"Virtuosity" - Jessica Martinez

Freitag, 15. Juni 2012


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Die siebzehnjährige Carmen ist ein Star. Sie tourt mir ihrer Geige durch die Welt und spielt überall vor ausverkauften Konzertsälen. Doch die Konkurrenz ist hart. Beim Guarneri-Wettbewerb treten Jungstars aus den verschiedensten Ländern gegeneinander an - und nur der Sieg zählt. Carmen steht unter Druck, den sie nur noch mit Tabletten in den Griff bekommt. Doch dann lernt sie Jeremy kennen, ihren ärgsten Konkurrenten um den Sieg. Und obwohl Carmen weiß, dass sie sich vor ihm in Acht nehmen sollte, fühlt sie sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Für Carmen ist die Zeit gekommen, sich zu entscheiden: Setzt sie auf Sieg oder auf die Liebe ...


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"Das Gewirr der Noten flog nur so von meinen Händen, schneller als ich sie überhaupt erfassen konnte. Das war es, wovon Jeremy gesprochen hatte, dieses Gefühl, fast fertig zu sein.
Mit einem Seufzer der Erleichterung schmiss ich die letzten Noten des Konzertes hoch in den Saal. Es war vorbei. Die Bravo-Rufe erklangen, ehe ich die Augen geöffnet hatte und Adrenalin sauste durch meinen ganzen Körper.
Ich flog."
("Virtuosity", S.117)


Immer und immer wieder sah ich „Virtuosity“ in den Regalen der Buchhandlungen stehen, bis es allerdings schließlich bei mir daheim gelandet ist, hat es (leider) eine Weile gedauert. Zwar hat die Kurzbeschreibung mein Interesse vollkommen geweckt, allerdings wurde ich ein wenig skeptisch nach einigen nicht besonders begeisterten Rezensionen, die zwar ein unterhaltsames Jugendbuch versprachen, aber eben auch nicht mehr als das.

Was mich nun aber erwartete, reichte für mich weit über den Durchschnitt hinaus und ich kann auf einige wundervolle Lesestunden mit diesem Buch zurückblicken. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass viele tiefgründige Themen aufgegriffen werden, die nicht nur in Verbindung mit dem Bereich der klassischen Musik, sondern auch im normalen Leben auftreten.
Ich finde eigentlich allein das Cover schon Grund genug dem Buch einen zweiten Blick zu schenken – wundervoll gestaltet und versehen mit einem absolut passenden Titel harmoniert diese Zusammensetzung perfekt.
Der Schreibstil von Jessica Martinez ist zwar oftmals einfach und schlicht gehalten, allerdings treten durchaus poetische Einwürfe zwischendurch auf, die das Lesen immer schöner gestaltet. Ich hätte zunächst nicht damit gerechnet, dass ich mich mit der erfolgsorientierten, disziplinierten Geigenspielerin Carmen identifizieren werden könnte, dass dies allerdings letztendlich hervorragend funktionierte ist sowohl zurückführend auf die Ich-Perspektive, aus der das Buch geschrieben wird, als auch auf die authentischen und besonders gefühlsvollen Beschreibungen.
Der Autorin gelingt es in ihrem Roman ausgezeichnet die in Carmen tobenden Gefühle zu beschreiben und diese dem Leser so zu vermitteln, dass er diese nicht nur versteht und nachvollziehen kann, sondern sich auch fragt, wie er an ihrer Stelle handeln würde. Ich persönlich habe mir diese Frage oftmals während dem Lesen gestellt und bin so ziemlich oft zum Nachdenken angeregt worden.

Welche Auswirkungen kann zu großer Leistungsdruck verursachen? Wie würde man sich selbst entscheiden, wenn man keinen anderen Ausweg finden würde, als zu Tabletten zu greifen?
Ich denke das Buch ist für jedermann geeignet – auch für diejenigen (wie mich), die normalerweise nicht besonders viel mit klassischer Musik anzufangen wissen. Das Thema wird dadurch im Buch aufgegriffen, da Carmen kurz vor dem für ihre Zukunft alles entscheidenden Guarneri-Wettbewerb steht, der für sie sowohl das Sprungbrett zur einer großen Karriere mit Welttournee, aber auch eine Katastrophe im Falle einer Niederlage gegen ihren größten Konkurrenten Jeremy King bedeuten könnte.

