"Die Auserwählten- Im Labyrinth" - James Dashner

Montag, 9. April 2012

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Sein Name ist Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern. Und er ist an einem bizarren Ort gelandet: eine Lichtung, umgeben von einem riesigen Labyrinth. Doch er ist nicht der Einzige. Zusammen mit fünfzig Jungen, denen es genauso geht wie ihm, sucht er einen Weg in die Freiheit. Der führt durch das Labyrinth, dessen gewaltigen Mauern sich Nacht für Nacht verschieben und in dem mörderische Kreaturen lauern.
Doch gibt es wirklich einen Weg hinaus? Ist das Ganze eine Prüfung? Und wer hat sich dieses grauenvolle Szenario ausgedacht? Den Jungen bleibt nicht viel Zeit, um das herauszufinden.
Quelle: amazon.de
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"Ein Gefühl des Wiedererkennens kitzelte ihn in seinem Hinterkopf- ein Flattern von Flügeln in
einer dunklen Ecke, unsichtbar, aber dennoch da. Es war nur ein Sekundenbruchteil, bevor es im Abgrund seiner anderen vernichteten Erinnerungen verschwand."
("Die Auserwählten- im Labyrinth", Seite 244)


Unendlich viele positive Stimmen kursierten im Netz über dieses Buch. Aber wie immer lösen solche Lobeshymnen auch Skepsis aus - sollte es sich wirklich als dermaßen überzeugend herausstellen? Eine völlig neue, noch dazu makellos umgesetzte Idee auf dem derzeit von Dystopien überschwemmten Markt sein? Gleichzeitig stiegen mit jeder weiteren positiven Meinung zu diesem Roman meine Erwartungen. Dennoch hatte ich meine leisen Zweifel daran, dass es mich wirklich auf eine Weise überzeugen würde, die dazu führt, dass es mir unter den vielen anderen Dystopien in Erinnerung bleibt, ja noch einige Zeit nach dem Lesegenuss im Kopf herumspukt und mich nicht mehr loslässt. Doch der Neugierde sei Dank: Denn dieses Buch gehört absolut und zweifellos zu den besten Romane dieses Genres, die ich bisher gelesen habe.

James Dashners Stil ist kurz und bündig. Meist reiht sich Hauptsatz an Hauptsatz, ausschweifende oder ausschmückende Beschreibungen sind nirgendwo zu finden und auch seine Wortwahl scheint ganz demselben Muster zu folgen. Tatsächlich scheint James Dashner dieses Buch geschrieben zu haben, wie ihm der Mund gewachsen ist. Dennoch lässt dies seinen Stil nicht unüberlegt oder gar lieblos wirken - im Gegenteil, ich hatte vielmehr den Eindruck, als würde hinter jedem Satz sein volles Gefühl stecken und er sich dabei so ausdrückt, wie er es in dieser Situation in der Rolle von Thomas selbst tun würde, nämlich ohne lange zu überlegen, Wörter hin und her zu schieben, zu ersetzen oder zwanghaft nach irgendwelchen auffällig ausdrucksstarken Formulierungen zu forschen. Obgleich er aus der personalen Erzählperseptive schreibt, fühlt sich der Leser zu Thomas durch diese lebensechte, glaubwürdige und ungezwungene Formulierungen alles andere als distanziert. Vielmehr wirkt Thomas, aus dessen Sicht durch das ganze Buch hinweg das Geschehen geschildert wird, noch viel menschlicher und greifbarer als ohnehin schon.

Generell war es genau diese Unvollkommenheit der Charaktere, die mich so sehr beeindruckt hat. Alle, wirklich alle, von der kleinsten Nebenrolle bis hin zum eben bereits genanntem Protagonisten Thomas strahlten sie eine solche menschliche und wirklichkeitsnahe Fehlerhaftigkeit aus, dass sie beinahe teilweise schon zum Greifen nahe schienen. Dieser Facettenreichtum und das Gefühl, dass die Charaktere tatsächlich nach ihrem eigenen Kopf handeln, von ihren eigenen Gefühlen gelenkt werden und auch prägsame Erfahrungen, Charakterzüge in sich tragen, die sich in ihren Handlungen widerspiegeln und nicht nur Marionetten in den Händen des Autors sind, die er sich für seinen Plot zugeschneidert und angepasst hat, ohne wirklich zu prüfen, ob sie in Wirklichkeit ihrem Charakter entsprechend tatsächlich so handeln
würden, ist wirklich etwas inzwischen beinahe Außergewöhnliches, was man leider nur noch selten in Büchern antrifft. Umso begeisterter war ich folglich von den Charakteren, bei denen James Dashner glücklicherweise neben Thomas auch anderen Personen und Nebencharakteren Aufmerksamkeit schenkte, sodass mir diese nicht weniger sympathisch wurden. Ganz besonders Chuck, mit seiner lieblichen, kindlichen Art, oder Minho, der trotz seinem bereits beachtenswertem Mut sich nicht davor zu scheuen schien, seine Schwachheit einzugstehen, ja selbst Newt wurde mir trotz seiner gelegentlichen Begriffsstutzigkeit im Laufe der Zeit immer sympathischer, was größtenteils natürlich an deren bereits genannten stark ausgefeilten Charakterprofilen lag. Einzig und allein mit Teresa, die meiner Meinung nach nach ihrem ersten Auftreten etwas zu sehr im Hintergrund blieb, um sie mir sympathischer machen zu können, erschien mir etwas unnahbar. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass dies der erste Teil einer Trilogie war, hoffe, ja rechne ich stark damit, dass sich dies auf jeden Fall noch wenden wird.

