"Bitter Love" - Jennifer Brown

Sonntag, 26. August 2012


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Nie hat Alex so stark für jemanden empfunden wie für Cole. Er ist geheimnisvoll, romantisch und spielt für sie Lieder auf der Gitarre. Alex verbringt jede freie Minute mit ihm - trotzdem scheint Cole sich zurückgesetzt zu fühlen, wenn sie sich ab und zu mit ihren besten Freunden trifft.
Und irgendwann lernt Alex den zärtlichen Cole plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen: Er wird ausfallend, verletzend und scheint von unbändigem Zorn getrieben. Allen Warnungen zum Trotz steht Alex zu ihm, doch ihre bedingungslose Liebe führt sie in einen Teufelskreis, den sie allein nicht mehr durchbrechen kann.
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"Und da spürte ich den Schmerz mit voller Wucht.
Mein Handgelenk.
Meine Hüfte.
Mein Kopf.
Mein Nacken.
Doch nichts von alledem schmerzte so sehr wie mein Herz.
Wie konnte das der Junge sein, dessen Hand beim Gitarrespielen so sanft auf meiner gelegen hatte? Der Junge, der aus meinem Gedicht einen Song gemacht hatte?"

("Bitter Love", Jennifer Brown, Seite 221)
Die Kurzbeschreibung von "Bitter Love" klang alles andere als nach einer leichten Kost. Im Gegenteil, "Bitter Love" schien ein Buch zu sein, das Themen oder vielmehr an ganz bestimmtes Thema anspricht, das den meisten völlig fremd sein mag, fern genug ist, dass man sich noch nie wirklich gedanklich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat und ein Thema, über das nur im seltensten Falle gesprochen wird. Kurzum: Es schien sich um eine durch und durch schwierige Lektüre zu handeln, die sich nicht einfach mal eben weglesen lässt und nicht schlicht und einfach als ein harmloses Mittel dient, in eine andere Welt abzutauchen und sich für kurze Zeit aus dem Alltag und Leben auszuklinken. Das dachte ich mir bereits, als ich neugierig anfing zu lesen und in eine Geschichte abtauchte, die vielmehr mitten im unbeschönigtem, harten Leben zu spielen schien.

Obwohl ich Jennifer Browns bereits erschienenes Debüt "Die Hassliste" nicht gelesen und somit auch noch nicht mit ihrem Schreibstil vertraut war, fühlte ich mich von der ersten Seite an wohl und empfand ihren Erzählstil als sehr angenehm. Alex, die Protagonistin und Ich-Erzählerin in "Bitter Love", schildert ihre Empfindungen, Gedanken und Erfahrungen in einem überaus natürlichem, simplen und schlichtem Erzählton, der zu ihrem Alter und ihrem Wesen passt und ihr somit zunehmend noch eine gehörige Portion Authentizität verleiht. Schnell wird dabei klar, dass sie anders ist als andere typische Protagonistinnen in üblichen Jugendbüchern. Obwohl die Tatsache, dass sie bereits als Kind einen schweren Schicksalsschlag - das geheimnisvolle Verschwinden und der Tod ihrer Mutter - erleiden musste, nichts Neues in diesem Genre darstellt, scheint Alex anders zu sein und ihre unausgesprochenen Gefühle in Gedichten niederzuschreiben.
Immer wieder erwähnt sie daher, welche Worte sie nun in einem Gedicht zur Beschreibung eines bestimmten Menschen oder einer Situation benutzen würde und wurde dadurch für mich noch greifbarer, als sie mir ohnehin schon erschien. Tatsächlich hatte ich von der ersten Seite an den Eindruck, als leise Zuhörerin der Geschichte eines Mädchens zu lauschen, das aus ihrem tiefsten, zerschundensten und zerrissenen Innersten ihre Geschichte erzählt. Alex wirkte dabei das gesamte Buch hinweg so unglaublich authentisch und erschreckend real. Auch ihre beiden besten Freunde, Beth und Zack, erschienen mir von Beginn an wie aus dem Leben gegriffen. Jeder von ihnen besitzt seine ganz eigenen Macken, sein persönliches Markenzeichen und erscheint einfach von der ersten bis zur letzten Faser individuell und ungeheuer realistisch und sympathisch.
"Aber es war, als würde ich mich selbst vom Ende eines langen, dunklen Tunnels aus sehen. Dieses bedauernswerte Mädchen am anderen Ende war geschlagen worden, sie war verwirrt, verwundet und tat mir furchtbar leid.
Wer auch immer sie sein mochte."

("Bitter Love", Jennifer Brown, Seite 273)


Sogar - und ganz besonders - Cole wird von Jennifer Brown von der ersten bis zur letzten Seite unheimlich lebensecht dargestellt. An Alex Seite lernte ich als stiller Zuschauer seine unglaublich charmanten, zärtlichen und liebevollen Seiten kennen, verlor zusammen mit Alex mein Herz Stück für Stück mehr an ihn und fragte mich bereits, ob das auf dem Klappentext Vorausgesagte überhaupt noch eintreten konnte. Nach und nach entdeckt man an Alex Seite Coles Geschichte, Vergangenheit und die Abgründe hinter seiner scheinbar so perfekten, unbekümmerten Fassade, die irgendwann auf erschreckende Art und Weise zu bröckeln beginnt und seine andere, tosende und ungestüme Seite ans Tageslicht bringt.

