Rezension: "Young Elites" - Marie Lu

Montag, 13. Februar 2017









Über Nacht verfärbten sich Adelinas wunderschöne schwarze Haare plötzlich silbern. Seit sie das mysteriöse Blutfieber überlebte, ist die Tochter eines reichen Kaufmanns gezeichnet und von der Gesellschaft verstoßen. Aber die Krankheit hat ihr nicht nur eine strahlende Zukunft genommen, sondern auch übernatürliche Kräfte verliehen. Und Adelina ist nicht die Einzige. 
Die Gemeinschaft der Dolche wird vom König gejagt und gefürchtet, denn mit ihren unerklärlichen Fähigkeiten sind sie imstande, ihn vom Thron zu stürzen. Doch dazu benötigen sie Adelinas Hilfe ...







">>Ich bin bereit<<, entgegne ich stürmisch. 
Zu meinem Missfallen ist mein Gesicht noch immer nass von Tränen. [...]
Einen Moment lang sind unsere Blicke ineinander verschränkt. 
Schließlich hebt Enzo die Hand und wischt mir sanft die Tränen aus dem Gesicht.
>>Weine nicht<<, sagt er streng. >>Dafür bist du zu stark.<<"

["Young Elites" | Marie Lu | S. 215]

Der Hype um Marie Lus "Legend"-Reihe zog damals an mir wirkungslos vorbei - die Geschichte hatte mich einfach nie genug gereizt, um mich zu dem Buch greifen zu lassen. 
Ganz anders verhielt es sich mit dem neuen Werk aus Miss Lus Feder: "X-Men" trifft auf "Die Rote Königin" und dies auch noch in einem venezianischen Setting? Das klang aufregend, anders, gewagt. Und so machte ich mich voller Vorfreude an das Lesen dieses außergewöhnlich klingenden Werks.

Was sofort auffällt: Marie Lu scheint kein Freund der schnörkeligen, deskriptiv ausgeschmückten Sprache zu sein. Ihr Schreibstil ist leicht, verständlich, flüssig und somit im typischen Jugendbuch-Manier gehalten. Dieser schlichte Erzählstil passt meiner Meinung nach zweifellos zu unserer Protagonistin Adelina, denn auch Adelina ist kein Mensch der großen Worte, sondern definitiv der Taten. Sie ist forsch und trotz der schrecklichen Erfahrungen, die sie aufgrund ihres Andersseins in der Kindheit durchleben musste, stellenweise sehr selbstbewusst und ehrgeizig. 

Was nicht heißen mag, dass sie sich im Laufe der Geschichte nicht ab und an von ihrer verletzlichen Seite zeigt: Einige Male ist sie hin- und hergerissen zwischen Selbsthass und der (zugegebenermaßen meist berechtigten) abgrundtiefen Wut auf alles und jeden. Und da haben wir auch schon den springenden Punkt, den Marie Lu meiner Meinung nach grandios umgesetzt hat: Sie hat eine Protagonistin geschaffen, die von außen betrachtet oft sehr egoistisch und rücksichtslos handelt, ja stellenweise sogar als boshafter Charakter erscheint. 
Dank Adelinas Gedankengänge verschwimmt die Linie zwischen Gut und Böse und dieses Mädchen, das solch dunkle Abgründe in sich hat, will einem einfach gar nicht so böse erscheinen. Chapeau, Miss Lu!

Auch die anderen Charaktere wurden interessant gestaltet und vor allen Dingen undurchschaubar gehalten. So kann man sich bis zum Schluss (und darüber hinaus) nicht sicher sein, ob der anfangs noch so sympathisch scheinende Gefährte nicht doch etwas Hinterhältiges im Schilde führt oder der wahnsinnige Bösewicht am Ende nicht vielleicht doch einen weichen Kern in sich trägt? 
Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Marie Lu diese Undurchschaubarkeit in den Folgebänden beibehalten bzw. noch einige Überraschungen parat hat, so dass die Grenzen zwischen Gut und Böse noch oft verschoben werden.

Einzig und allein mit der (im Hintergrund gehaltenen) Liebesgeschichte konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Sie ging mir zu plötzlich von statten, gab es doch meiner Meinung nach zu wenig Szenen zwischen den betroffenen beiden Charakteren, die es mir möglich gemacht hätten, die für einander entwickelten Gefühle nachzuvollziehen. Meiner Meinung nach hätte Frau Lu getrost auf die Romantik verzichten können.

