"Die Auserwählten- In der Brandwüste"- James Dashner

Dienstag, 26. Juni 2012



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Sie haben einen Ausweg aus dem tödlichen Labyrinth gefunden und geglaubt, damit wäre alles vorbei. Dass sie frei sein werden und nie mehr um ihr Leben rennen müssen. Doch auf Thomas und seine Freunde wartet das Grauen: Sengende Hitze, verbranntes Land und Menschen, die von einem tödlichen Virus befallen sind. Und die undurchsichtigen Schöpfer halten noch immer die Fäden in der Hand.
Damit steht den Jungen die nächste Prüfung bevor. Sie müssen innerhalb von zwei Wochen die Brandwüste durchqueren, sonst sind sie verloren. Und dabei wird ihnen alles abverlangt, sogar ihre Menschlichkeit. Doch dazu ist Thomas nicht bereit.
Quelle: amazon.de
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Als eine Rezension dieses 2. Teils einer Reihe könnten Spoiler enthalten sein.


Er sah etwas aus dem Augenwinkel und drehte sich in Richtung der Wand. Was er dort sah, machte augenblicklich jedes Gefühl der Sicherheit zunichte, das er in der vergangenen Nacht beim Gespräch mit Teresa empfunden hatte. Es ließ ihn daran zweifeln, dass solche Gefühlsregungen überhaupt in derselben Welt, in der er sich jetzt befand, existieren konnten.“
( „Die Auserwählten- in der Brandwüste“, Seite 15)

Nach James Dashner grandiosem ersten Teil dieser Reihe, „Die Auserwählten- im Labyrinth“, welcher mich atem- und fassungslos wegen einer solch großen Menge Genialität, Einfallsreichtum und geladener Spannung zurückgelassen hat, stellte das Warten auf den zweiten Teil eine reine Qual dar. Ein Buch mit einem derartigen nervenzerwühlendem Ende zu beenden grenzt ja beinahe schon an eine gerissene Gnadenlosigkeit, die mir das ohnehin zermürbende Warten nur noch erschwerte.

Umso gespannter und vorfreudiger durfte ich demnach die erste Seite des zweiten Teils aufschlagen, um erneut direkt in eine dystopische Welt der ganz anderen Art hineingerissen zu werden – im wahrsten Sinne des Wortes! Denn James Dashner ist kein Mann der großen Worte, der unnötige Einführungen oder Aussweifungen benötigt, um an sein Ziel zu gelangen, sondern manövriert den Leser gekonnt und äußerst geschickt mit Vollgas ins Geschehen hinein, welches direkt an die letzten Ereignisse aus Band 1 anknüpft.
Dabei überrascht – oder vielmehr erfreut – Herr Dashner mit seinem prägnantem, kurzangebundenem, aber immer sehr treffendem Erzählstil, mit dem der Leser bereits in Band 1 Bekanntschaft schließen durfte. Diesen Schreibstil habe ich abermals als sehr, sehr angenehm und vor allem passend zum Inhalt und Handlungsverlauf des Buches empfunden. In einer gnadenlos nervenaufreibenden, hochgradig spannungsgeladenen Handlung, wie es bei diesem Buch der Fall ist, wäre ein detailliert umschreibender, emotionsgeladener Schreibstil absolut fehl am Platz. Was gleichgesetzt nicht bedeutet, dass es James Dashners Erzählkunst an Emotionalität mangelt. Ganz im Gegenteil, denn erneut musste ich positiv überrascht feststellen, wie scheinbar leichtfertig es ihm zu gelingen scheint, als personaler Erzähler in die Gedanken- und Gefühlswelt von Thomas, dem Hauptprotagonisten aus dessen Perspektive die gesamte Geschichte hinweg das Geschehen geschildert wird, hineinzuschlüpfen und dessen Gefühlsregungen auf schlichte, aber nicht weniger nachvollziehbare, mitreißende und expressive Weise auszudrücken.

