"vergissdeinnicht" - Cat Clarke

Donnerstag, 19. April 2012



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Ein weißer Raum. Und nichts darin als ein Tisch, Stapel von Papier und Stifte. Und Grace. Sie weiß nicht, wie sie in diesen Raum gekommen ist, sie weiß nicht, warum sie dort ist. Und wie sie jemals wieder aus dem endlosen Weiß entfliehen kann. Um nicht verrückt zu werden, beginnt sie, ihre Gedanken niederzuschreiben. Ganz allmählich setzt sich dabei das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen - und Grace spürt: Um sich befreien zu können, muss sie die ganze Wahrheit über sich selbst herausfinden ...

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Ich holte tief Luft. Ich war endlich bereit, das zu fragen, was ich vorher aus Angst (oder Dummheit) nicht gefragt hatte: "Wirst du mich jemals gehen lassen?"
Er sah mich neugierig an. Ich hielt seinem Blick stand, obwohl ich heulen wollte. Ich fürchtete mich vor der Antwort.
"Das ist nicht die richtige Frage, Grace"
("vergissdeinnicht, Seite 147)

Ich finde es immer schwer eine angemessene Rezension zu einem Buch zu schreiben, das einen vollkommen begeistert und mitgerissen hat. Ich habe immer Angst, nicht die richtigen Worte zu finden, um dem Erlebtem während des Lesens des Buches gerecht zu werden.
„Vergissdeinnicht“ von Cat Clarke habe ich mir deshalb gekauft, weil ich die Kurzbeschreibung meinem Geschmack entsprach und diese mich sofort auch ein wenig an „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ von Lucy Christopher erinnerte, welches zu eines meiner Lieblingsbücher gehört. Aus diesem Grund bin ich auch mit sehr hohen Erwartungen an das Buch herangegangen, aber auch selbst dann, als sich herausstellte, dass es „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ in fast keinerlei Weise ähnelte, hatte es mich bereits so in den Band gezogen, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.

Außerdem finde ich, dass selbst das Cover Grund genug sein könnte, das Buch zu kaufen – einen Titel, dessen Buchstaben eingebettet in einen Text im Hintergrund (aus den Anfangsseiten des Buches) sind, habe ich bisher noch nie gesehen und die Idee fand ich wirklich ziemlich originell und kreativ. Die Schlichtheit des weißen Covers hat zudem einen Bezug zum Buch, kann allerdings auch auf verschiedene Arten gedeutet werden. Ob es nun für ein Blatt Papier, oder den weißen Raum, in dem Grace gefangen genommen wird, kann man nicht mit Gewissheit sagen… Wer weiß, vielleicht hat es auch einen ganz anderen Hintergrund, oder vielleicht sogar überhaupt keinen und meine Fantasie spielt mal wieder verrückt.

Das Buch wird aus Sicht der Protagonistin geschildert und besteht aus zwei verschiedenen Handlungssträngen. Es findet sowohl in dem weißen Raum statt, in dem Grace sich befindet und dort ihre Vergangenheit nach und nach zu Papier bringt. Es findet zwar ein Wechsel statt, jedoch sind die vergangenen Ereignisse in den Vordergrund gestellt, da diese darauf hinarbeiten zu verstehen, wie Grace in die Lage, in der sie sich momentan befindet, gelangen konnte und welche Entscheidungen und Verknüpfungen von Geschehnissen dafür verantwortlich waren.
Dadurch, dass das Buch aus Sicht von Grace, einer Jugendlichen, geschrieben ist, herrscht vor allem ein sehr umgangssprachlicher Schreibstil, der mich zunächst ein wenig verstörte, weil es an manchen Stellen zugegebenerweise ein wenig zu übertrieben „jugendlich“ war. Man muss der Autorin zugutehalten, dass sie sich sehr bemüht hat Grace Schreibweise exakt und glaubwürdig darzustellen, aber eben dies fand ich dann ein wenig unglaubwürdig, da immer wieder erwähnt wird, dass Grace oft Zeit damit verbracht hat in ihrer Vergangenheit Geschichten zu schreiben und so ein kleiner Widerspruch entsteht; ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, dass – auch wenn es sich hierbei um eine Jugendliche handelt – eine geübte Schreiberin so ins Umgangssprachliche abschweifen würde. Ich muss jedoch einräumen, dass mich der Schreibstil lediglich am Anfang ein kleiner Dorn im Auge war. Nach und nach entwickelte sich dieser und es wurden oftmals tiefgründige Fragen aufgegriffen, die dazu im Stande waren, sich Fragen zu stellen, die man sich normalerweise nicht stellen würde.

