Rezension: "Love you, hate you, miss you"

Dienstag, 16. August 2011


Titel: "Love you, hate you, miss you"
Orginaltitel: "Love you, hate you, miss you"
Autor: Elizabeht Scott
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 1. August
Seitenzahl: 288
Preis: 7, 95 Euro
ISBN: 978-3423714525










Kurzbeschreibung:
Julia war ihre beste Freundin, ihre Anlaufstation bei Kummer, ihr großes Vorbild. Und jetzt ist Julia tot – und Amy hat schreckliche Schuldgefühle. Schließlich hat sie den Autounfall überlebt und Julia nicht. Doch nach und nach muss sich Amy damit auseinandersetzen, dass Julia vielleicht doch nicht so perfekt war, wie sie Amy immer erschien. Und plötzlich steht die Frage im Raum, was in der Unglücksnacht tatsächlich passiert ist.


Erwartungen:
Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, erwartete ich eine Geschichte à la "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" von Lauren Oliver, mit dem Unterschied, dass das Thema hier den Verlust eines geliebten Menschen, in diesem Fall der besten Freundin, behandelte. Die Idee fand ich auf Anhieb sehr interessant und ansprechend und war gespannt, wie Elizabeth Scott es schaffen würde, einen solch großen Verlust und eine Geschichte, die sehr nach Verzweiflung und Bedrückung klang, in Worte zu fassen.


Eigene Meinung:

"(...) und als mein Blick wieder klarer wurde, war auf einmal alles überdeutlich, überscharf, als bestünde die Welt nur noch aus Ecken und Kanten, die mich unerbittliche aufschlitzen würden. " (S. 112, "Love you, hate you, miss you")

Elizabeth Scotts Schreibstil lässt sich insgesamt als "knapp" und "kurz und bündig" beschreiben. Sie schmückt ihre Sätze nicht besonders aus oder verwendet gar ausschweifende Beschreibungen. Umso mehr hat es mich überrascht, dass sie trotz diesen knappen Beschreibungen Amys Gefühle so treffend und realistisch beschreiben konnte, dass ich an manchen Stellen wirklich eine Ahnung von ihrem ungemein großen Schmerz bekam, während des Lesens selbst in eine bedrückte Stimmung verfiel und stumm mitlitt.

Elizabeth Scott beschreibt keine unwichtigen Nebensächlichkeiten wie Räume, Orte ect. , sondern konzentriert sich vollkommen auf Amys Gefühl- und Gedankenwelt, sowie ihr Verhalten und die Spuren, die dieser schockierende Verlust ihrer besten Freundin bei ihr hinterlassen hat und den sie noch nicht ansatzweise verarbeiten konnte.
Die gesamte Geschichte wird aus Amys Sicht geschildert, die Angst hat, ihre Gefühle vor anderen und vor allem vor sich selbst preiszugeben und sich einzugestehen. Dennoch fasst sie immer wieder die Dinge, die in ihr vorgehen sehr nachvollziehbar in Worte. Abgesehen davon war sie für mich auch sonst eine sehr realitätsnahe Protagnoistin. Alle Charaktere wirkten weder aufgesetzt noch flach und wurden auch nicht in dieses Schema "gut" und "böse" hineingezwängt. Im Gegenteil, mir erschienen alle Charaktere sehr gut ausgearbeitet und durchdacht. Sie besaßen viele Facetten und wirkten dadurch sehr tiefgründig, allen voran natürlich Amy, die mir manchmal unberechenbar und im anderen Moment wieder so zerbrechlich erschien.

Viele Probleme werden in diesem Buch aufgegriffen, jedoch wird einem keineswegs irgendeine Meinung oder Ansicht aufgezwungen, sondern es wird einem Platz gelassen, selbst zu urteilen. Auch Julia bleibt die ganze Zeit über schwer einschätzbar, sodass es einem selbst überlassen bleibt, sich eine Meinung über sie zu bilden.

An manchen Stellen war es wirklich herzzereißend und berührend, Amy mit ihrem Schmerz und ihrer Schuld zu "beobachten" und dieses Gefühl, einen schweren Fehler, der alles veränderte, nicht rückgängig machen zu können, kam sehr gut bei mir an. Dies wurde vor allem auch durch die Briefe, die Amy an Julia verfasste und in denen sie ihre manchmal verwirrten, aber vor allem hilflosen und verzweifelte Gedanken niederschrieb, gut rübergebracht. Amys Weg, diesen großen Verlust und Schmerz zu überwinden wir auch zu Ende sehr gut beschrieben und gelöst.
Das Ende fand ich sehr realistisch und passend, genau wie die gesamte Geschichte an sich.

"Erwachsenwerden heißt letztlich nichts anderes, als zu begreifen,
dass niemand kommt und alles in Ordnung bringt.
Niemand kommt und rettet dich."
(S. 234, "Love you, hate you, miss you")

Das Cover:
Das Cover finde ich persönlich sehr schön und gut gelöst. Dieses halbe Gesicht und die nach unten blickende Augen, die wahrscheinlich Amy gehören sollen und unten ein unbeschwert lachendes Mädchen, das den Kopf in den Nacken legt und damit der Anschein erweckt, als würde es nach oben, zu dem anderen Mädchen (Amy) blicken. Wahrscheinlich, so vermute ich zumindest, soll das Julia darstellen.
Auch die Farben und die Schrift des Titels und des Autorennamens finde ich sehr passend und harmonisch.

Das englische Cover hingegen finde ich auf den ersten Blick zwar schön, aber ich wüsste nicht, wie die Rosenblätter mit der Handlung zusammenhängen sollten. Vielleicht sollen sie auch gar keine Bedeutung haben, aber das Cover an sich und die Frau darauf wirken sehr und zu erwachsen und ich würde beim Anblick dieses Covers auf Anhieb eine Liebesgeschichte erwarten und nicht eine solch traurige und von Verzweiflung geprägte Geschichte.

Deshalb finde ich das deutsche Cover ausnahmsweise um einiges schöner und passender.



Fazit:
Eine wunderschöne Geschichte über Verzweiflung, Verlust, Schuld und Freundschaft mit wunderbar realitätsnahen Charakteren. Ein Buch, das mir teilweise sehr nahe gegangen ist und das ich zwar mit einem bleibenden bedrückenden Gefühl aber dennoch mit einem Lächeln zugeschlagen habe.
Daher vergebe ich:

Vielen Dank an den dtv- Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Rezensionsexemplars!
Image and video hosting by TinyPic


Image and video hosting by TinyPic

Kommentare:

captain cow hat gesagt…

Ui, das hört sich ja eigentlich nach einem sehr guten Buch an, das man mal lesen kann, wenn grad nichts anderes da ist. Vielleicht gucke ich mal in der Bibliothek danach.
Vielen Dank für die Vorstellung (:

real-booklover hat gesagt…

Das Buch ist wirklich toll :)

Ich finde, man sollte mal solche Bücher in der Schule lesen und nicht so langweilige Lektüren, die einem eh nichts fürs Leben mitgeben :D

PS: Die Rezension gefällt mir!

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für deinen/Ihren Kommentar.
Jeder einzelne wird gelesen, geschätzt und gegebenenfalls darunter beantwortet. :)

© fearsomeangel.blogspot.com