"Delirium"- Lauren Oliver

Sonntag, 1. Januar 2012

Titel: "Delirium- Amor deliria nervosa"
Originaltitel: "Delirium"
Autor: Lauren Oliver
Erscheinungsdatum: November 2011
Seitenanzahl: 416
Verlag: Carlsen












Image and video hosting by TinyPic
Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftlicher haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals.
Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll.

Image and video hosting by TinyPic
"Alle, denen du vertraust, alle, von denen du glaubst, du könntest auf sie zählen,
enttäuschen dich irgendwann.
Wenn man sie sich selbst überlässt, lügen die Menschen, haben Geheimnisse,
verändern sich und verschwinden, manche hinte
r einem anderen Gesicht oder
einem anderen Charakter, manche in dichtem Morgennebel hinter einer Klippe.
Deshalb ist das Heilmittel so wichtig. Deshalb brauchen wir es."
("Delirium", Seite 104)

Vorweg sollte wohl gesagt werden, dass ich ziemlich, ziemlich hohe Erwartungen an dieses Buch hatte. Was nicht zuletzt und vor allem daran lag, dass mich Lauren Olivers Erstling "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" damals mehr als nur begeistert zurückgelassen hat. Deshalb ging ich davon aus, dass es mir bei "Delirium" ähnlich ergehen würde, jedoch muss ich zugeben, dass es meine Erwartungen unglaublicherweise sogar übertroffen hat.

Lauren Olivers Schreibstil ist meiner Meinung nach einfach unvergleichlich- Einerseits verfügt sie über eine so flüssige, gebräuchliche Erzählweise, die andererseits jedoch wiederum ausgeschmückt und verschönert wird mit bildhaften Stilfiguren wie Metaphern, Vergleichen und Veranschaulichungen, dass ich es nicht ganz abwegegig finde, ihren Stil stellenweise beinahe schon als "poetisch" zu bezeichnen. Dabei vermittelt sie Lenas Gedankenwelt so ausdrucksstark und Beschreibungen von Gefühlsregungen so bilderreich, dass sie über das gesamte Buch hinweg dieser Geschichte einen enorm großen Realitätsgehalt einhaucht. - Was noch dazu verstärkt wird von ihrer Kunst - die sie bereits in "Wenn du stirbst..." unter Beweis gestellt hatte - den Leser ab und an kurz in Lenas Sicht direkt anzusprechen, ob in Form eines Ratschlages, Einräumung oder zu einem anderen Zweck. Das hat zunehmend bewirkt, dass ich stellenweise tatsächlich den Eindruck hatte, als stille Zuhörerin und Beobachterin ins Geschehen hineinmanövriert zu sein.
Noch dazu kam ein Punkt, welchen manche vielleicht als eher zweitrangig ansehen, der für mich - wie ich festgestellt habe - jedoch bei einem Buch immer eine sehr bedeutende Rolle spielt: die/der Protagonist/in. Kann ich mich mit - in diesem Fall- ihr nicht anfreunden oder gar ihre Handlungen nicht nachvollziehen, stellt das für den Lesefluss schoneinmal ein großes Hindernis dar. Das war jedoch hier glücklicherweise überhaupt nicht der Fall, im Gegenteil, Lena war mir von Anhieb sympathisch und wurde es zu Ende des Buches sogar noch mehr. Sie ist einfach so unbeschreiblich menschlich und fehlerhaft, wodurch sie nicht im geringsten konstruiert wirkt oder gar in einer Szene dem Leser durch ihr unwahrscheinliches, heldenhaftes Handeln in Gedächtnis ruft, dass es sich hierbei doch nur um einen erfundenen Buchcharakter handelt. Nein, ihre innere Gebrochenheit aufgrund ihrer Kindheit und die teilweise sehr nachvollziehbar dargestellte - ich nenne es mal - "Gehirnwäsche", der die Menschen unterzogen werden, um ihnen zu verdeutlichen, dass die Liebe die schlimmste Krankheit überhaupt ist, hat sichtbar ihre Spuren bei ihr hinterlassen, weshalb sich dieses innere Gefühlschaos sehr realistisch auch durchaus in ihren Handlungen widerspiegelt.
Aber nicht nur Lena, sondern auch alle anderen Charaktere in diesem Buch, die es so außergewöhnlich machen, werden sehr, sehr lebensnah dargestellt. Vor allem Hana mit ihrer ehrlichen Art, die ich persönlich besonders ins Herz geschlossen habe.
Die Idee an sich ist einfach wieder etwas völlig Fremdes am "Dystopienhimmel", wie ich finde. Diese mehr oder weniger immense gesellschaftliche, ideologische Veränderung anstatt einer umweltlichen, katastrophalen, hat meiner Meinung nach teilweise etwas noch Beängstigenderes an sich, da es durchaus gut denkbar bzw. vorstellbar wäre, dass die Liebe, die ja zugegebenermaßen einen großen Einfluss auf den Menschen hat und mit deren Motiv viele schlechte Dinge
getan werden, als etwas Gefährliches abgestempelt und somit mehr oder minder "zum Wohle der Menschen" verboten wird. Noch erschreckender lässt Lauren Oliver diese gesamte Idee werden, indem sie am Anfang jedes Kapitels kleine Auszüge aus verschiedenen Büchern, Weisheiten oder anderen Dingen zitiert hat, die in dieser Welt entweder aus Angst, sie könnten die Menschen mit amor deliria nervosa infizieren, verboten und geheim sind, oder aber propagiert werden, um noch den Menschen noch mehr einzuflößen, dass es sich dabei um die gefährlichste aller Krankheiten handelt.
Das Ende an sich hat bei mir sehr große innere Aufregung beansprucht, da die letzten Geschehnisse für mich so unerwartet kamen, dass ich nach der letzten Seite wie vor den
Kopf gestoßen war. Deshalb muss der zweite Band schleunigst (!) erscheinen bzw. übersetzt werden, denn längeres Warten darauf, wie es weitergeht, wäre und ist jetzt schon eine Qual!