Carmen war mir gleich zu Beginn ziemlich sympathisch, da sie vor allem auch durch ihre Natürlichkeit und leichten Schüchternheit authentisch dargestellt wird und man augenblicklich sich in ihre Lage hineinversetzt und die Ausmaße ihrer in ihr tobenden Verzweiflung und Traurigkeit zu spüren bekommt. Dazu beigetragen haben auch die anfänglichen Rückblenden, wodurch man die Zusammenhänge verstehen konnte, wie ihre jetzige Lage (beispielsweise ihre Tablettenabhänigkeit) entstehen konnte und welche Personen und Situationen in ihrem Leben daran maßgeblich beteiligt waren.
Ihre Mutter und ihren Geigenlehrer Juri konnte ich während dem Lesen nicht besonders gut einschätzen, da diese zwar oberflächlich betrachtet egoistisch und oftmals gefühllos im Verhältnis zu Carmen wirken, allerdings zwischenzeitlich auch andere Seiten auftreten und ich deswegen auch ein wenig zwiegespalten auf diese Charaktere zurückblicke.
Jeremy King wird am Anfang als richtiges Ekel beschrieben, das sich im Laufe des Buches immer mehr wandelt und schließlich habe ich ihn richtig ins Herz geschlossen. Auch wenn er und Carmen erbitterte Konkurrenten sind beginnen sie sich unwillkürlich nach ihrem ersten Aufeinandertreffen anzunähern und einander immer weniger als Gegner in einem Kampf zu betrachten. Hier muss ich sagen hat es mir besonders gefallen, dass es keine überstürzte Liebesgeschichte gab, sondern schön zu sehen ist, wie langsam etwas Wahres und Ernstes am Entstehen ist. Er ist der hauptsächliche Grund, weshalb Carmen schließlich zu einer starken Persönlichkeit wird und beginnt wieder in ihr Leben zurückzufinden und dieses ohne Anweisungen von anderen selbst in den Griff zu nehmen.
Einziger, klitzekleiner Kritikpunkt an dem Buch ist für mich der etwas kurze Lesegenuss, den man genießen darf, da das Buch leider nur knappe 250 Seiten aufzuweisen hat und ich mir beispielsweise ein ausführlicheres Ende oder mehrere Szenen mit Jeremy gewunschen hätte.
Ansonsten konnte es mich absolut von sich überzeugen und begeistern und ich würde mich über einen Folgeband wirklich sehr freuen.



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Ein absolut fantastisches Buch, welches zum Nachdenken anregt und sich mit Themen wie die Suche nach sich selbst, den Umgang mit übergroßem Leistungsdruck, oder die Liebe zur Musik beschäftigt und durch authentische Charakter und nicht überstürzte Handlungen überzeugen kann.


Kommentare:

Hanna hat gesagt…

Das klingt wirklich nach einem tollen Buch. Vor allem das Thema, um das es geht, auch so einzigartig, weil sich kaum mit so etwas beschäftigt wird - in meiner Sicht jedenfalls. Danke, dass du mich auf das Buch aufmerksam gemacht hast, ich kannte bis jetzt immer nur das Cover und wusste nie, worum es geht, sonst wäre es bestimmt schon längst bei mir :) Aber deine Rezension ist mal wieder toll geschrieben, du hast mich überzeugt und ich werde das Buch kaufen :) ♥

captain cow hat gesagt…

Bei mir war es wie bei dir - irgendwie war ich neugierig auf das Buch, wegen weniger guter Rezensionen dann aber doch auch skeptisch. Diese Rezension hier macht mir eindeutig wieder mehr Lust. Vielleicht kaufe ich mir das Buch bald mal auf Englisch :D

Sophia hat gesagt…

Eine tolle Rezension, die richtig Lust macht, das Buch zu lesen! :-) Ein paar negative Rezensionen haben mich genauso wie dich abgeschreckt, aber nachdem ich das jetzt gelesen habe, werde ich mir den Kauf wohl nochmal überlegen :-D

Selina hat gesagt…

Sehr schöne Rezension! :)
Bei mir kam das Buch vor einigen Tagen an und ich werde es wohl bald lesen. Bin schon sehr gespannt :D

Sandrina hat gesagt…

wirklich sehr schön geschrieben :)

Reni hat gesagt…

Ach ja, ich habe "Virtuosity" sehr gerne gelesen und war positiv überrascht. Mein kleiner Kritikpunkt war die rasche Annäherung von Jemery & Carmen. Hier hätten mir ein paar Seiten mehr sehr gut getan, einfach damit es noch etwas realistischer/nachvollziehbarer rüberkommt. Ansonsten fand ich die beiden sehr süß zusammen. Die Problemantik um Carmens Leistungsdruck/Abhängigkeit und ihre Leidenschaft für die Violine fand ich toll und berührend umschrieben. Ich konnte da gar nicht anders als weiterlesen. Es ist doch immer wieder schön, wenn ein Buch nicht nur optisch etwas hermacht, sondern auch inhaltlich zu überzeugen weiß. Für mich hier absolut der Fall! Eine sehr schöne und anschauliche Rezi übrigens. Ich habe sie gerne gelesen und bekomme gleich wieder Lust auf das Buch. :)

Liebe Grüße
Reni

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