Open endings

Montag, 18. Juni 2012

Wer kennt sie nicht? Die berüchtigten, oft allseits für Seufzen sorgenden offenen Enden, die einen als Leser völlig unaufgeklärt, oftmals am schwindelerregenden Hang unwissend hängen und mitten in der Geschichte ihren Faden urplötzlich zu Ende gehen lassen, um letztendlich den Ausgang ihrer Geschichte mit vielen kleinen, unaufgelösten Fragezeichen zu beenden.

So sehr sie den Leser daher stirnrunzelnd nachgrübelnd verbleiben lassen, so sehr sie meistens nerven mögen, stellt sich zeitgleich trotz allem die Frage, ob ihnen auch nicht etwas Gutes nachgesagt werden kann? Ja, sind sie manchmal nicht sogar der erdenklich beste Weg eine Geschichte zuende gehen zu lassen?
Forden sie - wie es nicht wenige Autoren als Argument benutzen- den Leser nicht sogar zur Fantasie und Vorstellungskraft auf, um das unausgesprochene bzw. - geschriebene Ende selbst nach seinem Geschmack in Gedanken weiterzuspinnen?

... Oder doch alles nur Humbuk und eine Ausrede all jener Geschichtenerzähler, die sich selbst darüber unschlüssig scheinen, welches nun der treffendste Ausgang der Handlung darstellen würde?


Sicherlich ist es angebracht, hier zu differenzieren. Sinn dieses Posts ist es nämlich keineswegs, offene Enden schlechtzureden. Im Gegenteil, schließlich haben auch wir bereits offen gehaltene Enden, die eine alles entscheidende oder elementare Frage im Raum unbeantwortet stehen lassen, nach langem Grübeln als gut befunden.
"Indigosommer" von Antje Babendererde beispielsweise ist ein ganz klassischer Fall für eine raffiniert gelöste Ausgangssituation mit gelungener Pointe auf den letzten Seiten. So sehr uns diese abrupt zuende gehende Handlung, aus der man beinahe schon gewaltsam herausgerissen und mit der alles entscheidenden Frage, wie der weitere Verlauf der Geschichte aussehen mag, alleine stehen gelassen wird, aufseufzen und im ersten Moment genervt dreinblicken lassen hat, durften wir dennoch die positiven Seiten dieses Endes nicht ignorieren. Denn tatsächlich scheint uns ein Ende dieser Art, das ebenso unsicher und fragwürdig, was die Weiterentwicklung bestimmter Charaktere betrifft, ist wie die Zukunft eben selbst, sehr realistisch und treffend für einen Jugend-/Liebesroman dieser Art. Alles in allem lässt sich folglich unserer Meinung nach mit diesem offenen Ende gut leben.

Ein weiteres Beispiel unsererseits, das trotz oder gerade wegen eines offenen Endes einen meisterlichen, raffinierten und wohl den besten Ausgang gefunden hat, wäre Lucy Christophers "Ich wünschte, ich könnte dich hassen" (Originaltitel: "Stolen").

Aber natürlich gibt es da leider noch die erwähnten Gegenstücke: Unglücklich ausgewählte oder gestaltete offene Enden, die nichts mehr mit der Förderung der Vorstellungskraft des Lesers gemein haben, sondern nur eines: verwirren. Oder vielmehr verärgern, je nach dem. Jene Bücher, die einen gelungenen Start hingelegt, eine angenehme Handlung zur Mitte des Buches dargelegt haben und mit einem dermaßen abgerissenen Ende den Leser auf der letzten Seite erschlagen, sodass sich diesem ( wie es mir bei "Wunder wie diese" leider, leider erging) unweigerlich die Frage aufdrückt: Was sollte denn das jetzt gewesen sein?
Ob der Autor plötzlich gegen Ende hin die Lust am Schreiben dieser Geschichte verloren haben mag? War es ihm gar zu anstrengend, sich ein passendes Ende zu überlegen? Oder war es von vornherein geplant, das gesamte Hin- und Her, Hoch- und Runter einer Liebesgeschichte einfach mit einer riesengroßen, offenen Szene zu beenden? Warum? Wo liegt dann der Sinn des Ganzen? Warum eine solch toll begonnene Geschichte, die eigentlich von Anfang an nur auf diesen einen Moment hinausläuft, die im Kopf des Lesers diese eine Frage aufwirft, wegen dessen Beantwortung er begierig Seite um Seite weiterliest, damit beenden, eben diesen Punkt offen zu lassen?, stellt sich uns da die Frage.
Einfach nur schade, dieses vergeudete Potenzial...


