"Amy on the summer road"- Morgan Matson

Sonntag, 6. Mai 2012


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Eine zarte Liebesgeschichte und eine verrückte, wilde Reise quer durch Amerika

Seit dem Tod ihres Vaters hat sich Amy völlig zurückgezogen. Als ob nicht alles schlimm genug wäre, beschließt ihre Mutter von Kalifornien an die Ostküste zu ziehen, und Amy soll nachkommen … im Auto mit einem wildfremden Jungen! Amy ist verzweifelt. Doch dann steht Roger vor ihr – total süß und irgendwie sympathisch.
Die beiden verstehen sich auf Anhieb und sind sich einig: Amys Mom hat sich für den Trip die langweiligste aller Strecken ausgesucht! Und so begeben sie sich kurzerhand auf eine eigene, wilde Reise kreuz und quer durch die Staaten. Und während Amy noch mit ihrer Vergangenheit kämpft, merkt sie, wie sehr sie diesen Jungen mag ...
Quelle: amazon.de
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"Also schob ich die Gefühle, die eigentlich aus mir herauswollten, mit aller Macht zurück.
Ich konzentrierte mich darauf, zu atmen, immer einen Schritt vor den anderen zu setzen
und nicht an das zu denken, was passiert war, auch nicht an das Haus, in das ich jetzt zurückkehren musste,
oder wie es sich anfühlte, dass mein Herz so viel mehr als nur gebrochen - wie es sich derart zerschmettert anfühlte, als wäre es zu Pulver zermahlen."
("Amy on the summer road", Seite 199)


Und da ist es wieder: Dieses ganz bestimmte, selten auftretende aber unbezahlbare Gefühl, bei dem ich mir die Frage stelle: Wo sind nur all meine Worte hin? Es gibt so Vieles zu beschreiben und zu schwärmen, um auch nur einen Funken des gerade eben Gelesenen und Erlebten in Worte kleiden zu können, dass sich mir einfach leider der vage Verdacht aufdrängt, nie und nimmer mit meinem Vokabular auch nur ansatzweise dieser Geschichte gerecht werden zu können. Aber ich kann ja einen mühevollen Versuch starten.

Schon nach der ersten Seite wird klar, dass Morgan Matson ihren ganz eigenen Schreibstil mit einer speziellen, ungezwungenen Note gebraucht. In einer wirklich sehr jugendlichen, zeitgemäß angepassten Sprache, die nicht vor umgangssprachlichen Elementen Halt macht, passt sie ihren Stil rechtmäßig und nachvollziehbar der Sprache an, die eine Jugendliche im Alter von Amy, der Ich-Erzählerin, vermutlich auf gleiche Weise an den Tag legen würde. Somit verleiht sie sogleich Amy ihren persönlichen Erzählstil, der sich hauptsächlich auf kurz gehaltene Sätze beschränkt, sich aber erstaunlicherweise dennoch durch teilweise detailgetreu beschreibende und so manches Mal überraschend emotionale und feinfühlige Umschreibungen kennzeichnet. Tatsächlich wird einem als Leser ziemlich schnell klar, dass hinter Amys scheinbaren lockeren Fassade, an der alles abzuprallen scheint, viel mehr verbirgt, als vor anderen und sich selbst zugeben möchte. Erst langsam und allmählich wird man in ihre Welt eingeführt, lernt sie selbst mit all ihren Macken, Vorzügen, Ängsten und Vorlieben kennen, sodass es einem ganz so erscheint, als säße man in Wirklichkeit mit ihr zusammen in einem Liberty, der sich gerade auf den Weg quer durch Amerika begibt und dabei mit jeder Etappe des Roadtrips tiefere Einblicke in ihr zerwühltes Innenleben und ihre Vergangenheit, die maßgeblich für ihr gegenwärtiges Verhalten zu sein scheint, erhascht.
Gekonnt und geschickt verbindet Morgan Matson dabei Gegenwart und Vergangenheit zu einem einheitlichen Bild, indem immer wieder Kapitel eingeführt werden, in denen wichtige Szenen und Momentaufnahmen aus Amys Leben geschildert werden, die sich für sie und die Form ihres Charakters prägend
ausgewirkt hatten und man nur langsam und Schritt für Schritt versteht, warum in ihrem Inneren eine große Wunde zu klaffen scheint, die Grund dafür ist, dass die alte Amy, wie sie oft von ihr spricht, verschwunden ist und durch eine Neue ersetzt wurde. Ihre Handlungen ergeben demnach etappenweise für den Leser immer mehr Sinn, er lernt sie unwillkürlich bis auf die noch so kleinsten Abgründe kennen, kann nach und nach ihre Gefühle nachvollziehen und spürt schließlich dasselbe Leid oder diesselben Glücksgefühle, die sie während ihres Roadtrips erlebt, auf dieselbe intensive Weise.

