augen“ wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt – von Sam, Grace, Isabel und Cole. Und ich muss sagen: Es hat mich nicht gestört – im Gegenteil, gerade diese verschiedenen Umschwünge und Einblicke in anderen Personen haben mich vollkommen fasziniert, da sie auch meistens im exakt richtigen Moment vorkamen und so der Spannungsbogen während des ganzen Buches erhalten blieb. Alle Charaktere erzählen ihre Geschichte mit einer solchen Intensität, dass man gänzlich hingerissen ist und sich kaum noch von der Geschichte lösen möchte.

Obwohl Cole und Isabel erst im zweiten Band richtig dazukamen, begeisterten sie mich da schon mit ihrer recht untypischen Beziehung zueinander. Vor allem Cole habe ich gleich ein wenig in mein Herz geschlossen, da sein Charakter in Jugendbüchern mit einer „Liebes“geschichte häufig gemieden wird – ein reicher, völlig zerstörter und sich eigentlich fast am Ende seines Lebens befindender Rockstar, der durch die Verwandlung in einen Wolf sich Vergessen ersehnt und sich trotz der für ihn neuen Umstände langsam wieder selbst findet und nach Jahren wieder beginnt richtig zu leben. Mit seiner ehrlichen, manchmal vor allem deshalb verletzenden Art hat er mich des Öfteren ziemlich berührt. Ebenso Isabel, die zwar zunächst den Anschein einer ziemlichen Zicke vermittelt, man aber schnell erkennt, dass sie unter dieser Fassade eine Verletzlichkeit versteckt, die sie selbst am meisten stört und sie keineswegs zeigen möchte. Und so unterschiedlich diese beiden Charaktere sein möen, gleichen sie sich dennoch in einer Traurigkeit in ihrem Inneren, die sie nicht zulassen möchten und sie dennoch miteinander verbindet.

Genauso begeistern konnten mich wie in den vorherigen Büchern natürlich Sam und Grace, die sich gegenseitig ergänzen und stets auf der Suche für eine Lösung ihrer immer neuen Probleme waren. Nachdem im zweiten Band zunächst diese gefunden zu sein schien, wurde man allerdings durch das am Ende vorkommende Ereignis, welches ihre Beziehung abermals gefährdete, vollkommen schockiert und auch ein wenig fassungslos zurück gelassen. Hätte man es allemal erahnen können, kam es für mich eigentlich ziemlich unerwartet. Berührt hat mich die Tiefgründigkeit und Traurigkeit von Sam durch die erzwungene Trennung von Grace – es ist vollkommen authentisch vermittelt worden, wie er sich selbst langsam immer mehr aufgibt und den Anschein erweckt, als würde er sich unter einer Decke befinden, die einzig allein ihn und seine tiefen Gefühle für Grace gefangen hält.
Gespannt habe ich mitverfolgt, wie diese vier unterschiedlichen Charaktere sich gegenseitig Halt gegeben haben, verzweifelt nach Lösungen für ihre Probleme gesucht haben und dennoch immer wieder vor neue, kaum lösbar erscheinende gestellt wurden.

Ich würde das Ende eigentlich als das einzig ein bisschen Enttäuschende am ganzen Buch bezeichnen. Zwar arbeitet das Buch die ganze Zeit auf die Geschehnisse am Ende hin und man wird auch nicht enttäuscht, als diese sich zu überstürzen beginnen und man als Leser vollkommen mitgerissen wird, allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Informationen über den Weitergang der Charaktere und deren Beziehung zueinander in Zukunft gewünscht. Man hat zwar vage Ahnungen, dennoch hätte ich mir zum Beispiel vielleicht einen Epilog, der ein Jahr später stattfindet, gewünscht.

"Plötzlich erfüllte mich dieser Zustand des Wartens mit unglaublicher Dankbarkeit. Denn egal, wie sehr er auch an mir nagte, mich zum Wachbleiben zwang, mir meine Gedanken reaubte, am Ende dieser endlosen WArterei stand Grace. "
("In deinen Augen", S.96 - Sam)
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Ein fulminanter Abschluss, der durch hervorragende Charaktere, deren Art und Geschichte einen von Anfang an in den Bann ziehen und oftmals berühren, vollkommen überzeugen kann. War ich noch von "Ruht das Licht" ein wenig enttäuscht, schaffte es "In deinen Augen" sofort mich zu begeistern und mich durch den ständig ziemlich hohen Spannungsbogen immer neugieriger auf das Ende werden zu lassen. Auch wenn dieses ausführlicher hätte sein können, bin ich doch ein wenig traurig, dass ich nun diese einzigartigen Charaktere und deren Geschichte verlassen musste.


Kommentare:

Sandrina hat gesagt…

aww, ich wills auch lesen *_*

Elskamins Schätze hat gesagt…

Wieder so ein schöner Beitrag... den ich aber nicht lesen, nur angucken darf... Band 1 steht noch ungelesen in meinem Regal!

Reni hat gesagt…

Wundervolle Rezi! Ich bin ja immer wieder erstaunt wie unterschiedlich die einzelnen Bände ankommen. Bei mir war es eher so, dass mir bei "Nach dem Sommer" noch was gefehlt hat. "Ruht das Licht" konnte mich dann (allerdings in der Hörbuch-Version) vollkommen begeistern. Ich glaube zum Teil liegt das an Isabel und Cole, die einfach eine gelungene Abwechslung zu Grace und Sam bieten. Schon Wahnsinn wie tiefsinnig und emotional Maggie Stiefvater schreiben kann. Auch "In deinen Augen" konnte mich total mitreißen, obwohl ich nicht alles perfekt fand. Da Ende hingegen hat mir irgendwie gefallen. Über Cole und Isabel hätte es gerne mehr sein dürfen (war doch irgendwie abrupt), bei Grace und Sam hingegen fand ich es genau richtig.

Off-Topic: danke für den ausführlichen Kommi zur "Diashoh". Schon etwas verwirrend am Anfang, aber ich schau es mir mal genauer an. :)

Liebe Grüße
Reni

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