"Die Rebellion der Maddie Freeman" - Katie Kacvinsky

Sonntag, 5. August 2012



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Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17, lebt wie alle um sie herum ein digitales Leben. Schule und Verabredungen - das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin - für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben - und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen?
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" Ich öffnete die Autotür udn brauchte meine ganze Konzentratin, um auf das Haus zuzugehen. So hatte ich mich noch nie gefühlt. Ich verstand nicht, was plötzlich über mich gekommen war.
Mein ganzer Körper kribbelte, ich hatte Schmetterlinge im Bauch und mein Kopf fühlte sich so schwerelos an, als triebe er auf den Wellen eines dunklen Ozeans. "
("Die Rebellion der Maddie Freeman", S.148)




Obwohl mich der Klappentext und die Umsetzung der Idee interessierte, wartete ich dann doch mit dem Kauf von „Die Rebellion der Maddie Freeman“ eine Weile, hauptsächlich auch aufgrund des Covers, welches mich ehrlich gesagt ein wenig abschreckte. Erwartet hatte ich ein typisches Jugendbuch, welches allerdings wenig tiefgründig oder berührend sein würde – positiv überrascht wurde ich letztendlich allemal.

Der recht bildhafte Schreibstil der Autorin hat mich von den ersten Seiten ab sogleich in eine zukünftige Welt voller Technik und Überwachung entführt, in der sich das Leben lediglich vor dem Computer abspielt und Spaziergänge oder Besuche von Clubs für die Menschen völlig abwegig erscheinen – eine Welt, in der soziale Kontakte nur im Chat geknüpft werden, sich jeder hinter verschiedenen Identitäten verstecken kann und die Verkabelung eines jeden zum Alltag gehört und für alle natürlich erscheint. Katie Kacvinsky beherrscht es hervorragend eine bedrückende Atmosphäre entstehen zu lassen und im Leser Fragen erwecken zu lassen, die einen trotz des gegenwärtigen, fortwährenden technischen Fortschritts kaum beschäftigten, aber dann doch noch lange selbst nach Beenden des Buches im Kopf herumschwirren. Ich finde es beeindruckend, wie es die Autorin schafft, gegenwärtige Themen aufzugreifen und diese anhand der Geschichte in einer unscheinbaren Art und Weise wiederzugeben. Das Buch hat es schnell geschafft mich in seinen Bann zu ziehen, mich oftmals zu berühren und mich auch mit moralischen Fragen auseinander zu setzen, mit denen ich auch nicht gerechnet hätte, dass sie in mir aufkommen würden.

Erzählt wird das Buch aus der Ich-Perspektive von Maddie, weshalb es auch einen relativ umgangssprachlichen Erzählstil gibt, der sich aber ziemlich interessant gestaltet, da man Maddies Gefühle und Reaktionen vollkommen nachvollziehen kann, auch wenn es eigentlich schwer sein sollte, sich in ein sich lediglich auf dem Bildschirm eines Computer abspielenden Lebens hineinzuversetzen.

Maddie gehört für mich zu einer der wenigen Charaktere, die mir schnell sympathisch war und mich auch immer wieder mit verschiedenen Facetten überraschen konnte. War sie noch zu Beginn des Buches unscheinbar, manchmal naiv und versteckte sich hinter verschiedene Identitäten, bekommt man dennoch ihre Zweifel an dieser unwirklichen Welt, an deren Entstehung ihr eigener Vater durch die Schaffung einer „Digital School“ mitwirkte, mit, aber versteht dennoch ihre Angst davor, sich gegen die einzigen Menschen, die sie lieben, zu wenden.
Mit dem Auftauchen von Justin kann man regelrecht ihre Wandlung mitverfolgen und sehen wie sie langsam beginnt, die Welt nicht mehr nur aus ihrem Zimmer zu sehen, sondern eine ganz andere Perspektive kennenlernt, die ihr mehr und mehr gefällt.

Die Liebesgeschichte war häufig ziemlich schön gestalten und wirkte auch ziemlich authentisch, allerdings fand ich es ein wenig ermüdend nach einer Weile auf jeder zweiten Seite lesen zu müssen, dass Justin „nicht fähig ist, sich lange an jemanden zu binden“, weil er ach so „selbstlos“ ist und niemanden verletzen möchte. Ansonsten fand ich es schön zu sehen, wie Justin es schafft, Maddie das Schöne an der wirklichen Welt zu zeigen und in ihr den Mut zu erwecken, selbst etwas bewirken zu wollen, weshalb sie – wie auch schon im Klappentext verraten wird – zu einer Schlüsselfigur des Widerstands wird.

Die Spannung war eigentlich während des ganzen Buches ziemlich hoch, allerdings spitze diese sich am Ende noch einmal zu und durch einen kleinen Cliffhanger am Ende, bin ich jetzt ziemlich neugierig auf die Fortsetzung, die hoffentlich bald folgen wird.

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Ein bewegendes Buch, welches zum Nachdenken anregt und auch moralische Fragen im Leser erweckt, über die man sich ansonsten nicht allzu viele Gedanken gemacht hätte. Man kann sich sogleich in die Geschichte einfinden, da Gegenwart und Zukunft miteinander verwoben sind und man sich so auch gleich mit den Charakteren identifizieren kann. Die Grundidee wurde hier vollkommen richtig umgesetzt und nach Beenden des Buches freue ich mich nun schon sehr auf die Fortsetzung.

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