Ein erheblicher Grund, warum dieser Roadtrip, den man als Leser zusammen mit Amy und Roger quer durch ein Land erleben darf, zu etwas so Fantastischem für mich wurde, war mit Sicherheit, dass mir Amy einfach unheimlich sympathisch erschien. Ihr Charakter hatte einfach so wunderbar viele
Ecken und Kanten, sie war so unheimlich fehlerhaft und realistisch dargestellt, dass ich nicht nur das Gefühl hatte, dass Morgan Matson ziemlich viel Zeit mit der Ausarbeitung ihrer Charakterzüge zugebracht haben musste (Diese nämlich schien schon beinahe vom Lieblingsmusiker bis zum Leibgericht zu reichen), sondern mich auch dieses bei Büchern nicht allzu oft auftauchende Gefühl beschlich, dass Amy zu jenen Charakteren gehört, denen man im wirklichen Leben tatsächlich begegen könnte. So weitreichend erschien ihr Facettenreichtum, so nachvollziehbar und menschlich ihr Verhalten und ihre Handlungen.

Umso überraschender durfte ich feststellen, dass es mir mit den restlichen Charakteren in keinster Weise anders erging, auch wenn es sich bei ihnen, anders als bei Amy, keinesfalls um die Ich-Erzähler handelten, in deren Leben, Gedanken und Gefühle man ja bekanntlicherweise die meisten Einblicke bekommt. Aber dennoch hat es Morgan Matson irgendwie gemeistert, sie nicht minder authentisch darzustellen: Von der noch so unbedeutensten Kellnerin in irgendeinem Diner, in dem Roger und Amy auf ihrem Roadtrip Halt machten, bis hin zu anderen Persönlichkeiten, denen Amy und Roger während ihrer Reise über den Weg liefen, erschienen sie alle wie aus dem Leben höchstpersönlich gegriffen.
Allesamt schienen sie ihre ganz eigene, persönliche Geschichte mit sich zu tragen, aus dessen Leben man nur einen kleinen Einblick erhascht, nämlich gerade so viel, wie Amy und Roger mit ihnen während ihres Roadtrips konfrontiert waren. So war es nicht überraschend, dass man ihren Roadtrip nicht nur als eine Art Reise durch verschiedene Staaten und damit Kulturen, Mentalitäten, Essgewohnheiten erlebt, sondern dabei auch noch so viele, unterschiedliche Menschlichkeiten trifft, die allesamt ihren eigenen Teil zu Amy und Rogers erlebten Roadtrip beitrugen.

Erwähnenswert ist dabei natürlich auch die fantastische Innengestaltung des Buches: Zahlreiche lebensechte Ausschnitte aus dem Roadtrip darf man als Leser erhaschen, die Amy in Form von Kassenbelegen aus unterschiedlichen Cafés, in denen sie während ihrer Reise Rast machten, Fotos, Teile von Landkarten, Notizen, Playlists und vielem mehr in einem Reisetagebuch festhält.
Das steigert natürlich nur noch mehr diese unendlich große Echtheit dieses Buches und trug noch mehr dazu bei, dass Amy und Rogers Roadtrip zu dem wurde, als was er sich letztendlich auch herausstellte: Das reinste Abenteuer, das nur einen Hauch dessen erahnen lässt, was es in dieser Welt noch so alles zu entdecken gibt.





"Das Gefühl, gleich etwas zu tun, bei dem ich mir nicht sicher war,
wie es ausgehen würde. Das Gefühl, irgendwo abzuspringen und zu hoffen,
dass ich im Moment der Landung Boden unter die Füße bekam."
("Amy on the summer road", Seite 442)

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Dieses Buch lädt einen zu so unendlich vielen Dingen ein: Zum Träumen, zum Schmachten, zum Herzflattern, zum Verlieben. Zum Verlieben ins Reisen, in dieses vielseitige Land, ins Leben selbst. Eine unvergessliche Geschichte, die einem die Chance bietet, auf einen wunderbaren Roadtrip quer durch die USA mitgenommen zu werden, der nur noch mehr die Sehnsucht steigert, dasselbe nochmals in Wirklichkeit zu wiederholen.

Mein anfangs geäußterter Verdacht hat sich eindeutig bestätigt: Keine Worte der Welt oder zumindest keine aus meinem Sprachgebrauch scheinen auszureichen, um dieser Geschichte gerecht zu werden. Tja, da gibt es wohl nur eine Lösung: Selbst lesen! Und zwar unbedingt.



Herzlichen Dank an den cbj-Verlag für die Bereitstellung dieses wundervollen Rezensionsexemplars!

Kommentare:

captain cow hat gesagt…

Ich kann dir nur zustimmen. So ein wundervolles Buch - sommerlich und doch nicht oberflächlich wie manch anderes Buch in dem Genre. Einfach nur beeindruckend.

Sandrina hat gesagt…

Das Thema von Tagebuch eines Vampires interessiert auch einfach nicht mehr und dann ist es immer das gleiche. vielleicht verkaufe ich die Bücher einfach, weiß noch nicht :D

Nicht zu Ende geschafft, weil ? war es so schlecht oder hattest du einfach keine Lust/Zeit ?

Jodi Picoult Bücher sind auch meistens super :)

katrin.books hat gesagt…

Das klingt ja echt klasse! Deine Rezi hat mich überzeugt, das Buch muss auf meine Wunschliste :)
LG, Katrin

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