"Dark Love"- Lia Habel

Donnerstag, 5. Januar 2012

Titel: "Dark Love"
Originaltitel: Dearly, Departed
Autor: Lia Habel
Seitenanzahl: 512
Erscheinungsdatum: November 2011
Verlag: Piper
Image and video hosting by TinyPic
Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher- das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tage entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt- und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut.
Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe.
Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht?
Quelle: amazon
Image and video hosting by TinyPic
"Wir sind die Kinder eines neuen goldenen Zeitalters. (...)
Feuer und Eis haben die Welt verheert,
doch uns gibt es immer noch.
Unser Volk hat sich entschlossen zu überleben."
("Dark Love", Seite 21)

Es gibt Bücher, bei denen es mir wirklich schwer fällt, eine Rezension zu schreiben und meine Meinung dazu abzugeben. Momentan scheinen sich noch zwei meiner Meinungen zu diesem Buch zu streiten und ich weiß noch nicht so recht, welche die Oberhand gewinnen soll.

Der Anfang versprach recht viel. Es schien, als hätte Lia Habel hier eine durch und durch neue und außergewöhnliche Dystopie ins Leben gerufen, die sich definitiv von den restlichen unterscheidet. Sehr durchdacht und nachvollziehbar beschreibt sie die Geschichte zweier "Völker" - die Neuviktorianer und Punks - die sich aufgrund unterschiedlicher Lebenshaltungen und -vorstellungen verfeindeten und damit ein altbekanntes Muster der Geschichte aufzeigen, obwohl das eigentliche Ziel beider Völker ursprünglich darin bestand, aus den Fehlern der vergangenen Menschheit zu lernen.
Ich empfand diese Idee ziemlich vielversprechend und neuartig geschildert. Schon allein dieser Hintergrund hätte nämlich genug Stoff für eine spannende Handlung und eine realistische, beständige Liebesgeschichte - die ja bereits im Titel mehr oder minder angekündigt wurde - geboten. Wozu dienen also, fragte ich mich, die Zombies, die als gewisses Fantasyelement doch überhaupt nicht in einen solch dystopischen Rahmen passten? Glücklicherweise jedoch enttäuschte Lia Habel nicht, da sie das alles gekonnt mit teilweise "wisschaftlichen" Erklärungen verpackte und so zumindest etwas nachvollziehbar und plausibel gestaltete. Verblüfft musste ich am Ende also feststellen, dass die Zombies sehr gut in diesen Rahmen passten und ohne sie womöglich oder besser gesagt todsicher doch die gesamte Geschichte nur halb so mitreißend gewesen wäre.
Denn zweifellos gehören diese widersprüchlicherweise zu den Charakteren, die nicht nur am amüsantesten, sondern auch am glaubwürdigsten gezeichnet sind. Nicht nur, dass sie stellenweise menschliche Fehlerhaftigkeit aufwiesen, sondern auch am meisten Tiefsinnigkeit, Geschichte und Erfahrungen zu haben schienen. Ganz im Gegenteil zu der Protagnistin, Nora, die meiner Meinung nach einfach nur durchsichtig, flach, ganz und gar konstruiert wirkte und mir nicht selten mit ihren plötzlich auftauchenden Gefühlsausbrüchen und Wutanfällen, die zwar in manchen Situationen verständlich waren, jedoch scheinbar in sekundenschnelle wieder verschwanden, auf die Nerven ging. Auch Pamelas heldenhafte und beinahe übermenschlich selbstlosen Handlungen waren für mich teilweise mehr als unglaubwürdig. Die einzigen Charaktere also, die mir von Anfang an sympathisch waren, waren die Zombies. Besonders Bram, der manchmal auf naive Weise von seinen Gefühlen so dermaßen gesteuert wurde, musste ich einfach ins Herz schließen. Auch dessen Genossen lieferten ab und an amüsante Dialoge, die jedoch keinesfalls aufgesetzt wirkten und mit einer Spur Ironie und Sarkasmus der Geschichte Leben einhauchten.
Lia Habels Schreibstil ist sehr flüssig, angenehm zu lesen und eher umgangssprachlich, was jedoch keinen Augenblick störte, da dieser sehr gut zur Ich-Perspektive und damit zur Sprache der Charaktere passte. Hierbei sehr gelungen war meiner Meinung nach der Perspektivwechsel. Jeder Charakter hatte, muss ich eingestehen, seinen eigenen Stil, seine eigene Erzählweise und individuelle Art, seine Gedanken und Gefühle in Worte zu kleiden, dass ich mich nach einer Weile doch gezwungen sah, über Noras und Pamelas anfangs unglaubwürdigen Handlungen hinwegzusehen. Anfangs. Denn so enttäuscht ich zugegebenermaßen nach den ersten zwei Dritteln des auch Buches war, brachte das Ende meine bisher beinahe schon besiegelte Meinung über dieses Buch zum Wanken: Die Spannung, der Drang, der einen veranlasst, eine Seite nach der anderen weiterzublättern, während die Augen gebannt an den Worten hängen, auf den ich die ganze Zeit über vergeblich gewartet hatte, setzte erst am Ende und vor allem die letzten 100 Seiten ein. Denn von da an war keine Spur mehr von der bisherigen Vorhersebarkeit, Unglaubwürdigkeit der Charaktere oder Trägheit der Handlung. Nein, im Gegenteil, Geschehnisse lenkten die Handlung in eine ganz andere Richtung, als ich es erwartet hatte, selbst Nora und Pamela erschienen mir zu Ende hin viel menschlicher und überzeugender. Auf einmal war ich gezwungen, mit bestimmten Charakteren mitzubangen und die folgenden Vorgänge einfach unerwartet eintreffen zu lassen, denn als ich schließlich zu Ende hin - bereits begeistert von den letzten Handlungssträngen- schon dachte, die Krönung des gesamten Buches hinter mir zu haben, wurde ich nochmals durch völlig überraschende Wendungen aufgewühlt, was meine eher negative Meinung zum ersten Teil des Buches zertrümmerte. Demnach war das Ende, welches absolut und vollkommen überzeugend, mitreißend und schockierend war, wirklich das beste am gesamten Buch, was eher selten anzutreffen ist.