Nun würden wir aber liebend gerne eure Meinung dazu erfahren: Was hält ihr generell von Büchern, die ein offenes Ende aufweisen? Seid ihr diesen im Allgemeinen abgeneigt, mögt ihr eine solche Art Schluss oder seid ihr ebenso zwiegespalten wie wir? Und welche Bücher, die auf diese Weise enden, fallen euch spontan dazu ein?

Eure Meinung könnt ihr gerne auf schnellem Wege durch diese Umfrage und einen einfachen Klick uns zukommen lassen oder bzw. und (was uns natürlich noch mehr freuen würde) in ein paar Sätzen als Kommentar kundtun, wie es euch beliebt.


Offene Enden- Ja oder Nein?
Mag ich.
Mag ich nicht.
Auswertung

Kommentare:

lost pages hat gesagt…

Hey :)
Du hast einen schönen Blog! :)
Hab mich gleich mal als Leser eingetragen :)
Lg Jan

captain cow hat gesagt…

Ich bin generell eher ein Fan von offenen Enden. Auch wenn sie auf den ersten Blick unpassend scheinen, mag ich es einfach, dass ich mir selbst etwas ausmalen kann und mir der Autor freie Hand lässt beim Ende bestimmen. Das ist mir 1000 Mal lieber als ein unpassendes Happy oder Bad End.
Was ich dann eher schlimm finde, sind solche offenen Cliffhanger Enden, um die Leser auf den nächsten Band neugierig zu machen. Bei mir geht das meist nach hinten los :S

アンドラ hat gesagt…

Ich sags mal so: Wer keine offnen Enden mag, der hat nicht genug Kraft selbstständig weiter zu machen.

zeilenreisende hat gesagt…

Na ja, manchmal kann ein offenes Ende jedoch dermaßen unpassend sein, dass ich den Verdacht habe, dem Autor sei nichts eingefallen...es gibt Bücher, die ein Ende brauchen, egal ob es gut oder schlecht ausgeht...aber natürlich gibt es auch Romane, die durch ein offenes Ende nur profitieren...je nach dem...es muss einfach passen :)

Livi hat gesagt…

@LostPages: Danke und schön, dass du hierher gefunden hast. :)

@Hannah: Hm, ja, ich weiß, was du meinst. Mit dem selbst Ausmalen möchte ich mich jedoch oft nicht zufrieden geben. :/ Ich meine oftmals, die Charaktere nicht gut genug oder zumindest nicht so gut wie der Autor selbst zu kennen, um mir ihren weiteren Fortgang realistisch auszumalen. Aber ich stimme dir ja durchaus zu, dass offene Enden so manches mal sehr, sehr passend und gelungen sein können. :)
Cliffhanger sind wirklich so eine Sache. Bei vielen habe ich auch das Gefühl, dass es sich bei einer Trilgie oder Ähnlichem einfach um einen Band handeln müsste, der eben mal in drei Teile an den unpassendsten und spannendsten Stellen durchtrennt wurde. Aber glücklichweise ist das nur die Ausnahme, auch wenn ich deine Reaktion auf solche Arten von Enden verstehen kann. :)

@Andra: Du bist also eine absolute Befürworterin offener Enden, nehme ich an? :D Hm... Ich würde es wohl nicht ganz so verallgemeinernd oder extrem ausdrücken. Ich finde nämlich wirklich, dass zu manchen Geschichten kein offenes Ende passt, so toll es auch sein mag, sich eine Geschichte alleine weiter auszumalen...