Zutiefst ergriffen und mit einer beunruhigenden Hilflosigkeit in der Brust muss der Leser zusehen, wie die Liebe zu Cole nicht nur Alex' Freundschaft zu Zack und Beth gefährdet, sondern auch Alex innerlich nach und nach zerstört. Dabei tat jedoch Eines, was ich und höchstwahrscheinlich jeder andere auch erwartet hätte, nicht ein: Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, Alex wachschütteln zu müssen, ihr ins Gesicht schreien zu müssen, sie solle endlich diese Bindung beenden, bevor sie an ihr zugrunde ging. Jennifer Brown hat tatsächlich etwas geschafft, was ich anfangs beim Beginnen dieses Buches nicht für möglich gehalten hätte: Ich verstand Alex. Ich verstand ihr Handeln bis aufs Tiefste, verstand ihre Liebe zu Cole, verstand, dass sie an dieser Liebe festhielt, auch wenn es ganz danach aussah, als würde sie nie zu einem guten Ende führen. Aller Vernunft zu trotz fühlte ich mit Alex mit und konnte ihre durch und durch unvernünftigen, lediglich emotionsgelenkten Handlungen nachvollziehen. In einem Moment war ich mir sicher, an Alex' Stelle Cole definitv abgeschreiben zu würden, auf der anderen Buchseite war ich mir da schonwieder nicht mehr so sicher.

Als Leser von "Bitter Love" erlebt man von der ersten bis zur letzten Seite einen Sturm an Emotionen, der nur schwer zu bewältigen ist und bei mir dazu führte, dass ich das Buch immer wieder beiseite legen und das gerade eben Gelesene verarbeiten musste. Als Leser dieses erschreckend realistischen Buches erkennt man nach wunderschönem und traurigem Ende zugleich, dass niemand, der nicht selbst in einer annährend ähnlichen Situation wie Alex und viele andere Frauen und Mädchen heute auch gesteckt hat, über diese Menschen zu urteilen vermag und niemals sagen kann, er hätte an der Stelle dieser Menschen anders gehandelt und es im Gegensatz zu ihnen nie so weit kommen lassen.
Mein anfangs aufgestellter Verdacht bestätigte sich demnach in vielerlei Hinsicht: Dieses Buch ist keine leichte Kost und zwingt regelrecht zum Nachdenken. Noch jetzt, nach Beenden dieses Buches, muss ich immer wieder erstaunt den Kopf schütteln und mich fragen: Wie konnte Jennifer Brown nur eine solch zutiefst erschütternde und dennoch wundervolle Geschichte zugleich zu Papier bringen?

"Ansonsten ging das Leben einfach weiter.
Jedenfalls für alle, die nicht vollgepumpt mit Schmerzmitteln im Bett lagen und bei jedem Versuch, sich umzudrehen, zusammenzuckten. Und die nicht verzweifelt zu vergessen suchten, was sie gemocht hatten an dem Jungen, der ihnen gerade noch die Hand gehalten hatte. Für sie ging das Leben einfach weiter."

("Bitter Love", Jennifer Brown, Seite 390)
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Ein zutiefst ehrliches und aufrichtiges Buch, das seinen Leser auf erschreckende und erschütternde Art und Weise dazu bringt, über ein Thema nachzudenken, das nicht nur aufwühlt, sondern auch bewegt. Ein Leseerlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt und daher am besten selbst gelesen werden muss. Eine wichtige und bitterschöne Geschichte, die im Innersten des Lesers einen Sturm an Emotionen auslöst, direkt ins Herz greift und bis unter die Haut geht.



Vielen Dank an den dtv-Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar!

Kommentare:

Friedelchen hat gesagt…

Vielen Dank für diese emotionale und packende Rezension! Das Buch wandert definitiv auf meinen Wunschzettel, auch wenn ich wohl noch eine Weile warten werde, bis ich in der richtigen Stimmung für diesen "harten" Stoff sein werde.

Cherry hat gesagt…

Und schon auf meiner Wunschliste. Das klang jetzt einfach zu gut ;)

Molly hat gesagt…

Danke :) Ich habe von diesem Buch noch nie gehört...möchte es jetzt aber gerne lesen!

KreaMa hat gesagt…

Danke für diese tolle Rezi, das Buch hört sich wirklich sehr interessant an, ich werd es auf jeden Fall im Auge behalten.

Ally Lala hat gesagt…

Ich finde deine Seite echt toll :D
Würde mich über einen gegenbesuch freuen :D

Ally

http://allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/

Elskamins Schätze hat gesagt…

Wow, mitreissende, spannende Rezi... gar nicht gut ;O)... so landet das Buch gleich auf meinem Wunschzettel... ich mags gerade dramatisch ;O).

Reni hat gesagt…

Gott, du kannst aber auch packend wie emotional schreiben. Wenn die Stimmung zum Buch passt, dann muss es bald in den Einkaufskorb wandern. Ich habe "Bitter Love" zwar auf meiner Kaufverdächtigen-Liste, jetzt behalte ich es aber mal genauer im Auge und wenn das nötige Kleingeld stimmt, werde ich wohl mal zuschlagen. Klasse Rezi!

Liebe Grüße
Reni

Elskamins Schätze hat gesagt…

Ich hab gestern angefangen zu lesen (dank deiner Rezi) und bin heute schon auf Seite 80.
Man merkt sehr schnell, dass nicht die typische High School- Romanze auf einen warten wird, aber genau das prophezeite ja auch schon der Klappentext.
Bis jetzt finde ich die Geschichte und die Figuren sehr authentisch und da man ja bereits ungefähr weiß, was zwischen Alex und Cole vorfallen wird, liest man dieses Buch mit einem ganz komischen Gefühl im Bauch. Man hofft einfach, dass sich Cole nie zu dem Menschen entwickeln wird, wie es der Klappentext ankündigt...

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