"Falls der Gott des Sarkasmus jemals einen Avater auf
der Erde benötigen sollte:
Ich war bereit."
("Dark Love", Seite 269)
Image and video hosting by TinyPic
Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt.
Die Idee zu "Dark Love" hatte Lia während einer Busfahrt nach NY City, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte.
Image and video hosting by TinyPic
Eine Geschichte, die nur langsam an Spannung gewinnt, mit anfangs unrealistisch dargestellten Handlungen der Protagonisten eher enttäuscht, jedoch mit amüsanten Dialogen lebhafter wird und mich am Ende abrupt und unerwartet mit überraschenden Wendungen und Entwicklungen der Charaktere begierig eine Seite nach der anderen umblättern ließ.
Eine Geschichte, die mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, jedoch insgeheim eher die positive Seite dank eines großartigen Endes überwiegen lässt, sodass ich den zweiten Band mit der Hoffnung, dass dieser dem Ende des ersten gerecht wird, schließlich doch neugierig erwarte.

Image and video hosting by TinyPic



Vielen Dank an den-Verlag für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

Elle hat gesagt…

Ich bin echt unsicher, ob ich das Buch lesen soll. Die Autorin find ich echt sympathisch, und die Idee an sich auch ganz gut. Aber die Rezis sind alle eher durchschnittlich und da weiß ich nicht, ob es sich lohnt... auf jeden Fall aufschlussreiche Rezi :)

Liebe Grüße
Elle

Jeanne hat gesagt…

Ich hab mir zuerst die Autorenbeschreibung durchgelesen und war überrascht das die Autorin scheinbar etwas neues ausprobieren wollte (So scheint es jedenfalls) mit deiner Rezi klingt das aber eher nach einem Versuch. Jetzt überlege ich mir noch einmal genauer ob ich das Buch wirklich brauche, denn so magisch ziehen mich die Zombies leider überhaupt nicht an. Da warte ich dann noch mal genauer ab^^ Danke jedenfalls für die deine tolle Rezi!

