"Bis unter die Haut"- Julia Hoban

Freitag, 9. September 2011

Titel: "Bis unter die Haut"
Originaltitel: "Willow"
Autor: Julia Hoban
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 11. April 2011
Seitzenzahl: 352

















Kurzbeschreibung
Vor einem halben Jahr tranken Willows Eltern bei einer Einladung ein Glas zu viel und baten ihre Tochter, sie nach Hause zu fahren. Doch sie kamen niemals an. Willow verlor die Kontrolle über den Wagen und ihre Eltern starben vor ihren Augen.
Jetzt hat Willow all das hinter sich gelassen. Sie ist weggegangen von ihrer alten Schule, von ihren alten Freunden- von den Erinnerungen. Den Schuldgefühlen jedoch kann sie nicht entrinnen. Die erträgt sie nur, indem sie sich ritzt.
Da kommt Guy in ihre Klasse, ein Jnge, so sensibel und nachdenklich wie Willow selbst. Als er Willows gut behütetes Geheimnis entdeckt, stößt sie ihn von sich. Doch Guy lässt sich nicht abweisen...




Eigene Meinung

"(...) als könnte ihr Blut das ihrer Eltern fortwaschen."
("Bis unter die Haut", S. 194)


Ohne Zweifel ein wirklich schwieriges Thema, das war mir von Anfang an klar. Umso gespannter war ich deshalb auf die Umsetzung dieses Themas. Ich hatte mich zuvor noch nie wirklich - und wenn, dann nur oberflächlich - mit der Frage beschäftigt, welche Beweggründe Menschen dazu bringen können, sich selbst solch einen körperlichen Schaden und Schmerz zuzufügen.
Willow, die seit diesem tragischen Unfall und dem Wissen, wäre sie an jenem Abend nicht hinter dem Steuer gesessen, würden ihre Eltern vielleicht noch neben ihr stehen und leben, nicht klar kommt, plagen Gefühle, die viel weitgreifender, ja noch unerträglicher sind, um sie mit "Schuldgefühlen zu betiteln. Dennoch fühlt sie sich nicht nur verantwortlich für den Tod ihrer Eltern, sondern bezeichnet und betrachtet sich selbst sogar als Mörderin.

Julia Hoban schildert in Willows Worten auf eine herzzereißende Art, wie sie seit diesem Vorfall vor einem halben Jahr sich selbst auf abgrundtiefe Weise hasst und ihre Rasierklingen als einzigen Ausweg, ja sogar als eine Art "Freunde" betrachtet, da sie ihr helfen, den inneren Schmerz, den sie nicht ertragen kann, zu überlagern und ein Mittel zu ihrer eigenen "Bestrafung" darstellen.
Auf einfühlsame und realistische Weise wird Willows zerrissenes Innerstes so detailiert und mit wenigen, treffenden Worten beschrieben, dass mich das ganze Buch über eine bedrückende, beinahe schon verzweifelte Stimmung überfiel. Als besonders bewegend empfand ich die Momente zwischen Willow und ihrem größeren Bruder, David, von dem sie glaubt, er hasse sie und mache sie genauso verantwortlich für den Tod seiner Eltern, wie sie selbst.

"Sie konzentriert sich auf seine Stimme, auf die Rettungsleine, die er ihr zuwirft.
Die Bilder verblassen nicht, aber während sie Guys Atem lauscht, lassen die Unfallgeräusche nach."
("Bis unter die Haut", S. 194)


Um sich selbst dieser Art Bestrafung zu unterziehen, lässt sie keine anderen Gefühle außer Hass in sich zu, auch, als sie auf Guy trifft, dem (anders, als im Klappentext beschrieben) sie in der Unibibliothek, in der sie aushilft, begegnet.
Selbst als Guy von ihrem gut gehütetem Geheimnis erfährt, schreckt er nicht davor zurück, seine Zeit mit Willow zu verbringen- in dem verzweifelten Versuch, hinter ihre Gründe für ihre (wie er es nennt) "Selbstverstümmelung" zu kommen und ihren Hass auf sich selbst zu beseitigen.


