"Ashes 02 - Tödliche Schatten" - Ilsa J. Bick

Donnerstag, 23. August 2012

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Den verheerenden Anschlag auf die Welt hat die siebzehnjährige Alex überlebt, aber nun muss sie sich den schwerwiegenden Folgen stellen. In den Städten, die nicht zerstört wurden, rotten sich diktatorische Tyranneien zusammen, in denen sich menschliche Abgründe auftun.
Außerhalb der Schutzwälle droht der sichere Tod. Denn dort lauern Horden Jugendlicher, die sich seit dem Unglück in bestialische Kannibalen verwandeln. Und schließlich bleibt noch die Ungewissheit, ob Alex selbst noch zu so einem Monster mutiert. Warum sind ausgerechnet sie und ein paar wenige Ausnahmen von dieser Verwandlung bisher verschont geblieben?
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2. Teil einer Trilogie, mögliche Spoiler enthalten

"Alex wollte etwas sagen, irgendetwas. In einem Film oder einem Buch wäre das der Moment, in dem die Heldin auftritt. Sie wäre vorgetrete und hätte das Richtige getan. Und das wäre ihre Rolle.
Sie wollte nicht sterben, aber das Monster hatte sich in ihrem Kopf eingenistet. Es hatte gelbe Augen und nadelartige Zähne. Und es bekamm allmählich ein Gesicht.
Es bestand aus Krebszellen, und sie würde sowieso bald sterben."

("Ashes 02- Tödliche Schatten", Ilsa J. Bick, Seite 230)


Kribbelnde Finger, hundert vorfreudige Hummeln in der Magengegend, verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht und begierige Augen - Mit diesen Gefühlsregungen hielt ich erstmals nach gefühlten Jahrhunderten endlich die Fortsetzung des wunderbaren, unvergleichlich spannendem ersten Teils der Ashes Triologie in den Händen. Doch schon nach der ersten Seite durfte ich ernüchternd feststellen, dass mein Gedächtnis mich mal wieder gnadenlos in der Luft hängen ließ. Verständlich, wenn man bedenkt, dass es bereits fast ein komplettes Jahr her ist, dass ich den ersten Teil atemlos beendete. Aber Ilsa J. Bick sei Dank, wurde dieses kleine Gedächtnislücken-Problem in Windeseile aus dem Weg geräumt, denn die liebe Frau Autorin hat aufmerksamerweise mit einer exklusiven Zusammenfassung des ersten Bandes in Kurzformat bereits für vergessliche Leser wie mich vorgesorgt. Demnach wurden schnell die wenigen Gedächtnislücken mit altbekannten Informationen gefüllt und bereits Gelesenes ins Gedächtnis zurückgerufen, bevor ich mich mit nicht verminderter Lesefreude auf die Fortsetzung stürzte.

Ilsa J. Bick schaffte es vom ersten Wort an, mich in ihre wunderbar schlichten, jedoch schrecklich treffenden Wortverzweigungen zu hüllen. Sie hat einfach ihren ganz persönlichen, individuellen Stil, der sehr dezent und bescheiden gehalten ist, sodass er auf den ersten Blick etwas schmucklos und gewöhnlich erscheinen mag, jedoch trifft Ilsa J. Bick mit wortmalerischen Umschreibungen, die metaphorisch Bilder vor das innere Leserauge zeichnen, direkt ins Herz.
Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und beschreibt in der Rolle des personalen Erzählers nach wie vor die Geschehnisse schonungslos, direkt und unverblümt: Die glücklicherweise spärlichen Kampf- und Actionszenen werden wie man das bereits in Band eins feststellen müsste sehr detailgetreu und erbarmungslos geschildert. Erfreulicherweise kamen genannte Actionszenen jedoch nicht allzu oft vor, sodass mir der ein oder andere aus Ekel verzogene Gesichtsausdruck erspart blieb.
Nichtsdestotrotz wird man als Leser jedoch von Anfang an mit einer Veränderung im Vergle
ich zum ersten Band überrascht, denn Ilsa J. Bick nutzt die Tatsache, dass dem Leser nach dem ersten Band nun einige Charaktere neben Alex, der Protagonisten, vertraut sind und wechselt über die gesamten Kapitel hinweg zwischen den Perspektiven von fünf bis sechs Figuren. Auch wenn ich eine absolute Befürworterin der personalen Erzählweise bin und es in der Regel sehr gerne habe, wenn sich Autoren den Perspektivwechsel auf raffinierte Art und Weise zunutze machen, empfand ich dieses Switchen zwischen den Charakteren, verschiedenen Standorten und Situationen so manches Mal etwas anstrengend. Nicht selten musste ich nämlich ein paar Seiten zurückblättern, um mir nochmals ins Gedächtnis zu rufen, an welcher Stelle denn nun die letzte, vorangeganene Szene mit dieser Figur aufgehört hatte, um erneut den Faden finden zu können.
Trotz dieses klitzekleinen Kritikpunktes muss ich jedoch einräumen, dass Ilsa J. Bick durch diese Perspektivwechsel nach und nach ein wunderbar passendes, sich ergänzendes Geflecht aus Informationen entstehen lässt, sodass der Leser stets ein wenig klüger und allwissender als die einzelnen Charaktere zu sein scheint und mit wissendem Schrecken zusehen muss, wie der ein oder andere geradewegs in sein Unglück rennt.