Zu deinem langen Kommentar (♥)
Forbidden solltest du unbedingt lesen - ein tolles Buch und so richtig traurig, also Taschentücher werden aufjedenfall gebraucht. Genauso wie Alterra, es ist unheimlich spannend und man entdeckt einfach immer wieder neues.
Dein Zögern zu Hunger Games ist verständlich - bei Twilight hatte ich auch dieses Problem, mit jedem weiteren Buch wurde die Geschichte nicht nur langweiliger, sondern man störte sich auch an die vielen neuen Leser, die in den Figuren nur noch perfekte Abbilder gesehen haben. Ich bin mir aber sicher das dir trotz allem die Folgebücher Spaß machen würden^^

Poetischer Schreibstil bei Delirium? Mhm, ich glaub dann überlege ich es mir nochmal. Ich lese zwar lieber das Original aber wenn es zu sehr ins poetische abdriftet, wirds gefährlich mit der Verständlichkeit^^
Trotzdem lasse ich das Buch erstmal nicht aus den Augen.

PLUTONIUM hat gesagt…

Uh, das klingt aber nach einem sehr interessanten Buch - das geschieht eben, wenn man einem Buch noch eine Chance gibt. Ich kenne viele, die ein Buch abbrechen, wenn es ihnen anfangs nicht gefällt, aber manchmal ist es eben doch so, dass man am Ende dann noch einmal überrascht wird. Danke für die schöne Vorstellung. Ich weiß nicht, ob das was für mich wäre, aber ich werde mal sehen. Bücher kaufe ich am Ende dann ja doch meist spontan (:


Und wow, vielen lieben Dank für den lieben Kommentar! <3 Ich schreibe schon seit ich denken kann und irgendwie hat sich das während der Jahre immer weiter entwickelt (auch wenn ich das Gefühl habe, zurzeit auf der Stelle zu stehen, aber na ja ...) Es freut mich so sehr, dass dir der kleine Ausschnitt gefällt. "Schneelichter" ist ein ganz anderer Roman als "Kernstaub", schon viel älter :)

Und ja, du hast auch recht - ich denke auch, dass es irgendwo sicherlich Menschen gibt, die auch auf die leisen Stimmen lauschen, sie sind eben nur schwer zu finden :')

Bei Delirium bin ich einfach gespannt und lasse es auf mich zukommen. Ich werde eh erst sehen müssen, wann ich da überhaupt zum Lesen komme :D

Selina hat gesagt…

Ich hab das Buch auch noch als Rezensionsexemplar zuhause - dank deiner tollen Rezi weiß ich jetzt ungefähr, was auf mich zukommt :)
Mich stört ein bisschen die kleine Schrift in dem Buch. Außerdem habe ich schon von vielen gehört, dass das Cover ein bisschen absplittert...
Jedenfalls werde ich bald damit anfangen. :D
Liebe Grüße, Selina

captain cow hat gesagt…

Hmm, irgendwie unterstreicht die Rezension meine Skepsis gegenüber des Buchs, wenn auch in anderen Bereichen. Dennoch denke ich nicht, dass ich mir dieses Buch kaufen werde, weil ich zu viele mittelmäßige Rezensionen dazu gelesen habe und der Inhalt mich jetzt auch nicht soo unbedingt anspricht. Ausleihen würde ich es aber vielleicht doch schon.
Vielen Dank für die tolle Rezension (:

@ Livi: Hoffentlich gefällt dir "Skinned" besser als mir. Schlecht fand ich es ja nicht, aber eben auch nicht überragend :)

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für deinen/Ihren Kommentar.
Jeder einzelne wird gelesen, geschätzt und gegebenenfalls darunter beantwortet. :)

© fearsomeangel.blogspot.com