"Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick" - Jennnifer E. Smith

Freitag, 17. August 2012


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Hadley könnte sich wirklich etwas Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Dass sie dann allerdings ihr Flugzeug verpasst und erst einmal auf dem überfüllten New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie dann doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier unsterblich zu verlieben: in den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um sein Herz zu gewinnen ...
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" Sie hat ehrlich gesagt überhaupt nicht das Gefühl, hier zu sein. Der Tag, der vor ihr liegt, kommt ihr wie etwas Lebendiges, Atmendes vor, das mit erschreckender Geschwindigkeit auf sie zugerast kommt, und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis es sie flach auf den Rücken wirft. "
("Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick", S.19)


„Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ stand schon lange auf meiner Wunschliste und nach anfänglichem Zögern habe ich es mir nun endlich gekauft. Erwartet hatte ich ein mittelmäßiges Jugendbuch, das es aber nicht schaffen würde sich als tiefgründig und berührend herauszustellen. Nicht erwartet hätte ich ein Jugendbuch mit dem Thema „Liebe auf den ersten Blick“, das die Geschichten zweier Jugendlicher bewegender und emotionaler nicht erzählen hätte können und mich schon gleich zu Beginn vollkommen begeisterte.

Der Schreibstil von Jennifer E. Smith ist sowohl schlicht und umgangssprachlich gehalten, als auch stellenweise tief emotional und berührend. Die poetischen Einlagen zwischendurch führen unweigerlich dazu, dass es eine gute Mischung aus Einfachheit und dennoch etwas Besonderem gibt, wodurch die Echtheit und eine gewisse Natürlichkeit der Geschichte betont wird. Obwohl ich in der letzten Zeit häufig Bücher mit einem Ich-Erzähler gelesen hatte, fiel mir die „Umstellung“ zum Erzähler aus der 3.Person Singular nicht besonders schwer und störte mich auch nicht. Trotz diesem Erzähler kann man sich dennoch mit den Charakteren identifizieren und auch ein Bezug zu diesen entsteht schnell aufgrund des gelegentlich detaillierten Schreibstils. Häufige Rückblenden stören mich normalerweise in Büchern, da man durch diese oftmals aus der gegenwärtigen Handlung geworfen wird und meist auch mit unwichtigen Informationen aus der Vergangenheit eines Charakters versorgt wird – nicht so hier: Obwohl sich der Handlungsort und Zeit lediglich vom Warten im Flughafen, Abflug nach England und der Hochzeitsfeier am nächsten Tag erstreckt, bekommt man dennoch vor allem in Hadleys Vergangenheit durch eben diese Rückblenden hervorragende Einblicke, die es einen als Leser vereinfachen sich in sie hineinzuversetzen und ihre Abneigung bzw. stellenweise ihren „Hass“ gegenüber ihrem Vater und dessen Hochzeitsfeier zu verstehen und sich so auch leicht in ihre Situation hineinfühlen kann.

Auch die Charaktere werden nicht durch Perfektion, sondern durch Natürlichkeit und gewisse Ecken und Kanten dargestellt. Mir waren die beiden von Anfang an durch ihre kleinen Macken sympathisch und auch ihre Leichtigkeit im Umgang mit dem anderen erschien mir nicht aufgesetzt, sondern natürlich. Sowohl Hadley als auch Oliver haben mich mit ihren Charakterzügen sogleich überzeugt - Hadleys verträumte und dennoch tiefgründe Art, aber auch Olivers Charme und Liebenswürdigkeit führten schnell dazu, dass mir das Lesen der Dialoge der beiden viel Freude bereitete. Obwohl diese Dialoge selbst mit ernsteren Themen ihre Leichtigkeit bewahren, wird einem als Leser schnell deutlich, dass sich hinter dieser „Fassade“ der Unbekümmertheit bei beiden mehr verbirgt und ich war vor allem bei Oliver neugierig den Grund für seine manchmal aufblitzende Traurigkeit zu erfahren.

