"Ich gegen Dich"- Jenny Downham

Donnerstag, 3. November 2011

Titel: "Ich gegen dich"
Originaltitel: "You against me"
Autor: Jenny Downham
Erscheinungsdatum: 29. August 2011
Verlag: carl's books
Seitenanzahl: 384


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Als Mikey erfährt, dass Tom, Sohn reicher Eltern, seine fünfzehnjährige Schwester Karyn vergewaltigt haben soll, will er sich rächen. Da kommt ihm der Flirt mit Toms Schwester Ellie mehr als gelegen. Als Liebe daraus wird, muss er sich entscheiden, auf wessen Seite er steht: Hält er zu Karyn, dem Opfer, zu seiner Mutter, einer Alkoholikerion und seiner kleinen Schwester Holly, oder gibt er der Liebe eine Chance?
Und auch Ellie stürzt die Beziehung zu Mikey in einen Gewissenskonflikt: Soll sie ihren Bruder weiter schützen oder auspacken? Und was wird dann aus ihrer Familie?
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"Sie war wie irgend so ein hirnloses Mädel in einem Horrorfilm, von der Sorte, das man vom Sofa aus anschreit, weil sie nicht kapiert, dass sie sofort abhauen muss, wenn sie nicht zu Hackfleisch verarbeitet werden will."
("Ich gegen Dich", Seite 153)

Nach Jenny Downhams Erstling "Bevor ich sterbe", welcher mich -wie so viele andere Leser auch- berührt und betroffen gemacht hat,war klar, dass ich alles daran setzen würde, auch weitere von ihr erschienene Bücher zu lesen. "Ich gegen dich" bzw. "You against me" wurde mir schon vor dem Erscheinen der deutschen Ausgabe mehrfach ans Herz gelegt, wodurch mein Vorsatz natürlich nur noch bestärkt wurde: Dieses Buch einer wundervollen Autorin mit mehr als nur interessantem Klappentext musste gelesen werden- und zwar schleunigst!

Was ich nun Gott sei Dank getan habe. Begrüßt wurde ich mit Jenny Downhams gewohnten, bekannten Schreibstil: knapp, treffend, glaubwürdig. Er wirkt an keiner Stelle "aufgesetzt" oder gar "unglaubwürdig", wie es meiner Meinung nach bei einigen Autoren der Fall ist, sondern passt perfekt zu den Charakteren, die verständlicherweise angesichts ihres Alters einen eher umgangssprachlichen Ton an den Tag legen.
Ebenso die Tatsache, dass Jenny Downham den personalen Erzähler als Erzählertyp gewählt und glücklicherweise auf die Ich-Perspektive, deren Freund ich generell nicht bin, verzichtet hat, fand ich sehr angenehm und wirkungsvoll. Vor allem in Hinblick auf den ständigen Perspektivenwechsel zwischen Mikeys und Ellies Sicht, der, wie ich finde, außergewöhnlich gut gelungen ist! Sowohl Mikey und Ellies Gefühle, Ansichten, Einstellungen und Entscheidungen konnte ich ausnahmslos nachvollziehen, selbst wenn dabei beide völlig unterschiedlicher Meinung in einem Punkt waren. Auch der Schreibstil hat sich beiden jeweils angepasst, sodass keine Überschriften mit den jeweiligen Charakternamen oder gar ein Schriftwechsel, wie er oft in anderen Büchern zu sehen ist, nötig war. Mikeys und Ellies Gedankengänge und Gefühlsregungen werden stets sehr glaubwürdig und treffend beschrieben, wobei nie um den heißen Brei geredet oder alles detailiert in die Länge gezogen wird, sondern treffende, kurze und ausdrucksstarke Umschreibungen das Herz des Lesers erreichen.
Die Handlung war wie erwartet spannungsgeladen und mehr als nur aufwühlend. Besonders zu Ende hin müssen Fingernägel unter aufgeregtem, angespannten Kauen leiden, während meinen Augen gar nichts anderes übrigblieb, als gebannt Wort für Wort zu verschlingen und in mich aufzunehmen. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass ich das Buch einige Male beiseite legen musste. - Zu sehr hat es mich stellenweise aufgewühlt, (in positiven Sinne) verwirrt und nachdenklich gestimmt, was nicht zuletzt an diesen authentischen, wundervollen Charakteren lag.
Diese nämlich sind erschreckend menschlich und realitätsnah gezeichnet. Keiner von ihnen wirkt auch nur ansatzweise aufgesetzt oder "konstruiert", von keinem könnte man meinen, er seie der Fantasie einer Autorin entsprungen und seine Handlungen und Gedanken entsprächen nicht der Wirklichkeit. Keiner von ihnen ist makellos oder vollkommen, sondern durchweg mit vielen, vielen Schattierungen und Facetten versehen, sodass selbst dem eigentlichen "Bösewicht" in dieser Geschichte etwas Gutes abgewonnen werden kann und man selbst diesen und noch so für die Handlung unbedeutende Nebencharaktere ungewollt ins Herz schließt. Nachdem das letzte Wort auf der letzten Seite gelesen worden war, überfiel mich eine altbekannte bedrückte Stimmung, deren ersten Anzeichen schon 100 Seiten vor Ende sich anmeldeten und die mich dazu brachten, jede Seite zu genießen und mich möglichst langsam der letzten Seite zu nähern. Dennoch blieb mir nichts anderes übrig, als schließlich jene Seite mit leichter Reue irgendwann zuzuschlagen und es mir nun tatsächlich - wie es ein wunderschönes Zitat besagt- so vorkommt, als hätte ich ein paar wertvolle Freunde verloren.

"War das Liebe? Es tat nämlich weh. Als ob eine Glasscherbe in einer wichtigen Stelle feststeckte- in seinem Herzen oder seinem Kopf, und da pulsierte es."
("Ich gegen dich", Seite 276)
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Ich wäre verrückt, würde ich diesem wundervollen Buch mit einer Handlung, die bis unter die Haut geht und Charakteren, die authentischer und glaubwürdiger nicht sein könnten, nicht die volle Punktzahl geben würde. Wenn Bücher 5 "Sterne" verdient haben, dann solche wie dieses. Deshalb:
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Herzlichen Dank an denImage and video hosting by TinyPic-Verlag für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

Diti hat gesagt…

Eine begeisterte Rezension mehr. Ich habe das Buch noch ungelesen im Regal und hoffe bald danach greifen zu können, da auch mir "Bevor ich sterbe" sehr gut gefiel. Eine schöne Rezension hast du geschrieben.

Liebe Grüße, Diti

Belle hat gesagt…

Wirklich tolle Rezi, das Buch kommt sofort auf meine Wunschliste! Klingt echt super :)
Liebe Grüße,
Belle

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