Die Handlung an sich trug natürlich auch einen nicht weniger erheblichen Teil dazu bei, dass dieser Roman zu einem solchen - ja, ich würde tatsächlich sagen - Meisterwerk geworden ist. Die Idee dahinter scheint vielleicht auf den ersten Blick nicht wirklich besonders oder fremd: Man nehme eine verlassene Lichtung, ein Labyrinth, in dem todbringende Gefahren drohen und einen Haufen (männlicher) Jugendlicher, die gezwungen sind ums Überleben zu kämpfen.
Das alleine verspricht und bietet doch schon genug Potenzial für eine spannungsgeladene Handlung an sich, nicht wahr? Doch das lässt vage an etwas bereits Bekanntes erinnern und zugegeben - etwas wirklich Neues wäre das nicht. Aber es kommt natürlich anders. James Dashner überrascht mit so vielen Details, ausgefeilten, versteckten Ideen und letztlich sogar einem Handlungsverlauf, der in eine ganz andere Richtung geht, als man zu Anfang vermutet hätte, denn diese Geschichte umfasst weit, weit mehr, als nur die Gefahren eines Labyrinths. So vieles steckt dahinter und nicht nur eine dermaßen übergreifende Spannung, die mich regelrecht dazu zwang, eine Seite nach der anderen begierig zu lesen, sondern auch viel Stoff zum Nachdenken über menschliches Verhalten und die Gesellschaft an sich wird geliefert. In diesem Strudel aus vorhandenen Faktoren, die einen solch spannenden Roman zu das machen, was auch als Pageturner bezeichnet wird, steckten noch dazu unendlich viele zwischenmenschliche Bindungen, wie Freundschaft, Abneigung und Hass, das alles verpackt in einer geladenen, mitreißenden Handlung, die in keinster Weise und an keiner Stelle vorhersehbar war, sondern beinahe jede Seite eine Überraschung darstellte und insbesonders das Ende so dermaßen aufwühlend und erschütternd war, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als den zweiten Band sehnlichst und schleunigst herbeizuwünschen.


"Aber alles Glück war ihnen geraubt worden. Die Liebe war ihnen geraubt worden."
("Die Auserwählten- im Labyrinth", Seite 261)
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"Die Auserwählten - Im Labyrinth" hält eine Geschichte bereit, deren Grundidee vollkommen faszinierend ist und die vor Spannung nur so strotzt, Charaktere, deren Gefühle und vor allem Ängste so greifbar nahe dargestellt werden, dass einem selbst gar nichts anderes übrig bleibt, als ebenso ruhelos, bangend, zitternd oder ergriffen dazusitzen und sich selbst so zu fühlen, als säße man tatsächlich mit ihnen ebenfalls in einem auswegslosen Labyrinth fest. Und dennoch oder gerade deswegen kann ich es kaum erwarten, mich im zweiten Band ebenso emotional mitreißen zu lassen. Der Juli und damit das Erscheinen des zweiten Bandes, "Die Auserwählten- In der Brandwüste" möge daher ganz schnell kommen!
Meine Begeisterung spricht wohl für sich. - Alles unter der vollen Punktzahl wäre diesem Buch meiner Meinung nach nicht würdig.

Kommentare:

Sandrina hat gesagt…

Gerne doch :)

ja, das kleine Puschelchen gehört mir & es ist ein Er :D

Wichteln macht mir auch nicht so viel Spaß, habe ich jetzt fest gestellt :D

captain cow hat gesagt…

Ach Livi, mach doch sowas nicht x) Da bin ich endlich mal froh, dass ein Buch nicht auf meiner Wunschliste steht und dann machst du mich mit so einer überzeugenden, positiven Rezension viel neugieriger, als ich will :D Verdammt. Dabei wollte ich doch keine neuen Dystopiereihen mehr anfangen... Grrml. Denkst du denn, es wäre was für mich, oder eher nicht? :S

Elif hat gesagt…

Hach, ich weiß auch nicht, ob ich das Buch lesen sollte oder nicht. Es ist immer mal wieder auf meiner Wunschliste und dann wieder nicht.
Ich hab irgendwo gelesen, dass die deutsche Ausgabe viele Rechtschreibfehler beinhalten soll. Ist das wirklich so, oder hab ich das verwechselt und falsch im Gedächtnis? :S
Auf jeden Fall eine schöne und animierende Rezension :D

Sandrina hat gesagt…

Danke, die Bücher sind gleich mal auf meinem Wunschzettel gelandet :)

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