Kurze Liebeserklärung: "Wintersong" von S. Jae-Jones

Sonntag, 27. August 2017


Es gibt diese Bücher, die man zu Anfang eines neuen Jahres liest und  bei denen man dennoch bereits nach knapp der Hälfte der Seiten weiß, dass sie zu den absoluten Jahreshighlights zählen werden.

Es gibt diese Bücher, bei denen ich ständig das Bedürfnis habe, nach Post-its oder Textmarker zu greifen, weil es so unfassbar viele wunderschöne Stellen und Szenen gibt. 

Es gibt diese Bücher, die einen noch Monate nach der letzten gelesenen Seite zwischen den Buchdeckeln gefangen halten.

"Wintesong" von S. Jae-Jones war ein solches Buch für mich. S. Jae-Jones hat einen unglaublich feinfühligen, ergreifenden Schreibstil und ist deshalb schuld daran, warum ich so gut wie meinen gesamten Post-it-Vorrat aufgebraucht habe. Dazu kommt, dass ich selten von solch facettenreichen Charakteren gelesen haben. Sowohl der Goblin King als auch Liesl sprühen pure Faszination aus - sie sind so vielschichtig, so abgründig, so unberechenbar, so unfassbar interessant. 

Ich sehne schon das Erscheinen von Band 2 "Shadowsong" im nächsten Jahr herbei.
Solltet ihr "Wintersong" noch nicht gelesen haben, lege ich euch ans Herz, es schleunigst nachzuholen. Im Dezember erscheint übrigens die deutsche, gleichnamige Übersetzung beim ivi-Verlag.


Rezension: "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" von Sarah J. Maas

Sonntag, 13. August 2017








Feyre hat überlebt. Sie hat Amarantha, die grausame Fae-Königin, besiegt und ist mit Tamlin an den Frühlingshof zurückgekehrt. Doch das scheinbar glückliche Ende täuscht. Tamlin verändert sich immer mehr und nimmt ihr allen Freiraum. Feyre hat Albträume, denn sie kann die schrecklichen Dinge nicht vergessen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten. 

Und sie ist einen riskanten Handel mit Rhys eingegangen und muss nun jeden Monat eine Woche an seinem gefürchteten Hof der Nacht verbringen. Dort wird sie immer tiefer in ein Netz aus Intrigen, Machtspielen und ungezügelter Leidenschaft gezogen.


Quelle: dtv Verlag







- Zweiter Teil einer Trilogie: SPOILER Gefahr - 


">>Es gibt verschiedene Arten von Dunkelheit<<, sagte Rhys. Ich hielt meine Augen geschlossen. >>Da ist die Dunkelheit, die Angst macht, die Dunkelheit, die tröstet, und die Dunkelheit, die Frieden bringt.<<
Ich stellte mir vor, was er da beschrieb. 
>>Da ist die Dunkelheit der Liebenden und die Dunkelheit der Mörder. Sie wird zu dem, wozu der Schöpfer sie macht, was er von ihr braucht.
Die Dunkelheit selbst ist nie gut oder schlecht.<<"

["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 345]





Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal dem Erscheinen einer Fortsetzung dermaßen entgegengefiebert habe. Dick und in Grellrot habe ich mir das Erscheinungsdatum von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" im Kalender markiert. Mein Herz machte Saltos, als ich es dann endlich - endlich - in Händen hielt und wieder in das Reich der sieben Höfe, nach Prythian, zurückkehren durfte, wo bereits allerlei Irrungen und Wirrungen, Gefühlsabgründe und Herzklopfen, Intrigen und Offenbarungen auf mich warteten.


Sarah J. Maas hat geschafft, was leider einigen Autoren meiner Meinung nach häufig misslingt: Eine Fortsetzung zu schreiben, die dem ersten Teil einer Buchreihe in nichts nachsteht - ja diesen vielleicht sogar übertrifft.
Nach den ersten gelesenen Seiten ist es, als hätte man Prythian nie verlassen - ohne jegliches Vorgeplänkel katapultiert Sarah J. Maas ihre Leser zurück in diese aufregende, magische Welt, die wir mit Freyres Augen erleben dürfen. Zurück am Frühlingshof erwarten den Leser gleich zu Beginn so einige Begebenheiten, die ich nicht vorhergesehen hätte. 
Wo wir auch gleich beim Thema wären: Ich habe mich tatsächlich keine Sekunde während des Lesens dieses Wälzers (und diesen Titel verdient dieses Buch dank seiner 700-seitigen-Pracht definitiv) gelangweilt. Selbst wenn zwischendurch nicht eine erschreckende, unvorhergesehene Wendung die nächste jagte, sondern während ruhigeren Zwischenstrecken Charaktere oder Orte dem Leser näher gebracht wurden, so führte dies niemals zur Langatmigkeit. 