In einem weiteren Punkt steht diese Fortsetzung Band in nichts nach: Die Charaktere sind nach wie vor einfach phanta
stisch. Mit ihrer ungeheuren Menschlichkeit, ihrem unglaublichen Realitätsgehalt und ihrer Vielseitigkeit bugsieren sie sich unwillkürlich in das Leserherz und nisten sich dort fest für immer ein. Sie begehen nachvollziehbare Fehler, für die man sie schütteln könnte, überraschenen einen im nächsten Moment mit bewundernswertem Heldentum und müssen sich auf der nächsten Seite wiederum die tiefen Abgründe ihrer inneren Ängste eingestehen.
Vor allem über Toms Vergangenheit wird in diesem Teil etwas mehr Licht geworfen, nachdem er mir nach Band eins noch ein wenig wie ein unbeschriebenes Blatt erschien. Während Chris' Auftritte hingegen in Band eins hoch an Zahl waren, sind diese in diesem Band etwas geringer. Trotzdem überzeugen beide mit ihrem ganz eigenem Charme, auch wenn es sehr, sehr wenige bis überhaupt keine Szenen zwischen ihnen in Verbindung mit Alex gibt, was ich als etwas schade jedoch im Hinblick auf die Handlungsverstrickungen als nachvollziehbar empfand. Auch Alex ist und bleibt ein wunderbar realiätsnaher Charakter und eine besonders sympathische, einzigartige Protagonistin, wie sie mit dieser Entschlossenheit, Willensstärke und dennoch Fehlerhaftigkeit nur selten in Jugendbüchern anzutreffen ist.

Die Handlung ist auch in diesem Band mehr als nur unvorhersehbar - Ich tappte stets im Dunkeln, war meistens im Ungewissen und hatte nicht den blassesten Schimmer, was mich auf der nächsten Seite erwarten würde. Infolgedessen war der Spannungsgehalt alles andere als gering und Ilsa J. Bick zwingt ihren Leser gekonnt durch Cliffhanger selbst am Ende eines Kapitels zum entsetzem Luftschnappen. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass diese Fortsetzung, was den Spannungsbogen betrifft, nicht ganz mit dem Erstling mithalten kann. Die Hanldung an sich schritt zwar mit stetigem Tempo voran, jedoch kommt es in meinen Augen zu deutlich weniger spannenden Ereignissen, als das in Band eins der Fall war - Was nicht heißen soll, dass ich mich ab und an langweilte, denn so erging es mir dennoch keine Sekunde.
Dazu kam, dass einige Handlungsverstrickungen bei mir für etwas Verwirrung sorgten. So manch ein Charakter blieb bis zur letzten Seite einfach undurchschaubar für mich und ich wusste noch immer nicht so recht, was derjnige im Schilde führte oder welche Beweggründe der ein oder andere nun für seine Handlungen hatte. Ob das ein Kritikpunkt oder eher ein gutes Zeichen ist, wage ich noch nicht zu beurteilen, sondern hoffe einfach im Stillen, dass sich all meine ungeklärten Fragen im letzten Band dieser Trilogie klären werden.
Wie bereits zu vermuten war, blieb sich Ilsa J. Bick auch das Ende betreffend treu und beendet diesen mitreißenden zweiten Teil mit einem erbarmungslosen Cliffhanger, der zugegebenermaßen und absurderweise dennoch einen grandiosen, tollen Abschluss bildet und in mir nur einen Wunsch hervorruft: Mehr!


" Mein Gott, was passiert mit mir? Alex zitterte, und sie fühlte sich schwach. An die Tür gelehnt drückte sie ihr verschwitztes Gesicht gegen das kalte Holz. Ich bin nicht Spinne. Ich bin Alex, und ich bin hier, ich bin hier, genau hier.
Aber dann glaubte sie, das allerleiseste Wispern zu hören, das seufzend aus einer tiefen, dunklen Gehirnwindung empordrang. Vielleicht hörte sie in Wirklichkeit aber auch gar nichts, und es war eine Halluzination, heraufbeschworen von ihrem konfusen, kranken Hirn. Wie auch immer. Es war da, leise und sarkastisch.
Vielleicht, sagte das Monster. Aber ich auch. Ich auch. "

("Ashes 02- Tödliche Schatten", Ilsa J. Bick, Seite 259)
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Auch der mitreißende zweite Teil der Ashes-Trilogie verstand es gekonnt durch unheimlich tolle Charaktere und einen angenehmen Stil mich um den Schlaf zu bringen und mir den ein oder anderen erschrockenen, mitgerissenen Atemzug zu entlocken. Eine Fortsetzung, die dem ersten Band meiner Meinung nach in punkto Spannung ein klein wenig nachsteht, jedoch durch ein geniales Ende und vielen ungeklärten Ereignissen einen überwältigenden, furiosen dritten Band verheißt, der hoffentlich bald erscheinen und mich ebenso atemlos zurücklassen wird.



Herzlichsten Dank an den Egmont-Ink Verlag für dieses Rezensionsexemplar!


Kommentare:

Cherry hat gesagt…

Wie wahr, wie wahr!
Freut mich, dass dir der zweite Teil ebenso gefallen hat wie mir, und du dich nun auch nach Band 3 sehnst ;)

Livi hat gesagt…

@Cherry: Ja, nach diesem miesen, fiesen Cliffhanger ist es ja beinahe schon ein Muss, den nächsten Band herbeizuwünschen. Das Ende lässt ja auch ziemlich viel Raum für wilde Spekulationen...
Freut ich auch, dass dieser Band dich ebenso begeistern konnte. ♥

Sandrina hat gesagt…

super Rezi :)

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