Auch die altbekannten Charaktere, von denen ich aufgrund ihrer enormen Authentizität, Menschlich- und Fehlerhaftigkeit bereits nach Vollendung von Band 1 schwärmen musste, durfte ich mit Freuden erneut auf ihrer noch nicht beendeten Reise begleiten, um am Ende festzustellen, dass sie in der Zwischenzeit nicht im Geringsten an Sympathie oder Facettenreichtum verloren hatten. Tatsächlich nämlich zeichnet sich jeder einzelne der Lichter durch seine ganz eigenen Macken, Schwächen und Stärken in ihrer Einzigartigkeit auf ohne dabei konstruiert zu wirken. James Dashner schafft es erneut, jeden Einzelnen während des Buches so agieren zu lassen, dass ihre Handlungen vollkommen eigenständig auf den Leser wirken, der bereits nach den ersten zehn Seiten vollkommen zu vergessen droht, dass eben diese Figuren schlicht und einfach einer Autorenfeder entsprungen sind.
Besonders Minho und Newt durfte ich erneut in mein Herz schließen oder vielmehr daran erinnert werden, warum ich dies bereits nach Band eins getan hatte, denn ihre wortgewandten und humorvollen Dialoge sind einfach unübertrefflich. Aber nicht nur die Lichter konnten mich von ihrer menschlichen und authentischen Art überzeugen, sondern selbst die frisch dazukommenden Cranks oder gar die Mitspieler von ANGST machten auf mich einen durchweg sehr gut durchdachten und ausgefeilten Eindruck.
Einzig und allein Teresa, welche mir ja bereits im vorherigen Band etwas suspekt oder sagen wir besser unnahbar erschien, da ich persönlich die Szenenanzahl ihrer Auftritte als zu gering empfand, um mir wirklich ein Bild von ihr zu machen oder ihr gegenüber gar Sympathie zu entwickeln, stehe noch immer etwas zweigespalten gegenüber. Auch wenn das nach dem Ende dieses Buches zu urteilen sicherlich von James Dashner beabsichtigt war, bin ich mit ihr noch immer nicht genug warm geworden, was keinesfalls ein Kritikpunkt darstellt, da ich mit Erleichterung erneut feststellen musste, dass es sich bei dieser, wenn man so will, Dystopie Gott sei Dank viel weniger um eine Liebesgeschichte als um ein unheimlich spannendes Abenteuer dreht. Teresas schleierhafter, undurchsaubarer Charakter steigert dabei vielmehr meine Erwartungen an den nächsten Teil, in dem ich hoffentlich einen etwas besseren Einblick in Teresas Charakter erhaschen werde, um mir ein klares Bild von ihr verschaffen zu können.
Thomas hingegen gab wie bereits in Teil 1 einen wunderbaren, äußerst sympathischen Protagonisten ab, in dessen Innenleben es sich als Leser sehr gemütlich machte, auch wenn der Handlungsverlauf an sich alles andere als mit „gemütlich“ zu beschreiben ist.

Diese nämlich steuert mit Vollgas und einer aufwühlenden Höchstgeschwindigkeit auf ein Ende zu, das mindestens ebenso verwirrend wie der gesamte Handlungsverlauf während des Buches an sich ist. James Dashner nimmt seine Leser nämlich erneut auf eine Reise an einen Ort mit, der für sie ebenso unbekannt wie für die Lichter selbst ist. Beinahe die ganze Zeit über hatte ich nicht den entferntesten Hauch einer Ahnung, was mich auf der darauffolgenden Seite erwarten würde. Eine Überraschung jagt auch in der Brandwüste die nächste, ein Ereignis überrollt das nächste und aus jeder Ecke entspringt ein ganz neues, unerwartetes Problem oder Geheimnis, das sich auf schockierende Art und Weise lüftet.
Während sich die Lichter den neuen Herausforderungen in der Brandwüste stellten, fühlte ich mich als Leser direkt unter ihnen- mit einer ebenso großen Angst und Hoffnung auf ein rettendes Ende im Herzen.
Da wäre auch schon das Stichwort: Ende. Ich hatte es ja beinahe die ganze Zeit über geahnt und befürchtet, gebangt und gehofft. Gehofft, dass James Dashner dieses eine Mal doch Gnade walten lassen würde, nur dieses eine Mal den zweiten Teil dieser nervenzerffressenden, mitreißenden und überwältigenden Reihe nicht mit einem Verwirrung stiftenden, Fragen aufwerfenden und noch dazu vor grausamer Genialität strotzendem Ende beenden würde… Vergeblich. Er hat es wieder getan! Erneut endete dieses Buch so fürchterlich gnadenlos, dass neben unzähligen Fragen in meinem Kopf nun erneut eine unruhige Neugierde und Vorfreude in der Magengegend herrscht, die darauf warten, bis zum Erscheinen des zweiten Bandes gestillt zu werden.


„ ‚Ihr glaub vielleicht, dass wir nur testen, ob ihr in der Lage seid zu überleben. Oberflächlich betrachtet sehen die Experimente, die wir im Labyrinth mit euch durchgeführt haben, vielleicht so aus. Aber ich versichere euch, dass es nicht nur um das reine Überleben oder euren Überlebenswillen geht. Das ist nur ein Teil dieses genialen Experiments. Es geht um etwas sehr viel Größeres, das ihr erst ganz am Ende verstehen werdet.' “
(„Die Auserwählten- in der Brandwüste“, Seite 85-86)

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Genialität, grenzenloser Ideenreichtum, hochgeladene Spannung und eine geballte Ladung an einem Emotionschaos- Das alles steckt zwischen den beiden unscheinbaren Buchdeckeln des zweiten Band der „Auserwählten“-Reihe. Unglaublich.
Wer daher bereits vom ersten Band begeistert zurückgelassen wurde, sollte sie auch für „Die Auserwählten-in der Brandwüste“ viele Nerven bereithalten, denn eine gnadenlos spannende Handlung entführt in die Brandwüste, einen nicht minder gefährlichen Ort als das Labyrinth, welcher genauso viele Gefahren und schockierende Überraschungen bereithält. Wer sich nach dem ersten grandiosen Band demnach nicht den zweiten zu Gemüte führt ist dann wohl – um es in der Sprache der Lichter auszudrücken – ein echter Neppdepp.

1 Kommentar:

Splitterherz hat gesagt…

Hallo! :)

Ich bin ganz deiner Meinung!
Habe das Buch vor ca. 2 Wochen gelesen und fand es einfach nur: WOW!
Ich habe es geliebt.
Selten habe ich so ein spannendes Buch zwischen den Fingern.
Kann dir also nur zustimmen & tolle Rezi!

Liebste Grüße!
Jenny

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