"Meeresflüstern"-Patricia Schröder

Freitag, 6. April 2012


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Nach dem Tod ihres Vaters verlässt die siebzehnjährige Elodie ihre Heimatstadt Lübeck, um bei ihrer Großtante auf Guernsey zu leben. Als wenig später auf der Nachbarinsel ein Mädchen tot aufgefunden wird, glaubt sie, dass ihre Ankunft auf der Kanalinsel in irgendeinem Zusammenhang mit dem schrecklichen Vorfall steht.
Aber wie ist das möglich? Und wer ist der wunderschöne Junge, dem Elodie in ihren Träumen begegnet? Dann, eines Tages, taucht dieser Junge plötzlich wie ein Geschöpf aus dem Meer vor ihr auf.
Geheimnisvoll. Magisch. Betörend. Elodie kann nicht aufhören, an ihn zu denken.
Und sie beginnt zu ahnen, welche Geheimnisse der Ozean tatsächlich verbirgt und wie sehr ihr eigenes Schicksal mit den dunklen Legenden der Kanalinseln verknüpft ist.
Quelle: amazon.de
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"Niemand kann seiner Bestimmung entfliehen.
Das ist ein ehernes Gesetz des Meeres."
("Meeresflüstern")

Das Erste, was auffällt: Ein wunderschönes, trotz eines unter vielen Mädchengesichtern, die seit langem beinahe jedes Cover zu zieren scheinen, einzigartiges, schimmerndes und glitzerndes Cover in den beeindruckenden, versunkenen Farben des Meeres, die einen beinahe schon glauben lassen, die Wellen rauschen zu hören und das Salz des Meeres in der Luft zu schmecken. Doch ein fabelhaftes Cover (und eine wunderschöne Innengestaltung einschließlich des mit einem Silberfaden durchzogenen Lesebändchens) kann eben doch leider nicht über den Inhalt hinwegtäuschen.
Als Kind bin ich gerne in die Welten von Patricia Schröders Bücher abgetaucht, allen voran die "3 frechen Sardinen"-Bücher, die ich wohl als beinahe erste Buchreihe in meinem Leben verschlungen und geliebt hatte. Umso mehr freute ich mich natürlich darauf, nun, als inzwischen etwas erfahrenere Leserin als damals, erneut in eine ihrer Geschichten zu versinken, um abermals dieses Gefühl, die Welt zwischen zwei Buchdeckeln nie wieder verlassen zu wollen, willkommen zu heißen.
Wenngleich es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, schien mir Patricia Schröders Schreibstil kaum verändert: Auf schlichte und dezente Weise bedient sie sich eines unauffälligen, unkomplizierten Stils, um mittels der Ich-Perspektive Elodies Innenleben zu beschreiben. Niemals driftet sie dabei ins Belanglose oder ausschweifende Be- und Umschreibungen ab, sondern scheint vielmehr die ganze Zeit über strikt, ja unaufhaltsam ihre Geschichte voranbringen zu wollen ohne sich mit unnötigen Szenen aufzuhal
ten. Immer wieder jedoch begegnen einem Anzeichen kleiner verspielter, sprachlicher Mittel- kaum bemerkbar, da diese wenigen, dennoch gelungenen metaphorischen und gefühlsbetonten Beschreibungen zu meinem Leidwesen nicht allzu oft vorkamen und wenn, sich scheinbar immer wieder auf dieselbe Art und Weise und mit derselben Wortwahl über die Seiten hinweg zu wiederholen schienen.
Noch dazu scheute sie sich nicht davor, immer wieder umgangssprachliche Mittel, wie beispielsweise Buchstabeniterationen (à la "Neeiiiiin!", "Na jaaaaaa, ...") miteinfließen zu lassen, um - so schien es mir - der jugendlichen Protagonistin, Elodie, gerecht zu werden, sowie ihre Aussagen und die der anderen Charaktere glaubhafter und alltagsgetreuer zu gestalten. Seltsamerweise empfand ich dies nichteinmal als störend, da es gut zur - meiner Meinung nach - etwas unreifen Protagonistin, Elodie, passten.