"Der Verdammende und der Verdammte. Der Henker; die Klinge; die Begnadigung in letzter
Minute; der keuchende Atem und der gewölbte Himmel über einem
und danke, danke, danke, lieber Gott.
Liebe: Sie bringt dich um, aber sie rettet dich auch."
("Delirium", Seite 369)
Image and video hosting by TinyPic
Wenn dieses Buch mit einer so aufwühlenden Idee, solch lebensnahen Charakteren und mit einem solch wunbaren Schreibstil nicht die volle Punktzahl verdient hat, dann weiß ich nicht, welches sonst. "Delirium" hat es tatsächlich trotz hoher Erwartungen meinerseits geschafft, sich zu meinen Lieblingsbüchern zählen zu dürfen. Deshalb:

Image and video hosting by TinyPic

Herzlichen Dank an den-Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Kommentare:

captain cow hat gesagt…

Ich les mir die Rezension jetzt erstmal nicht durch, weil das Buch bei mir liegt und ich möglichst wenig darüber wissen will, momentan :D :D
Aber ich wünsch euch ein frohes neues Jahr :)

@ Livi: Oh Mann, dass sie die Beleuchtung abnehmen, ist ja echt schade :/ Hmpf. Ich glaub aber, bei uns wird sie auch nicht mehr soo lange bleiben. Aber na ja, wofür hat man Kerzen und Lichterketten zu hause? :D
Ich kann mich nicht entscheiden, das ist ja das Problem. Aber mein Favorit ist momentan Ethnologie :D
Das Buch hab ich noch nicht durch, nein. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich kann es wirklich empfehlen, auch wenn es jetzt noch keinen Lieblingsbuchcharakter für mich hat. Also es würde, wenn ich es bewerten würde, mit 4 Sternchen bewerten :) Einfach weil es ziemlich gut ist - aber auch nicht mehr :)
Ich hatte noch ne Frage an dich - wenn du/ihr nach Rezensionsexemplaren anfragt, wie macht ihr das? Fragt ihr, ob man auch als Blogger rezensieren darf, schreibt dann den Titel des Buchs und eure Adresse hin oder wie? :]

PLUTONIUM hat gesagt…

Ich hatte die Rezension gestern schon gelesen, komme aber leider erst jetzt zum Antworten. Wow, das klingt aber wirklich sehr genial, ich war echt begeistert von dieser Vorstellung - so sehr, dass ich es heute direkt gekauft habe, als ich es im Laden stehen sah (: Ich bin schon mehr als gespannt!

Jeanne hat gesagt…

Nach dieser tollen Rezension möchte ich Delirium sogar noch mehr haben.

Ich werde es mir aber höchstwahrscheinlich auf Englisch kaufen, da ich es hasse auf Folgebücher zu warten. Und deine Rezension verbreitet nicht gerade die Hoffnung, dass man geduldig an den zweiten Teil rangeht.

Binzi hat gesagt…

Sehr gute Rezension!

Ich habe den Blog eben erst entdeckt & bin Leserin geworden. Würde mich auch sehr über einen Gegenbesuch freuen: www.binzis-buecher.blogspot.com

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für deinen/Ihren Kommentar.
Jeder einzelne wird gelesen, geschätzt und gegebenenfalls darunter beantwortet. :)

© fearsomeangel.blogspot.com