Ein aufregendes Ende, das ich auf diese Weise definitiv nicht vorausgesehen hatte, lässt mich nun dem zweiten Band neugierig entgegenfiebern.








Ein an Venedig erinnerndes Setting, Gondelfahrten, Masken und Umhänge, Kurtisanen, eine geheimnisvolle Elite, deren Mitglieder außergewöhnliche Gaben besitzen, sowie eine boshafte und doch liebenswürdige Protagonistin... Klingt interessant? Das ist es auch!
Trotz kleiner Schwächen (Liebesgeschichte) freue ich mich, zusammen mit der Elite hoffentlich bald im Folgeband durch Kenettra zu streifen.  






"Ruined" von Amy Tintera - Kurzmeinung

Sonntag, 5. Juni 2016



Emelina Flores has nothing. Her home in Ruina has been ravaged by war; her parents were killed and her sister was kidnapped. Even though Em is only a useless Ruined—completely lacking any magic—she is determined to get revenge.
Her plan is simple: She will infiltrate the enemy’s kingdom, posing as the crown prince’s betrothed. She will lead an ambush. She will kill the king and everything he holds dear, including his son. 
The closer Em gets to the prince, though, the more she questions her mission. Her rage-filled heart begins to soften. But with her life—and her family—on the line, love could be Em’s deadliest mistake.

+ Okay, ich gebe es zu: Ich bin absolut und hoffnungslos vernarrt in Geschichten, die an Königshöfen spielen, lange, prachtvolle Kleider und eine gehörige Portion Intrigen beinhalten. Wahrscheinlich ist diese Vernarrtheit ein Überbleibsel aus meiner Kindheit und auf mein immer noch intaktes Herz für Märchen zurückzuführen... "Ruined" hat jedenfalls reichlich davon anzubieten.

+ Obwohl ich für gewöhnlich kein Fan von Perspektivwechseln in Büchern bin, hat Amy Tintera sowohl Ems als auch Cas' Perspektiven interessant und abwechslungsreich gestaltet. Vielleicht wäre so manches spannender gewesen, hätte man es als Leser nicht bereits aus der Sichtweise des jeweils anderen Protagonisten erfahren, doch dies machten die wertvollen Einblicke ins Innenleben beider Figuren wieder wett.

+ Hach ja, Cas - er ist so wunderbar unperfekt, impulsiv, nachdenklich, humorvoll... Ach ja, und nebenbei bemerkt: ein Prinz. Überzeugt? 

+ Selten wecken die Nebencharaktere eines Buches mein aufrichtiges Interesse, doch "Ruined" lässt an so vielen Stellen undurchschaubare, interessante Nebencharaktere auftauchen, die dann jedoch wieder so schnell von der Bildfläche verschwinden, wie sie gekommen sind. Gerne hätte ich über den ein oder anderen mehr erfahren, doch dafür ist ja zum Glück noch Zeit in den Folgebänden.

+ Zwischen den Buchdeckeln von "Ruined" stecken so viel Verbitterung, Hass, Rachegelüste auf der einen und Liebe, Loyalität, Freundschaft auf der anderen Seite. Ich war absolut hingerissen und konnte mich kaum von den Seiten losreißen. Ich habe keine Ahnung, wie ich es aushalten soll, auf den zweiten Band (Sommer 2017) so lange zu warten.


- Ein klitzekleinermini Minuspunkt: Ohne zu viel verraten zu wollen -  ein Nebencharakter ist für meinen Geschmack viel zu früh von der Bildfläche verschwunden. Wie gerne hätte ich noch mehr über ihn erfahren! Sehr schade... 

- Über die sog. "Ruined" - das Volk, zu welchem unsere Protagonistin Em gehört und das mit dem Königreich Lera verfeindet ist - erfahren wir relativ wenig. Das Wenige, was Frau Tintera preisgibt, muss der Leser aus dem Kontext erfahren und ich bin mir immer noch unschlüssig, ob ich diese Tatsache clever gelöst oder als unzureichend einstufen soll...

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