Es lässt sich schwer beschreiben, wie nahe mir dieses Buch teilweise gegangen ist und wie sehr ich gerade auch Guy für seine Reaktionen und unermüdlichen Versuche, Willow vor ihr selbst zu retten, bewunderte. Nichtsdestotrotz blieb Guy die ganze Zeit über sehr glaubwürdig und wirkte keinen Moment aufgesetzt und "zu perfekt".
Das Ende bzw. die lezten 3 Seiten habe ich, glaube ich, um die 3 Mal gelesen. Einerseits, weil ich selten ein so realitätsnahes, glaubwürdiges (wie die Charaktere selbst) aber dennoch nicht weniger wundervolles Ende gelesen habe, andererseits, weil mir wohl nicht eingestehen wollte, dass an dieser Stelle Guys & Willows Geschichte für mich enden sollte. Ich denke, ich hätte alles für ein paar Seiten mehr gegeben. Auch wenn es auf diese Art wohl der beste Ausgang für die Geschichte gewesen ist, den es gibt.
Mehr kann und will ich zu diesem, meiner Meinung nach, wunderbaren, nahegehenden Buch und Charakteren gar nicht sagen, außer vielleicht, dass ich hoffe, dass es auch außerhalb zweier Buchdeckel solche Guys in der Welt zu finden gibt. Oder - um es mit Willows Worten auszudrücken: "Oh schöne neue Welt, die solche Einwohner hat..."

"Es war, als würde ein Schmerz an die Tür zu meinem Bewusstsein klopfen, der so überwältigend und unerträglich war, dass ich wusste, ich würde daran zugrunde gehen, wenn ich ihn hereinlassen würde."
("Bis unter die Haut", S. 234)


Fazit
Ein nahegehendes, lehrsames Buch mit wunder-, wunderbaren, menschlichen Charakteren. (Die mir zur Zeit wohl des öfteren "begegnen". Ich habe das Gefühl, bei jedem Buch dasselbe zu schreiben, aber ich kann nichts dafür, ich scheine zurzeit Glück mit meiner Buchauswahl zu haben)
Deshalb gibt es die volle Punktzahl mit ganz vielen, imaginären Extraherzen:





Kommentare:

Diti hat gesagt…

Wow, tolle Rezension. Schön geschrieben. Das Buch klingt wirklich sehr toll. Hast mich jetzt gespannt gemacht. Leider habe ich gerade soo einen kleinen "Wettkampf" mit mir selbst. Ich will bis zum Oktober keine Bücher kaufen/anfordern. Schwierig, aber auf meinem SuB liegen soo tolle Bücher, die irgendwann mal gelesen werden müssen.

Allgemein finde ich den cbt Verlag richtig toll. Immer geniale und interessante Jugendbücher.

LG, Diti

Buchstabenfängerin hat gesagt…

Eine E-Mail vom Verlag habe ich überhaupt nicht bekommen. Ich hatte das Buch schon fast vergessen und dann war es da! Da war dann die Freude umso größer :)
Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Meinungen über Bücher sein können. Ich habe "Bis unter die Haut" auch angefangen zu lesen und es hat mir gar nicht gefallen und es sogar abgebrochen. Nicht weil ich mit dem Thema nicht zurecht gekommen bin, eigentlich mag ich solche Bücher über "schwierige" Themen aber mir hat einfach der Schreibstil nicht gefallen und manchmal wurden mir die Beschreibungen einfach zu unglaubwürdig.
LG :)

captain cow hat gesagt…

Woow, dieses Buch klingt wunderbar - das wandert gleich auf meine Wunschliste! Danke für die klasse Rezension.
Uh und das neue Design gefällt mir auch sehr, sehr gut. Ich würd dir nur raten, noch mal einen kurzen Blick auf die Inhaltsangabe des Buchs zu werfen, da sind einige Tippfehler drin (nicht so schlimm, aber es ist mir nur aufgefallen :] ).

Zu deinem Kommentar: "Die Tochter des Magiers" habe ich bereits gelesen (ebenso wie die Ring-Trilogie) und es hat mir sehr gut gefallen. Irgendwie suche ich ja schon nach einem Buch in der Art... Aber ich kenne (und besitze xD) es halt schon. Ich hab mich jetzt aber für "Skinned" von Robin Wasserman entschieden - es hört sich sehr gut an und ich habe bisher auch eigentlich nur viel Gutes darüber gelesen.
Trotzdem vielen Dank für den Tipp! :)

Lovely Girl hat gesagt…

Hey,

Wow, deine Rezension gefällt mir total! Ich muss dieses Buch unbedingt lesen. Nicht nur der Klappentext sondern auch deine Rezension zwingen mich einfach dazu, das Buch zu lesen !

Außerdem gefällt mir dein Blog sehr gut. Einfach wunderschön *-*
Ich bin gleich mal Mitglied geworden.
Du kannst ja gern bei mir mal vorbeischauen
http://bessis-louisiana.blogspot.com/

Ganz liebe Grüße
Besra

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