Dies ist sicherlich zum Teil Sarah J. Maas' grandiosem Schreibstil geschuldet: Mein Gott, wie viel Detailliebe, Gefühle und Treffsicherheit in ihren Beschreibungen doch stecken. Dank dieses Talents verlieren Orte wie Velaris, der Hof der Albträume oder gar Hybern ihre Bedeutungslosigkeit und werden zu pulsierenden Orten, die voller Leben stecken und sich während des Lesens unheimlich real anfühlen. Ebenso verhält es sich mit Feyres Gefühlswelt, die - ohne zuviel verraten zu wollen - eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Emotionen in diesem Band zu bieten hatte. Dank Sarah Maas Talent zum Schreiben haben mich Feyres Gefühle mitten ins Herz getroffen - egal, ob es sich dabei um allesverzehrende Traurigkeit oder himmelhochjauchzende Freude handelte.

Worauf ich mich mitunter nach Beenden des ersten Bandes am meisten gefreut hatte, war in Band zwei den Hof der Nacht, Rhysands Zuhause, kennenzulernen. Dank der in Band 1 getroffenen Vereinbarung war dies schließlich unvermeidlich und, wenn ich ehrlich bin, so ziemlich das Einzige, was ich bezüglich der Geschehnisse in Band 2 vorhersehen konnte. Denn mit dem, was sich hinter dem Hof der Nacht, hinter dem geheimnisvollen Rhysand wirklich verbirgt, hatte ich definitiv nicht gerechnet. Meine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen und ich hätte nichts dagegen, wenn diesem Buch noch weitere 700 Seiten hinzugefügt worden wären, um weitere Einblicke in dieses Reich bekommen zu können, um durch Velaris' Straßen unter einem strahlenden Sternenhimmel zu streifen.

Doch was diese grandiose Fortsetzung so großartig, so besonders macht, dass mein Herz nach Beenden der letzten Seite blutete (und immer noch blutet), sind die Charaktere. Meine Güte, wie tief sie sich doch in mein Herz eingeschlichen haben, allesamt. Allen voran Feyre, die eine dermaßen gewaltige Charakterentwicklung durchlebt, sich in diesem Band einerseits zerbrochen und verletzlich zeigt und mich dennoch so einige Male mit ihrer Stärke zutiefst beeindrucken konnte. Doch dies ist nur ein Beispiel von vielen: Ganz gleich, ob Tamlin, Lucien, Rhysand, der innere Kreis, Feyres Schwestern oder sonstige, noch so nebensächlich erscheinende Nebenfiguren - all diese Charaktere sind unheimlich faszinierend, facettenreich und vielschichtig. Und Rhysand? Über ihn verliere ich besser nicht zu viele Worte, denn wenn ich anfangen würde, so würde diese Rezension in einem Epos enden. Nur so viel sei gesagt: Er hat definitiv das Potenzial zum Lieblingscharakter aller Zeiten. 

Wer diesen Band gelesen hat, kann gar nicht anders, als zu verstehen, warum sich alles, was aus Sarah J. Maas' Feder stammt, einer so großen Popularität erfreut. Ihre Charaktere werden für den Leser zu treuen Verbündeten und zu gehassten Feinden. Sämtliche Handlungsstränge verursachen wildes Herzklopfen, bangende Verzweiflung und aufkeimende Hoffnung. Und als wären die 700 Seiten dieser Fortsetzung nicht schon aufregend genug, greift Sarah J. Maas mit ihrem Ende (ähnlich wie bei Band 1 auch) mit ihrer Hand direkt nach dem Herz ihrer Leser und drückt mit einem ebenso überwältigenden wie auch erbarmungslosen unvorhergesehenen Ende zu.



">>Auf diejenigen, die zu den Sternen schauen und sich etwas wünschen, Rhys.<< Er nahm sein Glas und schaute mich so durchdringend an, dass ich mich fragte, wie ich je unter Tarquins Blick erröten konnte. Rhys stieß mit seine Glas leicht gegen meins.
>>Auf die Sterne, die zuhören - und auf die Träume, die wahr werden.<<"

["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 388]








"Wie soll ich nur die Zeit bis zum Erscheinen des dritten Bandes überstehen?", ist der Gedanke, der mich seit Beenden von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" quält. Fest steht, dass diese Fortsetzung dem ersten Band in nichts nachsteht, ja meine hohen Erwartungen sogar übertroffen hat. Ich kann euch nur wärmstens ans Herz legen, euch von dieser Trilogie in das Reich der Sieben Höfe, nach Prythian, entführen zu lassen. 
Macht euch auf rasante Handlungsstränge, faszinierende Charaktere und viel, viel Herzklopfen bereit - ach ja, und auf ein blutendes Herz, das ihr definitiv haben werdet, sobald ihr die letzte Seite dieses großartigen Buches gelesen habt und Prythian (vorerst) wieder verlassen müsst. 

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