Diese nämlich schien zu Anfang noch recht klischeehaft: Ein laut der Aussagen aller anderen wunderhübsches Mädchen, das sich ihrer Schönheit jedoch in keinster Weise bewusst zu sein schien. Ein Mädchen, das einen schrecklichen Verlust erlitten hatte und deshalb in der Hoffnung auf Ablenkung in eine ihr frem
den, neue Umgebung verfrachtet wurde. Klang für mich ziemlich normal und allzu bekannt, jedoch hatte ich nicht damit gerechnet, es mit einer dermaßen naiven und nichtsahnenden Protagonistin zutun zu haben. Spätestens ab der Mitte des Buches wurde mir dies allerdings klar. Aus einem zu Anfang scheinbar noch recht taffen, eigensinnigen Mädchen wurde eine gedankenlose, gefühlsduselige Ich-Erzählerin, bei der es mir in keinster Weise gelang, mich mit ihr zu identifizieren, geschweige denn irgendwelche Handlungen oder Gedankengänge nachzuvollziehen. Liebe auf den ersten Blick mag ja an sich nichts Unrealistisches sein, aber sich nach ein, zwei kurzen, belanglosen Treffen, bei denen anbei bemerkt kaum ein Wort gewechselt worden war, nicht nur leicht zu verlieben, sondern glatt in eine völlig bedingungslose, sehnsüchtige Abhängigkeit, Liebe und Hingebung zu verfallen erschien mir dann doch mehr als unnachvollziehbar. Zumal über jenen männlichen Charakter nicht viel in Erfahrung gebracht wurde, sondern sie ihn einfach wohl aus ihren Träumen zu kennen glaubte und die beiden deshalb in einem, nach meinem Geschmack, in Hinblick auf die kurzen, gemeinsamen Aufeinandertreffen, einen dafür viel zu vertrauten Umgang miteinander pflegten. Das einzige, was mich hier nicht ganz so sehr stutzen oder den Kopf schütteln ließ, war, dass Elodie anscheinend selbst einzusehen schien, wie verrückt und abwegig sie sich auf einmal verhielt.
Die anderen Charaktere blieben dabei leider meist im Hintergrund, ihre Auftritte waren gering an Zahl und die meisten von ihnen scheinen mir noch immer recht undurchschaubar und blass. Ob das schlicht an einer schlechten Ausarbeitung der Charaktere lag oder aber beabsichtigt wurde, um diesen in den folgenden zwei Bänden der geplanten Trilogie mehr Aufmerksamkeit zu widmen, vermag ich nicht zu sagen.

Die Handlung an sich schritt relativ schnell ohne jegliche Umwege voran, wobei ich nicht selten aufs Glatteis überführt wurde und so manche Male während der ersten Hälfte der Geschichte weitere Handlungsverläufe in eine ganz andere Richtung eingeschätzt hätte. Dies muss man wohl zugute halten, denn nach den ersten zweihundert Seite wurde ich tatsächlich mehrmals überrascht und musste meine Erwartungen revidieren. Bis auf diese kleine Kehrtwende in der Mitte des Buches blieb bei mir jedoch die Spannung, die erzeugt werden sollte, aus, was wohl vor allem daran lag, dass ich weitere Geschehnisse als ziemlich absehbar empfand, wobei selbst das Ende keine Überraschung darstellte. Einzig und allein die Tatsache, dass wider meiner Erwartungen sehr viele Geheimnisse doch nicht gelüftet wurden und der Leser nun nach dem ersten Band, was Beweggründe anderer Charaktere betrifft, mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf dasteht, war für mich alles andere als absehbar. Ob damit eine umso größere Neugierde auf den folgenden zweiten Band, in dem unbeantwortete Fragen wohl beantwortet werden, bezweckt werden sollte, scheint mir am logischsten. Dass dies bei mir erreicht wurde und meine Neugierde wirklich groß genung sein wird, um nochmals in die Geheimnisse auf der Kanalinsel Guernsey abtauchen zu wollen, bezweifle ich allerdings.