@Zeilenreisende: Du sprichst mir aus der Seele. :) Ganz genauso sehe ich das auch, weshalb ich wirklich nicht sagen kann, ob ich offenen Enden nun eher zu- oder abgeneigt bin.

captain cow hat gesagt…

Hm, das stimmt auch wieder. Ich kann auch verstehen, wenn man offene Enden nicht so mag. Es kommt natürlich auch sehr stark auf das Buch an. Bei mystischen Geschichten oder Fantasy-Romanen oder actionreichen Büchern, bei dem alles auf einen Punkt hinausläuft, ist ein offenes Ende natürlich mehr als ärgerlich und wirkt eher so, als würde der Autor sich nicht sicher sein, wie er es sonst machen soll.
Aber bei realistischen Büchern frei von Fantasy gibt es ja öfter offene Enden, die sogar sehr gut passen, weil die Geschichten da mehr lange Momentaufnahmen sind und man als Leser die Hauptfigur für einen bestimmten Zeitraum in ihrem Leben begleitet, dann aber wieder Abschied nimmt.
Ja, so geht es mir auch :/ Ich habe dann das Gefühl, dass der/die Autor(in) einen bei Laune halten wollen.

summer hat gesagt…

hey!
hab deinen blog gerade bei büchertippzzz bloging friends entdeckt. wirklich sehr schöner blog und gute rezensionen. hast du lust banner für blogging friends zu tauschen?

lg
summer von schlüsselreiz

Jenny hat gesagt…

Hallo ihr Lieben,
ich wollte euch nur sagen, dass ich euren Blog vor Kurzem entdeckt habe und ihn wunder-wunderschön finde :)

Lg, Jenny

Reni hat gesagt…

Ein toller und interessanter Beitrag! Bei mir kommt es ganz darauf an: bei realistischen Geschichten sehe ich es eher wie Captain Cow. Hier habe ich nichts gegen offene Enden, weil sie die Phantasie des Lesers anregen und eben keinen Weg direkten Weg/ein eingefahrenes Ende vorgeben. Man kann sich selbst ausmalen, welche Entscheidung die Charaktere treffen könnten. Wie im richtigen Leben halt. Das regt einfach zum Nachdenken an.

Im Fall von "Wunder wie diese" kann ich deinen Frust aber VOLLKOMMEN verstehen. Ich habe es gestern ausgelesen und war danach doch mehr als enttäuscht. Weil, hier wusste ich gar nicht so recht, was die Autorin mit dem kompletten Roman ausdrücken möchte. Trinkt reichtlich Alkohol, genießt eure Jugend, macht Fehler und der Rest ergiebt sich schon irgendwie? Oh, vielleicht habe ich ja doch was für mich mitgenommen. ;) Ne, im Fall von Chris & Amelia ist das Ende mehr als unbefriedigend und nach einem kleinen Startproblem (vor allem mit Amelia´s Charakter), konnte mich der Mittelteil da auch nur bedingt trösten. Schade!

Bei phantastischen Romane finde ich ein offenes Ende übrigens auch oft blöd. Insbesondere, wenn es das endgültige Ende (z. B. bei einer Trilogie) betrifft. "Wired" von Robin Wasserman ist so ein Fall. Obwohl, hier war ich zwar zunächst ernüchtert, im endeffekt und mit etwas ich-gehe-mal-in-mich konnte ich damit letztendlich aber gut leben. Viele andere waren hingegen maßlos enntäuscht. Was ich wiederum auch verstehen kann.

Liebe Grüße
Reni

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für deinen/Ihren Kommentar.
Jeder einzelne wird gelesen, geschätzt und gegebenenfalls darunter beantwortet. :)

© fearsomeangel.blogspot.com