Ich muss sagen, auch einige Charaktere waren mir am Anfang noch nicht besonders sympathisch. Vor allem mit Grace konnte ich wenig anfangen, da mir ihre Lebenssituation völlig fremd war und ich wahrscheinlich im wirklichen Leben eher von ihr fern bleiben würde. Aber je mehr sie über sich schreibt, desto leichter wird es, sie zu verstehen und sich in ihre Lage zu versetzen. Wenn sie noch am Anfang zurückhaltend und wenig aufschlussreich über ihre Gefühle geschrieben hat, entwickelt sich dies langsam und sie beginnt den Leser immer mehr an ihrem Innenleben teil haben zu lassen– was auch automatisch geschieht, da man die aufwühlende Ereignisse ihres Lebens in den letzten Monaten durchlebt und langsam zu verstehen beginnt und die verschiedenen Puzzelteilchen zusammensetzt, die schließlich die Lösung für ihren Entschluss zu einem entscheidenden Schritt darstellen, was der Grund dafür ist, weshalb sie sich in dem weißen Raum befindet. Zwar nicht ganz alleine, aber lediglich in Gesellschaft mit Ethan, welcher verschlossen ist und nicht dazu bereit, ihr etwas über sich selbst zu erzählen. Er war die Person, die mich am meisten interessierte und auf dessen wahres Gesicht ich mehr als nur gespannt war.
Das Ende der Geschichte bildet einen mitreißenden Abschluss, der mitreißender nicht hätte sein könnte. Als ich das Buch am Ende schließlich schloss tobten die Gefühle in mir, da man mit der Protagonisten sowohl Momente der Freude, des Verlustes, der Verzweiflung und vielem anderen erlebt, die einen so schnell nicht mehr los lassen.


"Ich würde gerne wissen, warum du bist, wie du bist."
"Und du glaubst, da liegt die Antwort? In meiner Familie? Was ist mit deiner Familie?
Warum bist du so, wie du bist?"
Er sah mich mit diesem aufwühlenden Blick an und sagte leise:
"Wir sprechen nicht über mich."
("vergissdeinnicht", Seite 102)
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Ein mitreißender Roman mit einer Intensität, die die Fähigkeit hat unter die Haut zu gehen. "Vergissdeinnicht" vermag es, einen in solch bewegende und aufwühlende Momente zu versetzen, die einen kaum mehr loslassen und im Inneren berühren.

Kommentare:

Hanna hat gesagt…

Wow, das hört sich echt nach einem wahnsinnig tollen Buch an, das ich unbedingt auch mal lesen sollte, vielen Dank für die tolle Rezension. Das muss ich mal an euch beide sagen: ihr könnt echt tolle Rezensionen schreiben, ihr findet einfach immer die richtigen Worte, seid mit Herz dabei und man merkt, das ist was, das euch Spaß macht. Echt schön immer wieder zu lesen :)

captain cow hat gesagt…

Das hört sich wirklich ziemlich toll an. Genau wie du habe ich den Klappentext auch erstmal etwas mit "Ich wünschte, ich könnte dich hassen" verbunden. Aber wenn es anders jedoch trotzdem sehr gut ist, klingt das nach einem guten Kandidaten für meine Wunschliste. Nach deiner begeisterten Rezension würde ich das Buch am liebsten sofort lesen :]

Pia hat gesagt…

Und es rutschte mal wieder weiter auf der Wunschliste nach oben :) Tolle Rezension ;)

PLUTONIUM hat gesagt…

Danke für die Rezension, das klingt ja wirklich nach einem sehr guten Buch, das auch etwas für mich sein könnte. Ich denke, das wird gleich erst einmal auf meiner Wunschliste verankert, vielen Dank fürs Aufmerksam machen! :)

Reni hat gesagt…

Ich weiß genau was du am Anfang meintest! Ich schleiche immer noch um meine Rezi zu "Vergissdeinnicht" herum, obwohl ich es grandios fand. Übrigens sehr sehr gut geschrieben! Ich sehe vieles sehr ähnlich. Angefangen von Grace Charakter bis hin zu dem zunächst leicht gewöhnungsbedürftigen Schreibstil. Am Ende ging es mir wie dir. Das musste erst einmal verdaut werden und ich war doch stark gerührt. Mit so einer tiefsinnigen Geschichte hätte ich vorab überhaupt nicht gerechnet. Tolle Rezi!

Liebe Grüße
Reni

PLUTONIUM hat gesagt…

Danke, ist aus meinem Roman :]
Wenn ich das Buch irgendwann einmal gelesen haben sollte, dann werde ich auf jeden Fall eine Rezension dazu schreiben :)

Sandrina hat gesagt…

spricht mich überhaupt nicht an, also das Buch nicht deine Rezi :D

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