Die Handlung und die darin behandelten Themen umfassen weit mehr, als man sich bei einem Titel wie „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ vorstellen würde – natürlich steht die Liebesgeschichte im Fokus, allerdings lediglich deren Beginn, denn anders als man womöglich erwarten würde, ist diese Liebesgeschichte nicht aus dem Nichts entstanden, sondern entwickelt sich langsam während des ganzen Buches. Und auch von den Hadley und Oliver bekommt man mit, dass diese sich mit weitaus schwierigeren Themen gezwungen sind sich auseinanderzusetzten, wodurch das Buch mehrere Facetten des Lebens darstellt – während der eine mit einem Neubeginn konfrontiert wird und sich bestätigt, dass die alten Zeiten kaum wiederherstellbar sind, muss sich der andere mit dem endgültigen Abschied auseinandersetzten. Hadley und Oliver – ein Tag und zwei Veranstaltungen die unterschiedlicher nicht sein könnten: Eine Hochzeit, die viele Überwindungen erfordert und eine Beerdigung, die beim Lesen eine Gänsehaut aufkommen lässt. Dennoch schaffen die beiden es, das Wesentliche im Auge zu behalten und sehen, dass durch Zufälle am Ende eines Tages trotzdem etwas Schönes entstehen kann und vor beiden eine vielversprechende Zukunft liegt.

Als ich die letzte Seite gelesen hatte, überkam mich sogleich eine gewisse Wehmut, da ich gerne so viel mehr über diese beiden außergewöhnlichen Charaktere und deren ebenso ungewöhnlich entstandene Beziehung erfahren hätte. Während des Lesens wurde ich in verschiedene Gemütszustände versetzt – traurig, fröhlich, bedrückt; das Buch schafft es einfach einen zu berühren und hat mich selbst nach Beenden nicht mehr richtig losgelassen.

" Aber es ist wie es ist: Ein Junge mit einem Buch in der Hand kommt näher. Ein Junge mit schief sitzender Krawatte kommt näher. Ein Junge kommt näher und setzt sich neben sie.

Am Himmel will einer der Sterne nicht stillstehen, und Hadley merkt, dass es in Wirklichkeit ein Flugzeug ist. Erst letzte Nacht waren sie beide dieser Stern. "
("Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick", S.213)
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Eine berührende Geschichte zweier Jugendliche, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben angekommen sind und sich gemeinsam auf den Weg machen ihren Ängsten ins Auge zu blicken, wodurch etwas entsteht, womit keiner von ihnen gerechnet hätte.
Gelungener hätte die Umsetzung dieser durchaus bekannten Idee von "Liebe auf den ersten Blick" nicht sein können - die Charaktere überzeugen mit Natürlichkeit und liebenswürdigen Macken, aber auch die verschiedenen Themen sind tiefgründig und haben mich noch lange nach Beenden des Buches beschäftigt.

Kommentare:

Dunkelbunt hat gesagt…

Wow :o Wow, wow wow!!! Deine Blog ist sowas von zuckersüss und schön!! Und deine Rezi ist ganz toll!! Mach weiter so *_________* love it!! ♥

Manu

Livi hat gesagt…

Mal wieder eine atemberaubend schöne Rezi! :) Will das Buch unbedingt lesen! *-*

Kate hat gesagt…

Ich habe gestern mit dem Buch angefangen und finde es einfach nur toll bisher!

Habe daher auch nur dein Fazit gelesen und bin noch optimistischer :)

Allerliebste Grüße
Kate

Schokokeksii hat gesagt…

Hallo ^-^
Der Lesemarathon, bei dem du dich als Teilnehmerin angemeldet hast, ist ja seit gestern vorbei, und um rauszufinden, wer denn die meisten Seiten gelesen hat und somit einen kleinen Gewinn von uns bekommt, bräuchten wir noch die Anzahl der gelesenen Seiten innerhalb der 24 Stunden von allen, die mitgemacht haben. Wie viele Seiten hast du denn gelesen? Ich wollte so schnell wie möglich den Gewinner verkünden, darum frag ich jetzt nochmal nach ;)

Ganz liebe Grüße,
Sabrina. (:

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