"Wir dringen ins Weltall vor, um nach Aliens zu suchen.
Dabei kennen wir uns noch nicht einmal auf unserem eigenen Planeten aus.
Wir machen uns gar nicht die Mühe, ihn wirklich zu erforschen und zu verstehen.
Und ich bilde mir ein, auch zu wissen, warum. Wir wollen einfach nicht genau hinschauen,
damit wir nicht sehen,
welchen Schaden wir in Wahrheit anrichten."
("Meeresflüstern", Seite 349)
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Eine schnell voranschreitende Geschichte mit einer leider etwas unauthentischen Protagonistin und Nebencharakteren, die die meiste Zeit über im fahlen Licht des Hintergrundes bleiben, sowie wenig spannungsreiche Szenen. Was wohl ursprünglich als eine romantische Liebesgeschichte gedacht war, erschien mir leider viel zu unrealistisch, weshalb ich denke, dass meine Neugierde auf den zweiten Band, der übrigens im Herbst dieses Jahres erscheinen soll, nicht groß genug sein wird, um Guernsey auf diesem Wege erneut einen Besuch abstatten zu wollen.



Herzlichen Dank an den Coppenrath Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

captain cow hat gesagt…

Schade, dass das Buch dich nicht so begeistern konnte. Ich war ja auch sehr neugierig darauf, zumal es um Meereswesen geht - die, finde ich, in der Fantasyliteratur bisher selten auftauchen und mich allgemein sehr faszinieren -, aber nachdem ich schon einige nicht so gute Rezensionen gelesen habe, halte ich lieber Ausschau nach anderen Büchern.
Übrigens wieder eine sehr schöne Rezension. Ich mag deinen Stil :)

Elif hat gesagt…

Ich kann deine Rezension nur zu gut nachvollziehen. Elodie hat mich im Verlauf auch nur noch gestört und in meinem Fall war das Umgangssprachliche auch ein Griff ins Klo. Auch die Facebook-Abkürzungen etc. fand ich nicht gelungen, da ich niemanden kenne, der in Elodies Alter noch so schreibt... Nicht sehr authentisch. Es war kein schlechtes Buch, aber um den zweiten Band lesen zu wollen, hat es nicht gereicht.

(SPOILER!!!! -------- der eine ist doch bestimmt ihr halbbruder, oder? mir fällt sein name nicht mehr ein. ----------------------------SPOILER ENDE!)

@ Livi: Freut mich, dass ich dich für das Buch begeistern konnte, hehe :D Es ist aber auch wirklich ein tolles Werk!

Elif hat gesagt…

Oh, du hast echt viele positive Rezensionen gelesen? Ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich glaub ich hab auch insgesamt nur 3 oder 4 gelesen. :D In denen wurde auch Elodie jedes Mal kritisiert, weil sie so "blind" wird vor Liebe.

(SPOILER!!!!------------ Jaaa, genau, der war's! Der Gedanke kam mir, nach dem Telefonat, in dem Elodie ihre Mutter auf Javen Spinx anspricht und wollte dann auch nicht mehr weggehen. Irgendwie passte das gut rein, ist auf jeden Fall nicht soo abwegig, finde ich.. aber wie du schon sagtest, dafür den zweiten Band zu lesen.. muss nicht sein :D Genau, wie quetschen einfach jemanden aus :D ---------------SPOILER ENDE)

Sandrina hat gesagt…

Die Handlung ist wirklich grottig :D
Der Plot besteht aus: Elena stirbt, Elena lebt, Elena stirbt, Elena lebt, da kannst du doch nichts vergessen haben ;)

Die serie habe ich von anfang an geschaut, aber auch die gefällt mir immer weniger. Dieses Aufopferungsvolle von Elena nervt mich total an. Buch und Serie haben gleichermaßen Vor - und Nachteile.

Und eine sehr schöne Rezension hast du da geschrieben :)

Sandrina hat gesagt…

Und eine neue Leserin hast du jetzt auch :)

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