"Totentöchter"- Lauren Destefano

Freitag, 23. Dezember 2011

Titel: "Totentöchter- Die dritte Generation"
Originaltitel: "The Chemical Garden Trilogy- Wither"
Autor: Lauren Destefano
Seitenanzahl: 400
Erscheinungsdatum: 19. September 2011
Verlag: cbt

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Sie sind jung und schön, doch dem Tod geweiht.
Rhine ist sechzehn Jahre alt- und wird in vier Jahren sterben. Ein missratenes Genexperiment hat katastrophale Folgen für die Menschheit: Frauen leben nur bis zum zwanzigsten, Männer bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr.
In dieser Welt ist nicht ungewöhnlich, was Rhine passiert: Sie wird entführt und mit dem reichen >> Hauswalter << Linden in eine polymgame Ehe gezwungen, um möglichst schnell Nachkommen zu zeugen. Rhine präsentiert sich eine glitzernde Welt voller Luxus und Reichtum - eine Welt ohne Freiheit. Gemeinsam mit dem Diener Gabriel plant Rhine ihre Flucht, bevor es zu spät ist...
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"In diesem nebelhaften, ein wenig betrunkenen Zustand kann ich beinah verstehen,
was Gabriel meinte, als er gefragt hatte:
Was hat die freie Welt zu bieten, was du hier nicht hast?
Beinah."
("Totentöchter", S. 247)

Diese Geschichte lässt mich wirklich mit gemischten Gefühlen zurück. Keine gemischten Gefühle im Bezug auf meine Meinung zu diesem Buch - denn die ist mehr als nur eindeutig - ,sondern eher ein Gefühlschaos aufgrund dieser vielen, vielen Wendungen und Handlungen, die mich eher innerlich aufgewühlt haben und noch lange über diese Geschichte nachsinnen lassen.
Zugegebenermaßen hatte ich, nachdem ich einige Rezensionen gelesen hatte, in denen von einer Art Langatmigkeit die Rede war, nicht allzu hohe Erwartungen an dieses Buch. Schließlich war es nur eines dieser unzählig vielen une endlosen Dystopien, die derzeit den Markt überschwemmen. - Also: Wie viel anders sollte dieses Buch demnach sein? Wahrscheinlich würde ich es mit einem mittelmäßigen, unbeeindruckten aber dennoch kritiklosen Gemütszustand zuschlagen- dachte ich.

Ich kann verstehen, wenn manch einer die Handlungen als etwas langatmig empfunden hat. Jedoch fand ich persönlich diese leisen, stillen Töne, die dieses Buch manchmal anschlug, absolut passend und haben diese zauberhafte, illusionistische Atmosphäre, die sich, wie ich finde, die die gesamten 400 Seiten über durchgezogen haben, nur noch verstärkt. Denn Lauren Destefanos überzeugt - wie anscheinend doch einige Autoren derzeit - mit kurzem, prägnantem, keineswegs poetischem aber dennoch treffendem Stil. Dabei konzentriert sie sich voll und ganz auf Rhines Gefühls- und Gedankenwelt, welche sehr detailgetreu und realistisch dargestellt wird, ohne flach zu wirken.
Die Nebencharaktere bleiben die ganze Zeit über eher im Hintergrund und behalten, wie ich den Anschein hatte, ihre unberechenbare Fassade bei, was nicht zuletzt dazu führte, dass mir manche auch gegen Ende des Buches unnahbar schienen und ich mir ungeweigerlich Fragen stellte wie: Ist der eigentliche Bösewicht dieser Geschichte wirklich so abgrundtief grausam, oder eher doch das Werkzeug eines anderen oder gar nur seiner eigentlich guten Absichten? Somit wechselte für mich das Gesicht des Bösewichts immer wieder hin und her, meine Vermutungen änderten sich und wurden durch neue Geschehnisse wieder vollkommen zerstört, sodass ich schließlich zu dem Entschluss kam, eindeutig an der Nase herumgeführt zu werden. Und das ist zweifellos ein gutes Zeichen, denn das zeugt von enormen Facettenreichtum der Charaktere.
Dennoch blieben natürlich nicht alle Nebencharaktere im Hintergrund oder schwer einschätzbar. Mit der Zeit musste ich feststellen, dass ich Rhines Schwesterfrauen genauso lieb gewonnen hatte, wie sie zu ihrer Verblüffung selbst. So war es nicht verwunderlich, dass ich für dessen teilweise grauenhafte Schicksale ebenso großes Mitgefühl empfand, während man beobachten konnte, wie sie an ihre innere Schmerzensgrenzen geführt wurden und der einzige Halt ihre Bindung zueinander darstellte.
Der einzige Charakter, der mir bis zum Ende hin suspekt blieb, war jedoch Gabriel. Die Bindung zwischen ihm und Rhine ging nach meinem Geschmack einfach zu schnell und ich hätte liebendgerne mehreren Gesprächen zwischen ihnen "gelauscht" oder gemeinsame Szenen gewunschen. - Denn so hatte ich zu Ende hin einfach das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Die Idee an sich finde ich absolut einzigartig. Sie besticht weder durch blutige, weltuntergangsgetreue Szenen, wie sie ansonsten oft in Dystopien dieser Art vorzufinden sind, noch durch die Beschreibung einer einer zerstörenden und schrecklichen Veränderungen herbeiführenden Katastrophe. Nein, vielmehr behandelt diese Geschichte auf tiefgründige, einfühlsame Art das innere Leben, der innere Kampf dieser Menschen, die in solch einer Zeit mit solch furchtbaren Umständen konfrontiert werden und sich dennoch nach erstrebenswerten Dingen wie Liebe, Freundschaft und Zufriedenheit in ihrem kurzweiligen Leben sehnen.
Dies alles führte dazu, dass ich am Ende mit meinen Gefühlen genauso hin und her gerissen war, wie Rhine vermutlich selbst. Erstaunlich, welchen Einfluss ein Buch auf die eigene Gefühlwelt manchmal haben kann.

"So, als wären wir wirklich Schwestern und das Versprechen eines
frühen Todes hinge nicht über uns."
("Totentöchter", S. 344)
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Diese einzigartige Geschichte mit einer Idee, die mir so bisher noch nicht untergekommen ist, gepaart mit unberechenbaren, facettenreichen Charakteren ergibt ein wunderbares Leseerlebnis, wegen dem die Vorfreude und Ungeduld auf den zweiten Band nur noch vergrößert wird.
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Herzlichen Dank an den Image and video hosting by TinyPic-Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Rezensionsexemplars!

Kommentare:

captain cow hat gesagt…

Eine sehr schöne Rezension. Und klasse, dass dir das Buch auch sehr gut gefallen hat.

Belle hat gesagt…

Also ich fand dieses Buch eher mittelmäßig, aber ich bin auch mit sehr hohen Erwartungen rangegangen :/ Freut mich, dass es dir gefallen hat :)
Liebe Grüße,
Belle

Jeanne hat gesagt…

Leider erst angefangen, aber deine Rezension macht Lust auf mehr, wenn ich endlich Ruht das Licht zu Ende gelesen habe, werde ich bei Totentöchter mal weiterlesen

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